Rufe hallen durch den goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Bis zu diesem Moment hatten die Gäste das Konzert der Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Lahav Shani genossen. Dann entsteht Unruhe, Verwirrung breitet sich aus. Protestierende stürmen nach vorne, während „FREE GAZA!“-Rufe zu hören sind.
Die Aktivisten waren nicht damit einverstanden, dass der Musikverein den israelischen Dirigenten eingeladen hatte. Die Situation eskaliert kurzzeitig und überschattet den musikalischen Abend.
Es ist nicht das erste Mal, dass Lahav Shani auf Widerstand stößt. Bereits beim Vlaanderen-Festival in Gent in Belgien wurde der Musiker ausgeladen, da er sich laut Festivalleitung nicht ausreichend von der Politik Benjamin Netanjahus distanziert habe. Die Entscheidung löste Empörung aus und führte zu Vorwürfen von Antisemitismus, Hetze und einer zunehmenden Spaltung der Musikszene.
Kunst und Politik: untrennbar verbunden?
Kann man Politik und Kunst wirklich so klar voneinander trennen? Musik bietet zwar eine Plattform für Meinungsäußerungen, dennoch werden kulturelle Veranstaltungen wie der Eurovision Song Contest, der eigentlich als verbindendes Element zwischen Staaten gedacht ist, zunehmend von politischen Debatten geprägt, was immer wieder kritisch diskutiert wird.
Ein positives Gegenbeispiel zeigt das West-Eastern Divan Orchestra. Das Friedensprojekt vereint israelische, palästinensische und arabische Musikerinnen und Musiker in einem gemeinsamen Orchester. Der Dirigent Daniel Barenboim möchte in seiner Rolle als UN-Friedensbotschafter einen alternativen Umgang mit dem Konflikt zwischen Israel und Gaza vorleben. Das Projekt findet internationale Anerkennung und trat bereits in Konfliktregionen auf, unter anderem an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea sowie in Palästina.