
Eine Dragqueen-Show für und vor Kindern, die Eröffnung des ersten queeren Jugendzentrums im Juni vergangenen Jahres, am Dienstag ein queerer Kreuzweg in der Votivkirche in Wien. Die queere Bewegung hat unbestreitbar berechtigte Anliegen. Diskriminierung und gesellschaftliche Benachteiligung sind Realitäten, die nicht ignoriert werden dürfen. Doch die Art und Weise, wie die Bewegung ihre Anliegen in den Fokus rückt, nährt paradoxerweise den Rechtspopulismus.
Das jüngste Beispiel, ein queerer Kreuzweg anlässlich Ostern, verdeutlicht das Problem. Eine Aktion, wohl als Symbol der Inklusion gedacht, stößt in der öffentlichen Wahrnehmung auf Unverständnis. Die wenigsten Menschen wollen sich auf die Diskussion einlassen, schweigen lieber und weltweit holen sie Politiker von Donald Trump bis Herbert Kickl dort ab. Genau denken sie dann, da haben sie doch wirklich recht.
Besonders eins der zentralen Symbole des Christentums für eine spezifische Minderheitenagenda zu beanspruchen, lässt sich als Grenzüberschreitung empfinden. Die FPÖ nutzt dann die wachsende Verdrossenheit der Bevölkerung und inszeniert sich als Sprachrohr derjenigen, die selbst lieber schweigen.
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Das Problem ist nicht die queere Community selbst, sondern die Art und Weise, wie sie ihre Anliegen durchzusetzen versucht. Es gibt viele Minderheiten, die mit Herausforderungen kämpfen: Die slowenische Minderheit in Österreich etwa oder Menschen, die an Epidermolysis bullosa leiden, die sogenannten Schmetterlingskinder. Depressive Menschen, die oft gesellschaftlich unsichtbar sind, kämpfen ebenfalls mit Problemen. All diese Gruppen hätten auch einen eigenen Kreuzweg verdient. Doch keine davon treibt ihre Anliegen mit einer solchen Vehemenz voran, dass sie breite Teile der Gesellschaft gegen sich aufbringt.
Der entscheidende Unterschied: Während andere Minderheiten um Anerkennung ringen, ohne die Mehrheitsgesellschaft zu brüskieren, scheinen queere Aktivisten oft bewusst auf Konfrontation zu setzen. Das nervt unweigerlich Teile der Gesellschaft. Der Rechtspopulismus erkennt diese Stimmungslage genau und instrumentalisiert die queeren Anliegen für sich.
Es wäre an der Zeit, die Strategie neu zu überdenken. Denn so wie es läuft, stärkt die queere Community ihre Gegnern, die politisch genau das vorantreiben, was sie eigentlich verhindern will.
3. Am erschreckendsten ist jedoch, dass ein Medium, das ich bisher als stillen, reflektierten Raum geschätzt habe, nun solch einen Artikel veröffentlicht. Die Autorin erreicht mit diesem Text genau das, was sie der queeren Community vorwirft: Sie schürt Spaltung und Intoleranz statt zu einer respektvollen und inklusiven Diskussion beizutragen. Dieser Artikel spiegelt eine Haltung wider, die nicht nur die queere Community diskriminiert, sondern auch den eigentlichen Feind von Toleranz und Gleichberechtigung verstärkt. Es ist an der Zeit, queeren Menschen die Anerkennung zu geben, die sie verdienen, und die wahren Ursachen für gesellschaftliche Verrohung und Intoleranz zu benennen.
26 March 2025