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Wie Social Media meine politische Meinungsbildung beeinflusst

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05.06.2026
3 Min.

Jeden Tag sehen wir auf TikTok, Instagram oder YouTube politische Inhalte, Nachrichten und Meinungen. Doch warum werden uns genau diese Beiträge angezeigt? Im Gespräch mit der Kommunikationswissenschaftlerin Annie Waldherr von der Universität Wien wurde deutlich, dass Algorithmen unseren Feed stärker beeinflussen, als wir oft denken – und damit auch unsere politische Meinungsbildung.

Filterblasen: Wenn Menschen nur noch mit Menschen kommunizieren, die gleicher Meinung sind. (Foto: Shutterstock)

Für viele von uns sind soziale Medien heute die wichtigste Informationsquelle. Wenn wir wissen wollen, was in der Welt passiert, schauen wir oft zuerst auf TikTok, Instagram oder YouTube. Das Problem dabei ist, dass wir nicht alle dieselben Inhalte sehen. Annie Waldherr erklärte im Gespräch: „Der Feed, wie ich ihn sehe in Social Media, ist eben sehr stark algorithmengesteuert.“ Das bedeutet, dass Algorithmen entscheiden, welche Beiträge uns angezeigt werden. Sie beobachten, welche Videos wir anschauen, liken, kommentieren oder teilen. Danach zeigen sie uns immer mehr von ähnlichen Inhalten.

Dadurch entsteht eine Situation, in der wir oft nur noch das sehen, was uns ohnehin interessiert oder was zu unserer bisherigen Meinung passt. Waldherr sagte dazu: „Die Algorithmen lernen auch sehr schnell von meinem Nutzerverhalten und zeigen mir dann eben eher Posts, die meiner Meinung auch schon entsprechen.“ Wenn wir ständig ähnliche Ansichten sehen, kann es passieren, dass wir glauben, alle Menschen würden genauso denken wie wir. Dabei sehen wir oft nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit.

Warum extreme Inhalte oft erfolgreicher sind

Besonders spannend fand ich die Erklärung, warum manche politische Beiträge so erfolgreich werden. Laut Annie Waldherr bevorzugen die Algorithmen Inhalte, die viele Reaktionen auslösen. Das sind häufig Beiträge, die starke Gefühle wie Wut, Angst oder Empörung hervorrufen. Sie erklärte: „Wut ist eine Emotion, die sehr stark befeuert wird durch die Algorithmen.“ Außerdem sagte sie: „Posts, in denen wütende Emotionen ausgedrückt werden, die erhalten einfach mehr Reaktionen und werden häufiger geteilt.“

Das erklärt, warum wir oft sehr zugespitzte politische Aussagen sehen. Sachliche und ausgewogene Beiträge bekommen meist weniger Aufmerksamkeit als provokante Aussagen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass politische Diskussionen nur aus Streit bestehen. Tatsächlich sind die lautesten Stimmen auf Social Media oft nicht die Mehrheit, sondern einfach diejenigen, die am meisten Aufmerksamkeit erzeugen.

Influencer*innen, Vertrauen und politische Inhalte

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Rolle von Influencerinnen. Viele Jugendliche verbringen täglich viel Zeit mit ihren Lieblingscreatorinnen. Dadurch entsteht oft das Gefühl, die Person gut zu kennen. Annie Waldherr erklärte, dass viele Nutzerinnen Influencerinnen fast wie Freund*innen wahrnehmen. Deshalb vertrauen wir ihren Aussagen häufig, ohne sie genauer zu überprüfen.

Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber es kann problematisch werden, wenn politische Aussagen oder Empfehlungen verbreitet werden, die nicht ausreichend recherchiert sind. Anders als Journalistinnen arbeiten Influencerinnen oft nicht in Redaktionen, in denen Informationen überprüft und gegengecheckt werden. Deshalb sollten wir uns immer fragen, woher eine Information kommt und ob sie auch von anderen seriösen Quellen bestätigt wird.

Echokammern und Filterblasen

Im Gespräch wurde auch über sogenannte Echokammern gesprochen. Damit sind Gruppen gemeint, in denen Menschen fast nur noch mit Menschen kommunizieren, die dieselbe Meinung haben. Annie Waldherr beschrieb das so: „In dieser Kammer hör ich nur noch mich selbst.“ Wenn wir uns nur mit ähnlichen Ansichten umgeben, wird es schwieriger, andere Perspektiven kennenzulernen.

Gleichzeitig erklärte sie aber auch, dass die Situation nicht ganz so einfach ist. Viele Menschen nutzen unterschiedliche Medien und kommen dadurch trotzdem mit anderen Meinungen in Kontakt. Deshalb leben die meisten von uns nicht vollständig in einer abgeschlossenen Filterblase. Trotzdem sollten wir darauf achten, bewusst verschiedene Informationsquellen zu nutzen und nicht nur einer Plattform zu vertrauen.

Wie wir Desinformation erkennen können

Besonders wichtig fand ich die Frage, wie wir seriöse politische Inhalte von manipulativen unterscheiden können. Annie Waldherr betonte, dass wir immer zuerst auf die Quelle achten sollten. Wer veröffentlicht die Information? Welche Interessen könnten dahinterstehen? Werden Quellen genannt? Können Zahlen oder Behauptungen überprüft werden?

Außerdem warnte sie vor Inhalten, die sehr einfache Lösungen für komplizierte Probleme versprechen oder gezielt gegen bestimmte Gruppen hetzen. Gerade auf TikTok oder in kurzen Reels wirken solche Botschaften oft überzeugend, weil sie emotional und leicht verständlich präsentiert werden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie auch richtig sind.



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.