"Wie geht es dir?", eine alltägliche Frage, die viele verwenden um ins Gespräch zu kommen, beziehungsweise Smalltalk zu führen. Genau das fragt mich Elias in der Schule, wie so oft antworte ich mit "Gut!". Wir sprechen kurz miteinander und schon läutet die Schulglocke zur Religionsstunde. Elias geht in meine Parallelklasse, er ist ein sehr ruhiger Typ und ich rede gerne mit ihm, jedoch sind unsere Gespräche immer ziemlich oberflächlich. Doch irgendwie schafft er es immer, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Religion ist nicht gerade mein Lieblingsfach, deshalb hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Zuerst versuche ich noch dem Unterricht zu folgen, aber schnell schweife ich ab und denke an Eli's Frage zurück. Wie geht es mir?
Derzeit ist es so stressig in der Schule, dass ich wenig Zeit für mich habe. So viel um die Ohren, so viele Aufgaben, aber eigentlich tut es gut so viel zu tun zu haben. Dann hat man nämlich weniger Zeit in seinen eigenen Gedanken zu versinken. Das erste an was ich denke, ist die Matura nächstes Jahr, ich weiß nicht mal was ich maturieren soll! Ich habe das Gefühl, dass alle um mich herum schon einen perfekten Plan haben, außer ich. Irgendwie fühle ich mich alleine, obwohl so viele Menschen um mich herum sind. Ich kenne meine Klasse sehr gut und sie ist mir echt ans Herz gewachsen, doch in einem Jahr wird nichts mehr so wie es gerade ist.
Diese Gedanken versuche ich zu verdrängen, doch schon bald kommt das nächste Thema auf: Jungs. Meine beste Freundin hat einen Freund, warum bin es nie ich? Was mach ich die ganze Zeit falsch? Liegt es an mir?
Mittlerweile kriege ich gar nichts mehr von Religion mit, ich denke an meinen verstorbenen Opa. Ich vermisse ihn.
"Alles gut?", fragt mich meine Sitznachbarin, es trifft mich wie ein Schlag und ich sage nur "Ja, ja...". Zum Glück gibt die Lehrerin eine etwas interessantere Aufgabe, die mich ablenkt - doch dieses Gefühl geht nicht weg. Das Gefühl endlich mal meine Sorgen von der Sehle sprechen zu müssen.
Die Stunde ist endlich aus, ich gehe aus der Klasse hinaus und draußen wartet Elias auf mich. Ich sehe etwas in seinen Augen, aber kann es nicht einordnen. Er fragt mich ob ich Lust habe mit ihm nach der Schule was trinken zu gehen und ich sage zu. Wieder etwas Ablenkung tut mir sicher gut, nicht wahr?
Auf dem Weg zu einem Restaurant frage ich ihn, wie es ihm geht, seine Antwort ist unerwartet. Er erzählt, dass er gerade eine schwere Zeit durchmacht, da seine Eltern sich scheiden lassen. Eli erzählt was gerade in ihm vorgeht und ich merke mit jeder Sekunde dass er sich mehr fallen lässt und dass es ihm sichtlich besser geht. Wir reden ausführlich über das Thema, irgendwie ist es ungewohnt, aber ich merke, dass es ihm hilft.
Auch ich beginne mich zu öffnen und erzähle ihm von meinen Gedanken in der Religionsstunde - es tut so gut über meine Probleme zu sprechen. Er verurteilt mich nicht sondern lässt mich immer ausreden und versichert mir, dass die Zukunft sicher nicht so furchteinflösend werden wird, wie ich denke. Ebenso, dass ich wenn ich an die Vergangenheit denke, statt zu trauern, an die guten und schönen Momente denken soll und einfach dankbar für die vergangene Zeit sein.
Nach diesem Tag weiß ich, dass ich einen Freund fürs Leben gefunden habe.
Ich weiß, es ist nicht immer leicht im Leben, es ist wichtig zu wissen, dass ihr nicht alleine seid. Keinem geht es perfekt, alle haben ihre Sorgen. Über diese mit einer vertrauten Person zu sprechen ist der erste Schritt in die richtige Richtung.