Ersteht Jesus 2025 von den Toten auf? Welche Stadt wird den Eurovision Songcontest 2026 veranstalten? Bekommt Trump den Friedensnobelpreis 2025? Ist die Erde flach? Auf Zukunftsfragen wie diese wetten Menschen online auf dem weltweit größten Prognosemarkt Polymarket gegen Geld. Mehr als 25.000 Nutzer handeln täglich in zwölf Kategorien auf Polymarket. Großer Betrug oder innovatives Investment?
Anders als bei Sportwetten sind politische Ereignisse, geopolitische Entwicklungen, der Finanzmarkt und kulturelle Veränderungen unberechenbar. Weder das Spielfeld noch seine Teilnehmer oder der Zeitpunkt stehen vorher fest. Einige Wetten regen zum Mitmachen an. Vieles scheint Allgemeinwissen zu sein, wie der Fakt, dass die Erde rund ist und Tote nicht aus dem Grab heraus spazieren. Was nach einem lukrativen Geschäftsmodell aussieht, wirft jedoch viele Fragen auf. Wie sicher ist dieser Markt wirklich und wer verdient eigentlich daran?
Hinter dem Wettimperium steckt keine große Organisation, sondern ein kleines Start-Up-Unternehmen, gegründet von einem 27-jährigen Uni-Abbrecher aus Amerika mit einer Vision und einem Ziel: viel Geld verdienen. Shayne Coplan, CEO von Polymarket, gründete 2020 von seinem Badezimmer aus das Unternehmen, das Wetten auf eine neue Ebene brachte.
Bitcoin-Kurs auf 150.000 US-Dollar. Polymarket sieht eine Chance von 43 Prozent. (Foto: polymarket.com)
„Ich war jahrelang von der Idee einer globalen Informationsmarktplattform besessen und habe immer in Preisen und Wahrscheinlichkeiten gedacht“, schrieb Caplan auf X.
Zudem erhielt Polymarket 74 Millionen US-Dollar von Sponsoren wie Peter Thiels Founders Fund und Vitalik Buterin und erzielte allein im Jahr 2024 über 3,5 Milliarden US-Dollar.
Tipico, win2day und bwin bekommen Konkurrenz. Während diese Anbieter lediglich Sport anbieten, hat Polymarket zwölf Kategorien, darunter Politik, Naher Osten, Sport, Krypto, Technik, Kultur, Welt, Wirtschaft, Wahlen und Erwähnungen. Sogar Trump hat seine eigene Kategorie. Aber wie genau funktioniert das System?
Jeder, der die Plattform nicht aus den USA öffnet, kann sich bei Polymarket registrieren. Seit 2022 ist die Plattform zwar für US-Nutzer gesperrt. Dennoch verzeichnet Polymarket rund 1,2 Millionen Nutzer bei 700 Millionen Dollar monatlichen Wettausgaben.
Polymarket ist ein Prognosemarkt, bei dem die Nutzer auf Ereignisse in der Zukunft Geld setzen. Mit einem Ja-oder-Nein-Prinzip stimmen sie für oder gegen das Eintreffen des jeweiligen Ereignisses. Vor jeder Frage ist die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen in Prozent angegeben. Danach richtet sich auch der Preis für die Abstimmung.
Zahlungsmittel ist die Kryptowährung USCD. Deren Wert an einem stabilen Vermögenswert wie dem US-Dollar gekoppelt ist. Der Gewinn ist abhängig davon, ob das Ereignis eintritt, wie vorhergesagt und wie viele andere das auch oder nicht so einschätzten. Der Preis bewegt sich zwischen null und einem US-Dollar. Je nachdem, wie viel Prozent die angenommene Wahrscheinlichkeit der Nutzer beträgt.
Wenn die Nutzer etwa ein Ereignis mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit einschätzen, kostet eine Stimme für „ja“ 0,20 US-Dollar und für „nein“ 0,80 US-Dollar. Abhängig davon wie sicher oder mutig die Nutzer sind, können sie mehrere Stimmenanteile kaufen. Wenn das Ereignis vorbei ist, löst sich die Wette auf, und die Gewinner bekommen ihren Anteil ausgezahlt, wovon 2 Prozent vom Nettogewinn an das Unternehmen gehen. Außerdem geht bei jedem Kauf und Verkauf von Anteilen eine Gebühr von 0,2 Prozent bis ein Prozent pro Abstimmung ab. Polymarket verdient mit den Gewinnern sein Geld. Die Verlierer gehen leer aus.
Wird Jesus Christus 2025 Auferstehen? Diese Wette liegt momentan bei einer zwei Prozent Wahrscheinlichkeit. (Foto: polymarket.com)
Wer bei Polymarket die Millionen verdienen will, muss auch viel Geld in den Markt investieren. Mit einem Dollar Wetteinsatz wird keiner reich. Durchschnittlich kaufen die Nutzer 10.000 Stimmen pro Frage, die umgerechnet 10.000 US-Dollar ausmachen. Wer den Dreh raus hat und gute Gewinne macht, muss nicht mit einem Rauswurf wie etwa im Casino rechnen.
Die Sicherheit auf dem Prognosenmarkt rechtfertigt Polymarket mit einer sogenannten Ethereum-Blockchain. Dieses Abwehrsystem soll die Webseite schwer angreifbar und manipulationssicher machen.
Moralische Grenzen gibt es bei den Wetten nicht. Von militärischen Zusammenstößen bis zu Verhaftungen prominenter Personen, nahezu alles wird zum Wettobjekt. Der Durchbruch gelang Polymarket während der US-Präsidentschaftswahl 2024. Das Handelsvolumen stieg im November auf 2,5 Milliarden Dollar.
„Polymarket hat im Alleingang die Wahl vorhergesagt“, schrieb Coplan auf seinem X-Account.
Das machte das FBI stutzig und ordnete eine Hausdurchsuchung beim Gründer Coplan an. Sie gingen davon aus, dass Amerikaner illegal mit VPN (Virtual Private Network) auf den Markt zugreifen könnten. Polymarket behauptet, es soll eine Vergeltungsmaßnahme des weißen Hauses gewesen sein. Obwohl sie seine elektronischen Geräte beschlagnahmten, blieben die Vermutungen im Endeffekt haltlos.
„Es ist entmutigend, dass die derzeitige Regierung in einem letzten Versuch gegen Unternehmen vorgeht, die ihrer Ansicht nach mit politischen Gegnern in Verbindung stehen“, so Coplan auf X.
Die Zukunft kann keiner treffsicher vorhersagen. Sonst wäre es wie ein Spoiler vor jedem Film. Wer würde ihn dann noch sehen wollen?
Spielsucht ist eine Krankheit und einer der vielen Gründe, warum Menschen in den finanziellen Ruin getrieben werden. Wenn Sie Hilfe benötigen, sich gegen die Sucht zu wehren, kontaktieren Sie bitte folgende Anlaufstellen:
T: 01/544 13 57, Email: therapie@spielsuchthilfe.at, www.spielsuchthilfe.at
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