Ein Creatorin sitzen vor Tischen, die eher an ein Dessertbuffet für eine Großveranstaltung erinnern, als an eine Mahlzeit für eine einzelne Person. Vor ihnen stapeln sich Cheesecake-Stücke, Kekse und Milkshakes, jedes größer, süßer und kalorienreicher als das andere. Millionen Menschen schauen zu, wie sie sich durch diese Berge an Desserts arbeiten.
In den sozialen Medien gehören solche „Mukbangs“, in denen Influencer überdimensionale Mengen an Essen in sich hinein schlingen, inzwischen zu den beliebtesten Formaten. Die Dimensionen wirken surreal: ein Cookie mit mehr als 500 Kalorien, ein Tortenstück sprengt schnell die empfohlene täfliche Kalorienzahl. Essen dient hier nicht der Sättigung, sondern der Show.
Vor allem auf Youtube erzielen Influencer enorme Reichweiten mit Mukbangs. So erzielte der Mukbanger namens GongSam mit einem einzigen Video mehr als 130 Millionen Views. Auch die Creatorin Boki, vielen bekannt von ihrem Kanal „Eat with Boki“, sammelt mit ihren Clips regelmäßig millionen Klicks.
Der Begriff „Mukbang“ stammt aus dem Koreanischen und setzt sich aus „meongneun“ für essen und „bangsong“ für übertragen und senden zusammen. Sinngemäß bedeutet er „Essensübertragung“. Die Bezeichnung passt gut, denn diese Videos stellen nicht das Essen selbst in den Mittelpunkt, sondern die Person, die vor der Kamera isst.
Mukbangs gibt es in diversen Varianten . Manche Creatoren mampfen besonders große Mengen auf einmal. Andere orientieren sich, bei sogenannten „Cookbang“, an klassischen Kochsendungen und zeigen das Zubereiten der Speisen.
(Foto: Quelle: Gong Sam/ YouTube)
(Foto: Quelle: Eat with Boki/ YouTube)
Gleichzeitig geraten Mukbang-Stars in die Kritik. Ihre Follower fragen sich, ob die gezeigten Mengen wirklich im Magen landen. Manche Creatoren sollen Aufnahmen irreführend schneiden oder Bissen wieder ausspucken. Warum finden sie trotzdem ihr Publikum?
Die Clips liefern eine Mischung aus Staunen, Übertreibung und Unterhaltung, meint die Ernährungswissenschaft. Die enormen Portionen wirken absurd, gleichzeitig aber faszinierend. Die Follower erleben den vermeintlichen Genuss stellvertretend mit, ohne selbst zu essen.
Die amerikanische Lebensmittelindustrie ist auch so schon auf Supersize ausgerichtet. Ein Stück Cheesecake der Cheesecake Factory liefert in den USA teils 800 Kalorien, einzelne Sorten sogar deutlich mehr. So eröffnet der Influencer @zach.eatss eines seiner Instagram-Videos mit der Ankündigung, heute sechs Stück Cheesecake der Cheesecake Factory zu essen, die zusammen mehr als achttausend Kalorien liefern.
Mukbangs zeigen trotz des großen amerikanischen Fressens Mengen, die im Alltag kaum vorkommen. Diese radikale Überhöhung verändert die Wahrnehmung von dem, was als normal gilt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, solche Trends nicht zu unterschätzen. Vor allem junge Menschen reagieren auf die Mischung aus Wettbewerb, Inszenierung und Gemeinschaft. Sie probieren Neues aus, suchen Anerkennung in ihrer Online-Gruppe und orientieren sich an dem, was dort alle feiern. Das Extreme wird normal.
Die DGE empfiehlt, beim Essen bewusst zu bleiben und langsamer zu genießen. Wer Mahlzeiten aufmerksam genießt, entwickelt leichter ein realistisches Gefühl für Portionsgrößen und Zucker- beziehungsweise Kalorienmengen. Die Körpersignale spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Sättigungsgefühl setzt im Durchschnitt erst nach rund zwanzig Minuten ein. Schnelles Essen oder Essen unter Zeitdruck übergeht diese Signale und fördert Überessen.
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