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„Journalismus wird wieder an Bedeutung gewinnen“

Kurier-Herausgeberin Martina Salomon im Interview mit Cornelia Karrer über Gänsehaut-Momente im Journalismus, sexistische Angriffe und die Zukunft von Printmedien.
Cornelia Karrer  •  25. März 2025 Volontärin    Sterne  32
Martina Salomon erklomm die journalistische Karriereleiter bis ganz nach oben. „Print wird es noch lange geben“, glaubt sie, aber anders als bisher. (Foto: Kurier)
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campus a. Frau Salomon, Sie haben eine beeindruckende Karriere im Journalismus hinter sich. Was hat Sie dazu bewegt, Journalistin zu werden?

Martina Salomon. Ich wollte schon ganz jung Journalistin werden, zunächst, weil ich das Schreiben geliebt habe, später, weil es mir der Beruf ermöglicht hat, meine Nase überall reinzustecken. Ständig erlebt man Neues, lernt viel, kein Tag gleicht dem anderen, oft braucht es auch Mut und natürlich Neugier. Das ist kein Nine-to-five-Job, sondern Leidenschaft. Besonders die Politik hat mich immer gefesselt, danach auch die Wirtschaft. Und es ist eine Freude für mich, Interviews zu führen. 

campus a. Sie waren mehr als fünf Jahre Chefredakteurin des Kurier und sind nun dessen Herausgeberin. Wie haben Sie diesen Übergang erlebt?

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Martina Salomon. Es war einerseits eine Erleichterung, in diesen anstrengenden Sparzeiten die operativen Agenden abgeben zu dürfen und sich wieder mehr dem Journalismus widmen zu können. Andererseits habe ich den quirligen Newsroom vermisst und auch das Gefühl, immer auf alle „News“ gemeinsam mit der großen Redaktion blitzschnell reagieren zu können. Meine Arbeit ist weniger atemlos geworden. 

campus a. Wenn Sie die Zeit als Chefredakteurin Revue passieren lassen, wie war es für Sie, besonders als Frau, so lange an der Spitze eines großen Mediums zu stehen?

Martina Salomon. Es war toll, ein Team leiten zu können und für alles verantwortlich zu sein, und die Karriereleiter bis ganz nach oben erklommen zu haben. Überrascht war ich allerdings über viele herabwürdigende und sexistische Kommentare in Social Media. Das hatte ich in dieser Härte nicht erwartet, leider auch von ein paar besonders naseweisen Kollegen, die Journalismus mit Aktivismus verwechseln. Die schlimmsten Dinge habe ich geklagt und immer gewonnen.

campus a. Was war der prägendste Moment oder die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?

Martina Salomon. Der „wildeste“ Moment war die nächtliche Sitzung im Ministerratssaal vor dem Lockdown: Die halbe Regierung saß uns Chefredakteuren gegenüber, und wir wurden vorab informiert, dass am nächsten Tag das Land zusperren würde. Absolut unwirklich, ein Gänsehautmoment! Und wieder dieses unglaublich aufregende Gefühl, am Puls der Zeit sein zu dürfen.

campus a. Welcher Artikel aus Ihrer Laufbahn ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Martina Salomon. Kein einzelner. Ich habe viele tolle Menschen interviewt und viele interessante Leute getroffen, auch international, habe spannende politisch-wirtschaftliche Reisen gemacht und darüber große Reportagen geschrieben. Und ich habe und hatte immer sehr viel Kontakt mit Leserinnen und Lesern, bin in vielen öffentlichen Diskussionsrunden und damit auch eine öffentliche Person, also auch irgendwie „nahbar“. Das finde ich wichtig. Journalisten sollten nicht am hohen Ross sitzen. 

campus a. Schauen wir nun in die Zukunft. Der Journalismus befindet sich gerade im Wandel. Wie lange glauben Sie „überleben“ Printmedien noch? Sehen Sie den Onlinejournalismus und neue Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz (KI) als Herausforderung oder Chance?

Martina Salomon. Print wird es noch lange geben, aber nicht mehr so umfassend wie jetzt – die Voll-Tageszeitung an sieben Tagen der Woche ist schwer zu halten und kaum mehr finanzierbar. Online Geld zu verdienen ist allerdings viel härter, als früher Print, weil über 50 Prozent des österreichischen Werbevolumens, da ist auch Print mit eingerechnet, mittlerweile an die großen US-Giganten Google, Facebook & Co gehen. KI wird von uns bereits stark eingesetzt. Das wird die Redaktionen bei Routinearbeiten entlasten und ermöglicht Konzentration auf Recherche und Tiefergehendes. Durch die vielfältigen Fälschungsmöglichkeiten dank KI wird der klassische Journalismus, also die vertrauenserweckende Quelle, wahrscheinlich wieder an Bedeutung gewinnen. Vielleicht besinnen sich die Menschen dann wieder darauf, dass das etwas kostet. Eine recherchierende Redaktion gibt es nicht zum Nulltarif. 

campus a. Wie schätzen Sie die Zukunft des Kurier in den kommenden Jahren ein?

Martina Salomon. Wir sind eine starke Marke, haben eine treue Leserschaft und einen starken Eigentümer, daher bin ich sehr optimistisch. Natürlich geht es nicht ohne Dauer-Transformation. Auch der Spardruck wird uns nie mehr verlassen. Aber wir sind ein 360-Grad-Medienhaus, also multimedial aufgestellt mit Print, Online, eigenem TV-Sender, sehr vielen Podcasts, Newsletter, Social Media und Power im Veranstaltungsmanagement.

campus a. Welche drei Tipps würden Sie jungen Journalistinnen und Journalisten geben?

Martina Salomon. Ohne Leidenschaft für den Job geht es nicht. Neugier, schnelle Auffassungsgabe und Unerschrockenheit sind die Grundvoraussetzungen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projektes „Die Paris-Lodron-Universität Salzburg macht Journalismus“.
Es ist ermöglicht mit freundlicher Unterstützung durch dm drogerie markt und Salzburg AG.

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