„Aus dem Weg, unsere Zukunft wird beerdigt!", rufen vier Studierende und schieben sich durch die Menschenmenge. Auf ihren Schultern tragen sie einen schwarzer Sag. Die Sonne brennt, mehr als 30 Grad, kein Schatten. Bei brütender Hitze versammeln sich die Demonstrant*innen vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Universität Wien. Sie protestieren gegen geplante Kürzungen im Etat der österreichischen Universitäten.
Mehr als 20.000 auf der Straße
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner will 2,5 Millarden Euro bei den Universitäten in Österreich sparen. Gegen diesen Sparkurs der Regierung gingen am Mittwoch 21.000 Menschen auf die Straße. Studierende, Lehrende und Mitarbeitende der österreichischen Universitäten protestieren gemeinsam gegen die Pläne der Bundesregierung.
„Die Regierung soll aufhören da zu sparen, wo es für die Gesellschaft am wichtigsten ist, und zwar bei guter Bildung für alle“, sagt Bibi Nageler, Vorsitzende der ÖH Uni Wien. Sie sehe die Gefahr, die Studierenden müssten letztendlich die Kürzung ertragen. Die seien die Leidtragenden.
„Unsere Regierung kürzt nicht nur bei der Uni, sondern in ganz vielen Bereichen“, sagt eine Politikstudentin zu den Sparplänen der Ministerin. Gleichzeitig würden aber Budgets, wie das des Bundesheers aufgestockt, sagt sie zu campus a. „Ich finde, das zeigt einfach die Prioritäten unserer Regierungsparteien, und das finde ich natürlich schlecht.“
Proteste am Donnerstag auch in anderen Städten
Mit zwanzig Minuten Verspätung beginnt dann auch die Kundgebung mit einer Ansprache der Vorsitzenden der Österreichischen Hochschüler*innenschaft, Selina Wienerroither. Alle Unis sind heute hier. Die Mediziner*innen tragen Kittel, die Musikfakultäten haben Trommeln dabei. Eine Studentin trägt ein Schild mit der Aufschrift „Ka Uni, Ka Musi“.
"Wir bezahlen mit Bildungschancen, während die da oben Champagner trinken.“, sagt Wienerroither und wird laut. Die Arbeitsbedingungen für das Personal der Universität seien ohnehin prekär, durch die Kürzungen würden diese nur noch schlechter.
Die Protestierenden in Wien sind dabei nicht alleine. Am Donnerstag folgen Demonstrationen in Linz, Graz, Salzburg und Klagenfurt. Tausende Demonstrant*innen sind angemeldet. Sie wollen sich Gehör verschaffen.
„Wessen Uni? Unsere Uni!“
„Ich bin im Gesundheitsbereich tätig“, sagt eine Demonstrantin hier in Wien. Sie arbeitet als bio-medizinische Analytikerin an der Meduni. „Wenn ich dann höre, 20 Prozent Personaleinkürzungen, dann heißt das natürlich auch weniger gute gesundheitliche Versorgung."
Auch der Rektor der Uni Wien spricht heute auf der Bühne. Bevor Sebastian Schütze an das Mikrophon tritt, fragt Wienerroither die Demonstant*innen: „Wessen Uni?" Die Menge antwortet „Unsere Uni!“ So geht es weiter. „Wessen Bildung? Unsere Bildung!“
Schütze sagt, es gehe heute um’s Eingemachte. Er fordert einen verlässlichen Finanzierungspfad. „Jetzt und nicht erst im Herbst.“ Letzteres hat die Regierung mit ihrer Vertagung angekündigt. Als Schütze von der Bühne geht, stellt sich Wienerroither wieder vor das Mikrofon. „Wessen Uni? Unsere Uni! Wessen Bildung? Unsere Bildung?“. Nach jeder Rede schallt der Wechselruf. Auch das Netzwerk Unterbau Wissenschaft und Fridays for Future reden heute. Die Allianz gegen die Sparpläne der Regierung ist breit.
„American Idiot“ von Green Day dröhnt aus dem sogenannten "Lautiwagen", als sich der Demozug in Richtung des ersten Bezirks bewegt. Hinter dem Wagen mit der Musik laufen die vier Sargträger*innen. Sie tragen etwas wesentliches zu Grabe, wollen sie zeigen: Die Zukunft.
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