Glatte, strahlende Haut und jugendliches Aussehen. Genau das versprechen unzählige Cremen und Seren, die in Drogerien und Apotheken die Regale füllen. 600 Millionen Euro geben die Österreicher einer Auswertung von Statista zufolge für Hautpflegeprodukte aus. Ein großer Teil davon entfällt auf Cremen und Seren, die die Haut verjüngen sollen.
Die globalen Ausgaben belaufen sich aktuellen Schätzungen zufolge auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Der Markt umfasst Gesichtscremen, Seren, Augenpflege sowie ergänzende Behandlungen zur Faltenreduktion. In den nächsten Jahren sollen die weltweiten Ausgaben laut Hochrechnungen von Market Research Future auf rund 70 Milliarden anwachsen.
Dermatologen sprechen sich gegen die weitverbreitete Annahme aus, der steigende Absatz von Anti-Aging-Produkten sei nur das Ergebnis von Marketing-Maßnahmen. „Regelmäßige Hautpflege mit Inhaltsstoffen, die auf den Hauttyp und auf den Grad der Hautalterung abgestimmt sind, können wirklich etwas bewirken“, sagt Daisy Kopera, Dermatologin an der MedUni Graz. Eine sichtbare Verjüngung des Hautbilds ist für sie nach sechs bis zwölf Wochen Anwendung realistisch.
Die Produkte sind aber keine Wundermittel. Die Alterung als solche können Anti-Aging-Produkte nicht rückgängig machen. Allerdings lassen sich mit ihnen Schäden, die im Laufe der Alterung entstehen, abmildern oder sogar verhindern.
Die Europäische Union hat klare Vorgaben für Hautpflegeprodukte. Laut EU-Kosmetikverordnung müssen sie die Haut entweder schützen oder ihren früheren Zustand wiederherstellen. „Mit diesen Vorgaben tun das manche Produkte mehr, andere weniger effizient“, sagt Florian Gruber, Dermatologe an der MedUni Wien. Hautpflegeprodukte stehen unter Belegpflicht. Hersteller von Anti-Aging-Produkten müssen demnach Studien vorlegen, die etwa eine Verbesserung der Faltenstruktur oder eine erhöhte Feuchtigkeitsversorgung der Haut durch das Produkt bestätigen.
„Empfehlenswert sind Produkte mit Filtern gegen ultraviolettes, aber auch gegen langwelliges Licht. Bestimmte Cremen bewirken eine schnellere Erneuerung der äußersten Hautschicht, andere lassen Altersflecken, also ungleiche Pigmentierung, verblassen“, sagt Gruber. Als besonders erfolgreich gelten Cremen und Seren, die vorbeugend wirken. Die Wirkstoffe Retinol, Hyaluronsäure und Vitamin C sind wesentlich im Kampf gegen Hautalterung.
Retinol, die aktive Form von Vitamin A, gilt als echter Hauterneuerer. Es beschleunigt die Zellerneuerung und kann Falten sichtbar glätten. Hyaluronsäure versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und beugt Trockenheit und feine Fältchen vor. Als Creme aufgetragen, erzielt sie aber nur einen kurzzeitigen Effekt, unter die Haut injiziert einen längerfristigen. Sobald die Haut weniger Hyaluronsäure enthält, kehren die Falten zurück. Vitamin C schützt vor freien Radikalen und Umweltverschmutzung und strafft die Haut.
Allerdings ist es kontraproduktiv verschiedene Cremen und Seren gleichzeitig zu verwenden. „Bei Hautpflegeprodukten gilt: Weniger ist mehr. Zu viele Produkte gleichzeitig reizen die Haut und können Unreinheiten wie Akne verursachen“, sagt die Dermatologin Barbara Böckle von der MedUni Innsbruck. Zumindest einmal pro Woche komme eine Patientin mit solchen Beschwerden in die Ambulanz.
Die weitverbreitete Meinung, teure Anti-Aging-Produkte aus der Apotheke würden besser wirken als günstige Alternativen aus dem Drogeriemarkt, sei laut Kopera falsch. „Grundsätzlich sagt der Preis nichts über die Wirksamkeit aus“, sagt sie. Pflegeprodukte aus der Apotheke durchlaufen aber mehr klinische Studien, die die Wirkung belegen, als konventionelle Produkte aus dem Drogeriemarkt. Sie enthalten auch weniger Allergene.
Es ist sinnvoll schon in der Jugend einen Beitrag für die spätere Haut-Ästhetik zu leisten. „Wer schon mit Anfang zwanzig täglich ein Tagespflegeprodukt mit Lichtschutzfaktor anwendet, betreibt die beste Hautalterungsprophylaxe“, sagt Kopera. Wer lange junge Haut haben möchte, sollte jeden Tag einen Lichtschutzfaktor verwenden, da auch Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung schädliche UV-Strahlen enthält. „Die Mittagssonne ist ganz zu vermeiden“, sagt Gruber. Auch Rauchen Stress und wenig Schlaf lassen die Haut schneller altern.
„Es lohnt sich, so früh wie möglich mit dem Sonnenbaden und Zigarettenrauchen aufzuhören“, sagt Gruber. Auch eine ausgewogene Ernährung sei essenziell. In seinem Buch „Die Anti-Aging Ernährung für die Haut“ spricht er sich für Intervallfasten, Spermidin, Omega-3-Fettsäuren und Vitamine aus. Spermidin recyclet Zellen, Omega-3 mindere Entzündungen und Vitamine bewirken einen antioxidativen Schutz, helfen beim Aufbau von neuem Gewebe und sorgen für einen gleichmäßigen Teint. Böckle spricht sich für Zurückhaltung bei Zucker und Milchprodukten aus. Sie haben einen negativen Einfluss auf das Hautbild.
Anti Aging-Produkte halten in den meisten Fällen, was sie versprechen, sind sich die Dermatologen einig. Cremen und Seren allein reichen aber nicht. Ein gesunder Lebensstil ist für eine langsame Hautalterung unerlässlich. Wesentlich sind Sonnenschutz, ausreichend Schlaf und eine abwechslungsreiche Ernährung. Aber auch die Genetik ist nicht zu unterschätzen. „Sie beeinflusst die Reaktion auf Sonnenlicht, Zellreparaturmechanismen und die Geschwindigkeit der Hautalterung zu etwa dreißig Prozent“, sagt Böckle.
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