Frage: Wann hast du eigentlich angefangen zu lernen?
Lea: Wenn ich ehrlich bin viel zu spät. Ich hab mir im Februar eingeredet, dass „ich eh noch genug Zeit hab“. Klassischer Selbstbetrug. Wirklich angefangen hab ich ungefähr drei Wochen vor den schriftlichen Prüfungen. Davor bestand mein Lernsystem aus Hoffnung und Energy Drinks.
Frage: Wie viele Stunden hast du täglich gelernt?
Lea: Am Anfang vielleicht zwei Stunden. Dann hab ich Panik bekommen und plötzlich waren es acht bis zehn Stunden am Tag. Nicht empfehlenswert übrigens. Mein Gehirn hat irgendwann einfach aufgehört, Informationen anzunehmen. Ich hab einmal zwanzig Minuten lang dieselbe Mathe-Aufgabe angeschaut wie ein Höhlenmensch vor Feuer.
Frage: Wo lernst du am liebsten?
Lea: Definitiv nicht zuhause. Dort findet man plötzlich extrem interessante Dinge wie Kühlschranketiketten oder die Bedeutung von „Best before“. Ich war meistens in der Bibliothek oder in einem Café mit Freundinnen.
Frage: Hattest du einen fixen Lernplan?
Lea: Theoretisch ja. Praktisch hab ich jeden zweiten Tag alles umgeworfen. Mein Plan war extrem schön farbig markiert, aber zu 80 % Dekoration.
Frage: Wie würdest du deinen Stresslevel beschreiben?
Lea: Zwischen „ich schaff das locker“ und „ich zieh einfach nach Italien und starte ein neues Leben“. Also relativ stabil für eine Maturantin.
Frage: Hat die Matura deinen Alltag beeinflusst?
Lea: Komplett. Ich hab weniger geschlafen, kaum Sport gemacht und meine Freunde fast nur noch beim gemeinsamen Lernen gesehen. Irgendwann träumt man sogar von Formeln. Mein Gehirn hat beschlossen, dass Differentialrechnung jetzt Teil meiner Persönlichkeit ist. Tragisch.
Frage: Welches Fach war für dich am schlimmsten?
Lea: Mathematik. Ganz klar. Ich hatte zeitweise wirklich Angst davor. Vor allem bei Funktionen und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn ich nicht weitergekommen bin, hab ich Freunde angerufen oder YouTube-Videos angeschaut. Manche Lehrer erklären Stoff leider so, als hätten sie vergessen, dass nicht alle seit Geburt Integralrechnung können.
Frage: War die Matura so, wie du sie dir vorgestellt hast?
Lea: Teilweise. Ich dachte immer, das wäre der absolute Weltuntergang. Im Endeffekt war es stressig, aber machbar. Das Schwierige ist eher der Druck davor. Alle tun so, als würde deine gesamte Zukunft davon abhängen.
Frage: Und dann die Überraschung: ausgezeichnete Noten und Harvard. Wie ist das passiert?
Lea: Ich frag mich das selbst manchmal. 😭 Ich hatte am Ende einen ausgezeichneten Erfolg und hab mich einfach aus Spaß bei Harvard beworben, weil meine Englischlehrerin meinte: „Probier’s wenigstens.“ Ich war überzeugt, dass die Bewerbung direkt gelöscht wird. Zwei Monate später kam die Zusage. Ich hab zuerst gedacht, das ist Spam.
Frage: Was hat dich motiviert, wenn es richtig zäh wurde?
Lea: Der Gedanke, dass ich nie wieder eine Deutschinterpretation schreiben muss. Das war ehrlich stärker als jede Motivationsrede.
Frage: Gab es einen absoluten Tiefpunkt?
Lea: Ja. Drei Tage vor Mathe hab ich geweint, weil ich eine Aufgabe nicht verstanden hab und gleichzeitig mein Taschenrechner abgestürzt ist. Da sitzt man dann um Mitternacht am Boden und diskutiert mit einem technischen Gerät. Menschen nennen das „Bildungssystem“.
Frage: Was würdest du Schülern raten, die nächstes Jahr maturieren?
Lea: Fang früher an. Wirklich. Lern nicht nur auswendig, sondern versteh die Sachen. Schlaf genug, auch wenn alle so tun, als wäre Schlaf Zeitverschwendung. Vergleich dich nicht dauernd mit anderen. Manche tun online so, als hätten sie schon im September gelernt. Das sind oft dieselben Leute, die in der Pause panisch Formeln googeln. Und ganz wichtig: Eine schlechte Prüfung zerstört nicht dein Leben.
Unterstützung kommt aus Harvard
Nach ihrer erfolgreichen Matura am St. Martin Gymnasium Villach wurde Lea schließlich an der Harvard University für das Studium "Economics und Psychology" aufgenommen. Sie erzählt, dass sie sich schon immer für Marketing, menschliches Verhalten und internationale Unternehmen interessiert hat.
Besonders überraschend war für sie jedoch die finanzielle Unterstützung: Da ihre Familie sich ein Studium in den USA niemals vollständig leisten könnte, erhielt sie ein großes Teilstipendium von Harvard. Den restlichen Betrag möchten ihre Eltern gemeinsam mit kleinen Nebenjobs und weiteren Förderungen finanzieren. Lea meint dazu lachend: „Meine Mama hat zuerst geweint, mein Papa hat gefragt, ob Harvard wenigstens Rabatt für österreichische Maturantinnen gibt. Sehr emotionale Stimmung bei uns zuhause.“
Erfolg auch ohne Perfektion
Trotz der riesigen Freude sagt Lea, dass sie manchmal selbst noch nicht glauben kann, was passiert ist: „Vor ein paar Monaten hatte ich Stress wegen einer Mathe-Schularbeit. Jetzt suche ich plötzlich Wohnungen in Amerika. Das fühlt sich komplett unrealistisch an.“ Ein ziemlich absurder Plot-Twist. Erst kämpft man mit Funktionen und Schlafmangel, dann sitzt man plötzlich mit einer Harvard-Zusage da. Das Bildungssystem wirft manchmal einfach Würfel.
Die Matura ist stressig, keine Frage. Aber oft ist die Angst davor schlimmer als die Prüfungen selbst. Lea zeigt, dass man nicht perfekt sein muss, um erfolgreich zu sein. Manchmal reichen Durchhaltevermögen, sehr viel Kaffee und ein bisschen Chaos. Ein erschreckend menschliches System eigentlich.