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Warum ein queerer Kreuzweg den Rechtspopulismus stärkt

Die Idee mag gut gemeint sein: In der Votivkirche gibt es heuer einen österlichen queeren Kreuzweg. Die Idee könnte die falsche Zielgruppe freuen.
Bernadette Krassay  •  25. März 2025 CvD    Sterne  394
Der queere Kreuzweg findet am Dienstag unter anderem in der Votivkirche statt. (Foto: Plakatsujet „Queerer Kreuzweg“)
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Eine Dragqueen-Show für und vor Kindern, die Eröffnung des ersten queeren Jugendzentrums im Juni vergangenen Jahres, am Dienstag ein queerer Kreuzweg in der Votivkirche in Wien. Die queere Bewegung hat unbestreitbar berechtigte Anliegen. Diskriminierung und gesellschaftliche Benachteiligung sind Realitäten, die nicht ignoriert werden dürfen. Doch die Art und Weise, wie die Bewegung ihre Anliegen in den Fokus rückt, nährt paradoxerweise den Rechtspopulismus.

Das jüngste Beispiel, ein queerer Kreuzweg anlässlich Ostern, verdeutlicht das Problem. Eine Aktion, wohl als Symbol der Inklusion gedacht, stößt in der öffentlichen Wahrnehmung auf Unverständnis. Die wenigsten Menschen wollen sich auf die Diskussion einlassen, schweigen lieber und weltweit holen sie Politiker von Donald Trump bis Herbert Kickl dort ab. Genau denken sie dann, da haben sie doch wirklich recht.

Verdrossenheit der Schweigenden

Besonders eins der zentralen Symbole des Christentums für eine spezifische Minderheitenagenda zu beanspruchen, lässt sich als Grenzüberschreitung empfinden. Die FPÖ nutzt dann die wachsende Verdrossenheit der Bevölkerung und inszeniert sich als Sprachrohr derjenigen, die selbst lieber schweigen.

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Das Problem ist nicht die queere Community selbst, sondern die Art und Weise, wie sie ihre Anliegen durchzusetzen versucht. Es gibt viele Minderheiten, die mit Herausforderungen kämpfen: Die slowenische Minderheit in Österreich etwa oder Menschen, die an Epidermolysis bullosa leiden, die sogenannten Schmetterlingskinder. Depressive Menschen, die oft gesellschaftlich unsichtbar sind, kämpfen ebenfalls mit Problemen. All diese Gruppen hätten auch einen eigenen Kreuzweg verdient. Doch keine davon treibt ihre Anliegen mit einer solchen Vehemenz voran, dass sie breite Teile der Gesellschaft gegen sich aufbringt. 

Instrumentalisierte Anliegen

Der entscheidende Unterschied: Während andere Minderheiten um Anerkennung ringen, ohne die Mehrheitsgesellschaft zu brüskieren, scheinen queere Aktivisten oft bewusst auf Konfrontation zu setzen. Das nervt unweigerlich Teile der Gesellschaft. Der Rechtspopulismus erkennt diese Stimmungslage genau und instrumentalisiert die queeren Anliegen für sich. 

Es wäre an der Zeit, die Strategie neu zu überdenken. Denn so wie es läuft, stärkt die queere Community ihre Gegnern, die politisch genau das vorantreiben, was sie eigentlich verhindern will.

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3 Kommentare
David Huber

3. Am erschreckendsten ist jedoch, dass ein Medium, das ich bisher als stillen, reflektierten Raum geschätzt habe, nun solch einen Artikel veröffentlicht. Die Autorin erreicht mit diesem Text genau das, was sie der queeren Community vorwirft: Sie schürt Spaltung und Intoleranz statt zu einer respektvollen und inklusiven Diskussion beizutragen. Dieser Artikel spiegelt eine Haltung wider, die nicht nur die queere Community diskriminiert, sondern auch den eigentlichen Feind von Toleranz und Gleichberechtigung verstärkt. Es ist an der Zeit, queeren Menschen die Anerkennung zu geben, die sie verdienen, und die wahren Ursachen für gesellschaftliche Verrohung und Intoleranz zu benennen.

26 March 2025 Antworten
David Huber

2. Der Rechtspopulismus wächst nicht durch die Sichtbarkeit queerer Menschen, sondern durch den verzerrten Diskurs, den Artikel wie dieser erzeugen. Indem der Fokus auf queere Sichtbarkeit als Bedrohung gelenkt wird, wird die Diskriminierung von Minderheiten weiterhin legitimiert. Die tatsächlichen Probleme, wie die Zunahme von Intoleranz und Hass, werden ignoriert, während eine unsachliche Debatte angestoßen wird, die nur noch mehr Spaltung erzeugt. Der Versuch, queere Anliegen gegen die anderer Minderheiten auszuspielen, ist nicht nur destruktiv, sondern auch unfair. Jede marginalisierte Gruppe hat das Recht, für ihre Sichtbarkeit und ihre Rechte zu kämpfen, ohne dass ihre Kämpfe gegeneinander ausgespielt werden. Dies verstärkt nicht nur den Hass gegenüber allen Minderheiten, sondern lässt auch den wahren Ursprung der gesellschaftlichen Verrohung außer Acht: Hetze und Intoleranz.

26 March 2025 Antworten
David Huber

1. Dieser Artikel ist eine erschreckende Verzerrung der Realität und ein unnötiger Angriff auf eine Initiative, die von der katholischen Kirche selbst organisiert wird. Der queere Kreuzweg, der als Symbol der Inklusion gedacht ist, wird hier fälschlicherweise als Provokation dargestellt. Statt diesen fortschrittlichen Schritt zu würdigen, wird er als Bedrohung inszeniert. Die katholische Kirche zeigt hier, dass queere Identität und Glaube miteinander vereinbar sind, doch dieser Schritt wird als Angriff auf die Gesellschaft dargestellt. Wer in einer Aktion, die sich für Inklusion einsetzt, eine Provokation sieht, muss sich ernsthaft fragen, ob er wirklich für Toleranz und Akzeptanz eintritt oder lediglich gegen Veränderungen in der Gesellschaft kämpft. Die Behauptung, dass queere Initiativen den Rechtspopulismus stärken, ist nicht nur unbegründet, sondern gefährlich.

26 March 2025 Antworten



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