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Wie viel Provision Kontrolleure für Schwarzfahrer bekommen

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Redakteurin · Paris-Lodron-Universität Salzburg
05.08.2025
3 Min.
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Redakteur*in · campus a

EXKLUSIV. Die Wiener Linien machen seit Jahren ein Geheimnis daraus: Wie viel verdienen Kontrolleure pro erwischtem Schwarzfahrer? campus a hat es herausgefunden.

Die Kontrolleure bei den Wiener Linien können durch Prämien bis zu 15.000 Euro extra verdienen. (Foto: Johannes Zinner)

105 Euro zahlen Fahrgäste der Wiener Linien ohne Ticket. Wer gerade nicht flüssig ist und später überweisen will, kommt auf 115 Euro Bußgeld für die Verwaltungsübertretung. Seit langem fragen sich die Wiener: Verdienen die „Schwarzkappler“ bei „erfolgreichen“ Kontrollen mit? Muss wohl so sein, denn bei einem Fixgehalt ohne Prämie könnten sie genauso gut den ganzen Tag im Kreis fahren. Die Wiener Linien hüten dieses Geheimnis allerdings seit Jahren. Prämien für Kontrolleure und wenn ja, wie hoch? Keine Auskunft, heißt es beharrlich in der Pressestelle des Unternehmens.

Auch wir blitzen mit unserer Anfrage ab. Nur so viel antwortet Pressesprecherin Carina Novy: „Das Gehalt unserer Kontrolleure und Kontrolleurinnen setzt sich aus dem Grundgehalt und einer leistungsabhängigen Prämie zusammen.“

Also gehen wir der Sache nach. Als wir zufällig einen zivilen Kontrolleur im Zuge seiner Amtshandlung treffen und befragen, hält auch er sich bedeckt. „Manche Kollegen haben schon ihren Job verloren, wenn sie über die Erfolgsprämie gesprochen haben.“ Im Dienstvertrag für Kontrolleure gibt es tatsächlich eine Verschwiegenheitsklausel. Wir seien nicht die ersten Journalisten, die ihn angesprochen haben, sagte er noch, und wir würden bestimmt nicht die letzten bleiben. Gewerkschaften und Arbeiterkammer können oder wollen ebenfalls nicht weiterhelfen.

Als nächstes versuchen wir es in Online-Foren. Ein erster echter Treffer. Auf Reddit meldet sich ein ehemaliger Kontrolleur mit dem entscheidenden Hinweis: Die Höhe der Prämie steht im Kollektivvertrag der Wiener Stadtwerke, der auch die Wiener Linien einbezieht. Wir werden fündig. Denn Kollektivverträge sind in Österreich öffentlich einsehbar. Tatsächlich ist darin auch eine Prämie pro erwischtem Schwarzfahrer vorgesehen.

Wer mehr erwischt, verdient mehr  

Kollektivvertrag der Wiener Stadtwerke mit entsprechender Klausel. (Foto: Kollektivvertrag.at)

7,30 Euro erhalten Kontrolleure je erwischtem Schwarzfahrer. Besonderen Fleiß belohnen die Wiener Linien, die zu hundert Prozent der Stadt Wien gehören, mit Extra-Boni. Ab dem 317. Schwarzfahrer verdoppelt sich die Prämie auf 14,60 Euro. Ab dem 417. steigt sie auf 18,25 Euro.

Dürfen die das? „Diese Prämie basiert auf einem Zufalls- und Glücksprinzip, ist aber in diesem Rahmen aus arbeitsrechtlicher Sicht zulässig“, sagt die Arbeitsrechtlerin Brigitte Sammer.

15.000 Euro Prämie im Jahr

2024 kontrollierten die 140 Wiener Kontrolleure 3,5 Millionen Fahrgäste, um fünf Prozent mehr als im Jahr davor. 119.000 Fahrgäste waren „schwarz“ unterwegs, was 3,4 Prozent entspricht.

Im Schnitt greift ein Kontrolleur 850 Schwarzfahrer pro Jahr auf, was in dem vorliegenden gestaffelten Prämienmodell 15.512,50 Euro an Prämie entspreche. Das Grundgehalt macht 2.579,25 Euro brutto im Monat aus. Während der Ausbildung sind es 2.318,66 Euro. Da kann das Extra nicht schaden.

Einen Haken hat die Sache allerdings. Wenn Schwarzfahrer ihre Strafe nicht binnen sechs Wochen bezahlen, fällt die Prämie aus. Auch das entspricht, bei einem Kollektivvertrag nicht anders zu erwarten, der Rechtslage: „Dass Zahlung oder Nichtzahlung der Prämien vom Verhalten Dritter abhängt, mag illegal klingen, ist aber bei Erfolgsprämien rechtskonform“, sagt Anwältin Sammer.

Überstunden von Leistung abhängig

Laut einem Bericht des Kurier aus dem Jahr 2023 hängt nicht nur der Bonus, sondern auch die Möglichkeit zu Überstunden von der „Leistung“ ab. Nur wer ausreichend viele Bußgelder ausstellt, darf demnach Überstunden übernehmen. Wie hoch die Mindestanzahl an Strafen genau ist, bleibt unklar. Ein Mitglied der Gewerkschaftsfraktion FCG schätzte gegenüber dem Kurier, dass dafür etwa 150 Aufgriffe samt bezahlten Bußgeldern pro Quartal nötig seien. Der pensionierte Gewerkschafter Herbert Weidenauer berichtete zudem, dass einzelne für Überstunden gesperrte Mitarbeiter zu ihm kamen. Die ihnen von den Wiener Linien genannte Begründung: zu wenig verhängte Strafen.

Die Wiener Linien selbst betonten damals, Überstunden seien grundsätzlich nicht die Regel, sondern würden nur bei wirtschaftlicher Notwendigkeit vergeben. „Kontrolleure, die mehr Leistung erbringen, werden bei den Überstunden auch stärker berücksichtigt“, hieß es.

Kritik gab es damals auch daran, dass die geforderte Quote selbst im Krankheitsfall gleich hoch bleibt. Zudem können Kontrolleure auch mit anderen Aufgaben befasst sein. Bei technischen Gebrechen wie Wasserrohrbrüchen oder Störungen im Betrieb sind sie dafür verantwortlich, Fahrgäste zu informieren. Das kostet Zeit, die ihnen für das Erreichen ihrer Strafquote fehlt.


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