Älnur Mussajew ist in Österreich seit Jahren wohlbekannt. Wegen seiner Verwicklung in die Entführung und den Mord an kasachischen Bankmanagern sowie der angeblichen Planung eines Staatsstreichs floh er 2007 nach Wien. Kasachische Auslieferungsanträge, die Österreich ablehnte, sowie mehrere Entführungsversuche und reges internationales Medieninteresse waren die Folge. 2014 verhaftete die Wiener Polizei den Mann. Zwei Prozesse gegen ihn endeten mit Freisprüchen.
Zuletzt war es still um Mussajew geworden. Er lebt weiterhin in Wien und scheute bisher die Öffentlichkeit, wenn er nicht gerade als Experte geo- und sicherheitspolitische Entwicklungen analysierte. Doch nun sorgt er einmal mehr für Aufsehen, diesmal via Facebook. Am 20. Februar behauptete er in einem Post, der amtierende US-Präsident Donald Trump sei ein russischer Spion gewesen. Was ist dran?
Mussajew, der die KGB-Akademie in Minsk besuchte, verwies auf seine eigene Tätigkeit im Jahr 1987 in der sogenannten sechsten KGB-Abteilung. Die sollte, seinen Aussage zufolge, Spione und Wirtschaftsexperten aus kapitalistischen Ländern rekrutieren. Laut Mussajew nahm sie Trump, damals ein 40-jähriger Geschäftsmann, unter dem Decknamen „Krasnov“ in ihr Geheimdienstprogramm auf.
Wenn das stimmt, könnte Trump, theoretisch, schon damals Putin begegnet sein. Der jetzige russische Präsident trat 1975 in den KGB ein und diente dort, mit Schwerpunkt Auslandsaufklärung, bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion.
Mussajew dürfte tatsächlich über Insiderwissen aus der Zeit des sowjetischen Geheimdienstes verfügen.Tatsache ist auch, dass der KGB in den 1980er-Jahren Unternehmer und Manager zu rekrutieren versuchte.
Beweise für Trumps Involvierung kann Mussajew allerdings nicht vorlegen. Es gibt keinerlei belastbare Quellen oder Dokumente, die bestätigen, dass Trump jemals Teil eines KGB-Programmes war beziehungsweise unter dem Decknamen „Krasnov“ operierte. Zudem ist Mussajews Glaubwürdigkeit umstritten. Seine Behauptungen wirkten schon in der Vergangenheit wiederholt wie politisch motivierte spekulative Rethorik, ganz im Stile Trumps.
Dem US-Präsidenten dürfte die Vorwürfe so oder so egal sein. Seine Fans würden ihm wahrscheinlich weiter zujubeln, selbst wenn sie sich erhärten würden, womöglich dann erst recht.
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