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Papst im Krankenbett: Besonders die Jugend betet für ihn

Papst Franziskus, das Oberhaupt der weltweit 1,3 Milliarden Katholiken, ist schwer krank. Sein Gesundheitszustand hat in der vergangenen Woche immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und die Diskussion über seine Amtszeit neu entfacht. Besonders inbrünstig beten die jungen Katholiken für ihn.
Sophia Tiganas  •  20. Februar 2025 Redakteurin      264
Katholiken weltweit beten für die Gesundheit von Papst Franziskus. (Foto: Remo Casilli / REUTERS / picturedesk.com)

Vor der katholischen Universitätsklinik Gemelli in Rom stehen Zelte, Pavillions und Picnic-Tische. Menschenmassen bleiben Tag und Nacht, bei Wind und Wetter vor Ort. Kerzen mit dem Gesicht von Papst Franziskus, Blumen und Karten schmücken den Hof des Spitals. Hunderte Millionen Gläubige weltweit beten um die Gesundheit der für das katholische Glauben wichtigsten lebenden Person. Denn das Wohlsein des Papstes hat in den vergangenen Tagen Vielen Sorgen bereitet.

Papst Franziskus, das Oberhaupt der katholischen Kirche, ist schwer krank. Die Diskussion über seine Amtszeit rückt in den Vordergrund. Was hat er in seinen Jahren als Papst erreicht? Wie hat er die Jugend, die Kirche und sogar die Politik beeinflusst?

Franziskus setzt sich für junge Gläubige ein

„Die Jugend ist die Zukunft der Kirche.“ Mit diesen Worten zeigte Papst Franziskus in den vergangenen Jahren mehrfach, wie wichtig ihm und der katholischen Kirche junge Menschen sind. Den Gläubigen wurde es dann auch klar: Er spricht nicht nur, sondern handelt auch. “Der Papst hat während seiner Amtszeit der Jugend die Gelegenheit gegeben, die Kirche mitzugestalten”, bestätigt Rafael Haigermoser, Vorsitzender der Katholischen Jugend Österreich.

Für ihn und die gesamte katholische Jugend hat der Papst viele Türen geöffnet. „Bei der Jugendsynode lädt die Kirche Jugendliche ein und lässt sie mitreden. Jeder bekommt gleich viel Redezeit. Es ist nicht wichtig, ob ich der Älteste oder der Jüngste bin, ob ich studiert habe oder ein neues Mitglied bin.”

Eine Weltsynode ist ein Treffen von Bischöfen, Kirchenführern und anderen Vertretern der katholischen Kirche, das der Papst einberuft, um über wichtige Themen zu beraten. Der Begriff „Synode“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „gemeinsamer Weg“. Genau darum geht es: gemeinsam zu überlegen, wie die Kirche auf aktuelle Herausforderungen reagieren soll.

Die Einberufung einer Jugendsynode war daher für die junge katholische Gemeinschaft historisch. Jugendliche aus der ganzen Welt sprachen auf Augenhöhe mit Bischöfen und Kirchenführern. Haigermoser betont die Gleichberechtigung während dieser Gespräche: „Das Miteinander, Kirche zu gestalten, war einfach eine wunderschöne Erfahrung.“ 

Sundays for Future?

Doch es ist nicht nur der Dialog, der zählt. Der Papst hat während seiner bisherigen Amtszeit auch gezeigt, die Kirche kann mit gesellschaftlichen Bewegungen in Resonanz treten. Seine Enzyklika Laudato Si’ brachte Forderungen und Bemerkungen in den Vordergrund, die Jahre später auch die Basis vieler Forderungen von Fridays for Future waren. Die Erde bezeichnete der Papst als „unser gemeinsames Haus“ und forderte, dass alle Verantwortung für den Planeten übernehmen.

„Es ist schon sehr beeindruckend, dass ein katholisches Oberhaupt etwas veröffentlicht, das ein paar Jahre später auch von einer Jugendbewegung gefordert wird”, sagt Haigermoser.

Franziskus hat der Jugend gezeigt, ihren Stimmen wird zugehört. Dass schätzt jeder katholische Jugendliche. Jedoch sieht Haigermoser noch Potenzial: „Wir müssen in Österreich noch viel tun, um dem gerecht zu werden, was der Papst für eine gute Welt vorgelebt hat.“

Queere Menschen und Geschlechtergerechtigkeit: “Noch ein langer Weg”

Neben der Jugend hat Papst Franziskus auch in anderen sensiblen Bereichen Zeichen gesetzt. Seine Haltung zu queeren Menschen ist für die katholische Kirche ein Meilenstein. Mit Aussagen wie „Wer bin ich, um zu urteilen?“ hat er Türen geöffnet, die vorher für immer verschlossen schienen. Dennoch, so Haigermoser, liegt noch ein weiter Weg vor der katholischen Kirche: „Gerade bei queeren Menschen oder Geschlechtergerechtigkeit haben wir als katholische Kirche noch einen weiten Weg vor uns. Aber jedes gute Wort des Papstes schafft mehr Vertrauen.“ 

Die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit hat Franziskus ebenfalls mutig angesprochen. Er stärkte die Rolle der Frauen, ernannte sie zu Schlüsselpositionen in der Kurie und betonte: „Die Kirche braucht die Stimmen der Frauen.“

Doch der Widerstand innerhalb der Kirche ist groß. Konservative Kritiker werfen dem Papst vor, die Lehre der Kirche zu verwässern. Auch wenn viele Reformen symbolisch blieben oder auf Blockaden konservativer Kräfte stößten, hat Franziskus ein Signal gesetzt: Die Kirche kann inklusiver sein. 

Ein Vermächtnis mit Herausforderungen

Das Pontifikat von Papst Franziskus ist geprägt von Mut, Offenheit und einer Vision für eine Kirche, die sich nicht vor Veränderungen scheut. Doch gleichzeitig zeigen die Widerstände, wie schwierig dieser Wandel ist. Rafael Haigermoser fasst es treffend zusammen: Natürlich passiert nicht alles von heute auf morgen, aber dieser Führungsstil macht einen Unterschied.“

Die Kirche hat vor allem aus Sicht vieler Jung-Katholiken mit Franziskus einen Schritt in die Zukunft gemacht. Besonders sie beten nun, die Reise möge mit ihm noch möglichst lang weitergehen.

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