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Politik Check: Wie politisch ist der Eurovision Song Contest wirklich?

Ganz Wien, ja ganz Österreich ist im ESC-Fieber: Am Samstag, dem 16. Mai, steigt um 21:00 Uhr das Finale in der Wiener Stadthalle, erneut unter dem Motto „United by Music“. Doch während Europa gemeinsam feiert, wird hinter den Kulissen heftig über Politik gestritten. Wie politisch ist der ESC wirklich?

Obwohl die geopolitische Lage angespannt bleibt, feiert Europa seine Vielfalt mitten in Wien. (Foto: shutterstock)

Nachdem Johannes Pietsch alias JJ 2025 den ESC in Zürich mit seinem Song „Wasted Love“ für Österreich gewinnen konnte, musste der ORF den ESC 2026 organisieren. Der 70. ESC findet in der Wiener Stadthalle statt und wird von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderiert. Nach 1967 und 2015 richtet die österreichische Hauptstadt den ESC zum 3. Mal aus. Insgesamt nehmen 35 Länder teil. Darunter auch Israel, obwohl es heftige Kritik und Boykottdrohungen gab. Spanien, Irland, Niederlande, Island und Slowenien etwa nehmen deswegen nicht am größten Musikereignis Europas teil.

Aufgrund diverser politischer Spannungen im Vorfeld gelten in Wien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Bei der Musikveranstaltung, die etwa 170 Millionen Menschen weltweit verfolgen, gelten neue Abstimmungsregeln. Diese sollen Manipulationen und Massenvotings erschweren.

Der ESC und die Politik

Der offizielle Veranstalter des ESCs, die EBU (European Broadcasting Union), verbietet in seinem Regelwerk politische Botschaften in Songs, Auftritten und Statements. Außerdem soll das Motto „United by Music“ betonen, dass die Musik Menschen unabhängig von ihren politischen Einstellungen verbindet.

Trotzdem lassen sich Politik und Musik bei einem internationalen Event kaum trennen: Seit 2022 ist Russland aufgrund seines Angriffs auf die Ukraine vom ESC verbannt. 2016 gewann die ukrainische Sängerin Jamala mit dem politisch interpretierten Song „1944“, in dem es um die Deportation der Krimtataren geht. Die Krimtataren sind ein turksprachiges, muslimisches, indigenes Volk der Krimhalbinsel. Außerdem gab es immer wieder Streit um Flaggen, Buhrufe und politische Statements einiger Künstler. Kritiker werfen dem ESC daher verständlicherweise Doppelstandards vor, denn Russland wurde die Teilnahme verweigert, Israel aber nicht.

Die aktuelle Israel-Debatte

Obwohl mehrere Länder Israels Teilnahme kritisierten, entschied sich die EBU gegen ein Teilnahmeverbot. Infolgedessen kündigten einige europäische Fernsehsender einen Boykott an, da sie diese Meinung nicht vertreten. In Wien werden in der Zeit des ESCs Demonstrationen erwartet. Daher wurden bereits erhöhte Sicherheitsvorkehrungen ergriffen.

Aber warum fordern manche einen Ausschluss Israels? Kritiker argumentieren mit den hohen Opferzahlen auf palästinensischer Seite im Gaza-Krieg. Sie fordern das gleiche Vorgehen wie bei Russland nach dem Angriff auf die Ukraine 2022. Es wird damit dagegen argumentiert, dass der ESC durch die Musik Brücken bauen und nicht Mauern schaffen soll. Außerdem sind die Boykottrufe oft antisemitisch und richten sich direkt gegen den jüdischen Staat.

Kann ein internationaler Wettbewerb unpolitisch sein?

So einfach es sich auch anhört, bei einem internationalen Event unpolitisch zu sein. In der Praxis ist es einfach nicht möglich. Denn sobald man einen gewissen Song beziehungsweise eine*n bestimmte*n Künstler*in mit einer Nation verbindet, hat man eigentlich schon die Neutralität verloren. Man verbindet es automatisch mit seiner eigenen Meinung zum Land, aktuellen politischen Geschehnissen in diesem Land und auch den Vorurteilen, die wir über die Einwohner verschiedener Nationalitäten haben.

Laut Expert*innen ist aber lustigerweise bereits der Wunsch nach dem Unpolitischen politisch. Da er bestehende Debatten verhindern und Konfliktlinien ignorieren kann. Also ist es praktisch gar nicht möglich, komplett unpolitisch zu sein.

Warum der ESC trotzdem verbindet

Über 170 Millionen Zuschauer*innen weltweit. Künstler*innen aus ganz Europa. Das ist das größte Musikevent Europas - der ESC. Von vielen Fans wird er als Zeichen für Vielfalt, Offenheit und Zusammenhalt betrachtet. Außerdem gilt er als wichtige Bühne für die LGBTQI+-Community.

Der ESC zeigt daher auch, was unser Europa stark macht: Viele verschiedene Kulturen und Sprachen, aber trotzdem geeint. Gerade in Zeiten wie unseren, wo die geopolitische Lage ziemlich angespannt ist und wir mit ziemlich vielen Problemen sowohl national, als auch international zu kämpfen haben, ist der ESC ein Zeichen für ein starkes Europa. Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, so feiern wir doch gemeinsam mithilfe der Musik Europas Vielfalt.

Und auch abseits der Musik halten wir durch die Europäische Union zusammen. Helfen einander. Finden gemeinsam Lösungen für die Probleme unserer heutigen Zeit. Und treten den großen Weltmächten, wie beispielsweise die USA und China, als geeintes Europa entgegen. Denn nur so haben auch wir Europäer*innen eine Chance, innovativ zu bleiben und mitzuhalten.