Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
KulturInternationalFakten

Vom Muntermacher zum Dessert: die Verwandlung des Kaffees

Auf Café-Karten wimmelt es von Frappés, Iced Lattes und zuckrigen Saisongetränken. Die süßen Trendgetränke boomen, doch ihr Zuckergehalt ist gewaltig. Ein Caramel Frappé bringt es auf fast so viel Zucker wie eine Tafel Milka-Schokolade.
Sophie-Leonie Foidl-Widhalm  •  13. November 2025 Volontärin    Sterne  168
Emma Sehic  •  13. November 2025 Volontärin    Sterne  188
Foto: Shutterstock
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

Für rund 73 Prozent der Österreicher*innen gehört Kaffee zum Alltag. Doch viele nehmen nicht mehr einen Espresso oder Milchkaffee mit, sondern eine versüßte Variante. Und dabei geht es nicht um den Teelöffel Zucker oder Honig im Kaffee. Ein Caramel Frappuccino oder Mocha Latte enthält zwischen 20 und 50 Gramm Zucker. Vielen Kund*innen ist das Ausmaß gar nicht bewusst.

Süße Verführung

In manchen Kaffeegetränken steckt so viel Zucker wie in einer ganzen Mahlzeit. Ein klassischer Cappuccino enthält rund fünf Gramm Milchzucker. Der Caramel Frappuccino von Starbucks bringt es auf 45,6 Gramm Zucker. Das entspricht fast einer ganzen Tafel Milka-Schokolade, die bringt es nämlich auf 55 Gramm Zucker. Auch der beliebte Pumpkin Spice Latte hat mit gesundem Kürbis wenig zu tun: Die McCafé-Version enthält 25 Gramm Zucker, also zwei Esslöffel. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt höchstens 25 Gramm freien Zucker pro Tag. Ein einziger Trendkaffee überschreitet das Limit schon. Der einst bittere Muntermacher ist längst zum flüssigen Dessert geworden.

Nach dem Hoch kommt ein Tief

Ein zuckerreicher Kaffee am Morgen macht zwar wach, aber nicht fit. Wer den Tag süß startet, erlebt nach wenigen Stunden das Tief. Der Blutzuckerspiegel steigt steil an, fällt dann rasch wieder ab und mit ihm die Energie. Dieses Auf und Ab steigert das Verlangen nach weiterem Zucker. Gesüßte Kaffees fördern Heißhunger und den Griff zu Snacks. In der Mittagspause folgt die nächste Zuckerbombe im Becher oder auf dem Teller, der Kreislauf läuft weiter. Zucker aktiviert zudem das Belohnungssystem im Gehirn und setzt Dopamin frei. Dieser kurze Glücksreiz lässt den süßen Geschmack noch verführerischer wirken. Dabei liegen die wahren Vorteile des Kaffees im Natürlichen: im Aroma, im Koffein und in seiner belebenden Wirkung, ganz ohne Zuckerrausch danach.

Der gute alte Kaffee

Regelmäßiger, maßvoller Kaffeekonsum senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und sogar bestimmte Krebsarten. Die enthaltenen Antioxidantien wirken entzündungshemmend, fördern den Stoffwechsel und unterstützen die Fettverbrennung. Gleichzeitig steigert Kaffee Konzentration, Wachheit und Leistungsfähigkeit, ganz ohne den Zuckerhoch-und-Tief-Effekt vieler Sirupgetränke. Wer ihn pur oder nur leicht gesüßt trinkt, profitiert am meisten von seinen gesunden Effekten. Kaffee selbst ist kein Problem, er ist kalorienarm und reich an Antioxidantien. Der Pumpkin Spice Latte erinnert eher an ein Dessert als an ein Getränk.

Süße Trends auf Social Media

Auf Social Media ziehen bunte Süßkaffees mehr Aufmerksamkeit auf sich als ein einfacher Espresso. Unternehmen wie Starbucks und McCafé wissen das und investieren gezielt in Influencer*innen und aufwendige Social-Media-Kampagnen. Was früher ein Getränk war, ist heute ein Ritual: Mit dem ersten Pumpkin Spice Latte beginnt der Herbst. Jeden Herbstanfang überschwemmen Hunderte Fotos und Videos von dem süßen Kultgetränk die sozialen Netzwerke.

Für junge Menschen, die gerade erst beginnen, Kaffee zu trinken, ist der süße Geschmack eines Caramel Latte Macchiato oder Pumpkin Spice Latte zudem deutlich angenehmer und einladender als der bittere Espresso.

Jeden Monat ein neues Zuckergetränk

Jeden Monat gibt es ein neues Promo-Getränk“, erzählt auch ein Mitarbeiter eines McCafés. Er beobachtet, dass vor allem junge Menschen sich für die süßen Kaffeegetränken entscheiden. Grund dafür sind die gezielten Marketingstrategien der Unternehmen. Die Promo-Getränke werden auf SocialMedia, in Werbespots und direkt in den Filialen beworben und sind bei jungen Kund*innen besonders beliebt. In dieser Saison steht der Pumpkin Spice Latte mit seinen 25 Gramm Zucker im Mittelpunkt.

„Viele kommen täglich, um sich ein Getränk zu holen“, sagt er. Ob morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause oder am Abend, das McCafé bleibt fast durchgehend gut besucht. Besonders am Nachmittag greifen viele zu den süßen Getränken. Nach dem Mittagstief bietet der Zucker-Energieschub genau den gewünschten Kick.


campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement