Giorgia Meloni bietet sich als ideologische Alternative an. Sie führt die rechte, konservative Partei Fratelli d’Italia und verbindet nationale Identität mit europäischem Pragmatismus. Diese Kombination wirkt attraktiv: mit ihr könnte eine neue Ära beginnen, in der das Orbán-Modell ausgedient hat.
Endet die Ära Orbán tatsächlich? Vieles deutet darauf hin.
Die Ungarn, wählen voraussichtlich am 12. April ein neues Parlament.
Parteien ziehen ihre Strateginnen und Strategen zusammen, schärfen ihre Profile und testen neue Botschaften. Kandidaten und Kandidatinnen treten sichtbarer auf, und selbst kleinere Bewegungen versuchen, ihren Platz im kommenden Wahlkampf zu definieren.
In vielen Oppositionsgesprächen tauchen wieder Themen wie Löhne, Schulen und die hohe Teuerung auf. Der Wahltermin wirkt wie ein Orientierungspunkt, der das Land neu sortiert. Die Stimmung verändert sich. Die Ungarn denken darüber nach, welche Richtung sie ihrer Heimat geben möchten.
In Ungarn formiert sich seit vergangenem Jahr eine politische Bewegung, die Orbáns Machtgefüge ernsthaft herausfordert. Ihre Lichtgestalt ist darin ist Péter Magyar. Er arbeitete in staatlichen Institutionen, während Fidesz regierte, und bewegte sich dadurch am inneren Kreis des Systems. Er war jedoch kein Parteifunktionär, sondern jemand, der die Abläufe kannte und sie aus nächster Nähe beobachtete. Besonders dieses Wissen nutzt er im Wahlkampf gegen Orbán, um Korruption, fehlende Kontrolle und parteiinterne Netzwerke zu beschreiben.
2024 gründete Magyar eine eigene Partei: TISZA – Respekt und Freiheit. Seither positioniert er sich klar als Oppositionsführer gegen Orbán und wirbt mit einem Programm, das auf Anti-Korruption, institutionelle Reformen und eine konstruktive EU-Orientierung setzt. Er präsentiert TISZA als echte Alternative zu einem Machtzirkel, der aus seiner Sicht das Land ausbremst.
Die Voraussetzungen für einen Machtwechsel sind gegeben. Die wirtschaftliche Lage verschärfte sich vergangenes Jahr sichtbar. Preise stiegen, Unternehmen investierten vorsichtiger, Familien schonten ihre Budgets. Die Opposition greift diese Realität auf und spricht über überlastete Spitäler, ungleiche Chancen in Schulen und die Bedeutung freier Medien. Diese Themen treffen den Alltag vieler Menschen und erzeugen eine neue politische Energie, die Ungarn lange fehlte.
Die ungarische Opposition tritt derzeit geschlossener auf, wie schon seit 12 Jahren nicht mehr. Parteien, die früher oft nebeneinanderher gearbeitet haben, stimmen ihre Strategien enger aufeinander ab und finden in einigen Fragen gemeinsame Linien. Dadurch wirkt ihr Auftreten klarer und verbindlicher. Diese neue Zusammenarbeit kommt nicht nur in Budapest an, sondern auch in vielen kleineren Orten, wo Menschen spüren, dass sich politische Alternativen wieder glaubwürdiger anbieten.
Viktor Orbán besitzt weiterhin starke strukturelle Vorteile. Dazu gehören ein von seiner Partei geprägter öffentlicher Rundfunk, weitreichender Einfluss auf staatliche Behörden, ein enges Netzwerk aus lokalen Funktionären und die Möglichkeit, öffentliche Gelder strategisch einzusetzen.
Trotzdem wächst die Unterstützung für die Opposition spürbar. Wenn sie ihre Energie bündelt und konsequent bleibt, kann sie die Wahlen gewinnen. Nach langer Zeit wirkt ein Machtwechsel greifbar.
Ein Blick in internationale Medien zeigt, wie deutlich sich der Ton rund um Ungarn verändert. Die wirtschaftliche Unsicherheit im Land prägt die Erwartungen vieler Ungarinnen und Ungarn und verleiht Magyars Forderungen nach Stabilität zusätzlichen Nachdruck. Reuters beschreibt in seiner Analyse, dass diese Stimmung ein entscheidender Faktor werden könnte. Der Guardian sieht eine Wahl, die Orbáns Macht in einem Ausmaß herausfordert, das es seit Jahren nicht gab, und verweist auf eine wachsende politische Ermüdung. Die Financial Times hebt hervor, dass die kommende Wahl weniger von Ideologien bestimmt wird und stärker von Alltagssorgen wie Einkommen, Gesundheitsversorgung und Orientierung an europäischen Standards. Auch österreichische Medien erkennen in ihren Berichten ein politisches Zeitfenster, das Mitteleuropa beträchtlich verändern kann.
Ein Ungarn mit kooperativer Regierung würde die Europäische Union stärken. Denn die EU könnte ihre Ukrainepolitik entschlossener gestalten und die Zusammenarbeit bei Energie, Digitalisierung und Rechtsstaatlichkeit würde einfacher werden. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass ein konstruktives Ungarn zeigen würde, wie widerstandsfähig demokratische Bewegungen bleiben, selbst wenn sie lange unter Druck standen. Eine solche Entwicklung hätte Signalwirkung über das Land hinaus und würde vielen Menschen in Europa Zuversicht geben.
Für Wien könnte ein verlässlicheres und europafreundlicheres Ungarn echte Vorteile bringen. Die Kooperation bei Verkehr und Energie würde leichter laufen und die Bundesregierung hätte einen Partner, der europäische Projekte nicht blockiert, sondern unterstützt. Eine Niederlage Orbáns könnte auch die FPÖ spürbar verändern. Kickls Bezug auf das bisherige Ungarn verlöre an Strahlkraft und würde eine strategische Lücke öffnen. Ein Blick nach Italien, zu Giorgia Meloni, könnte für die FPÖ attraktiv wirken, weil sie konservative Identität mit europäischer Verantwortung verbindet.
Was würde ein Regierungswechsel für Kickl und andere Orbán-Fans bedeuten? Sie stünden vor einer Neuorientierung. Ein politischer Kurs, der sich stark an Orbáns Ungarn orientiert, wäre grundlegend zu überdenken. Kickl könnte diesen Moment nutzen, um seine Partei strategisch breiter aufzustellen und den Zugang zu gemäßigten Kräften der europäischen Rechten zu suchen. Gleichzeitig müsste er seine Erzählung vom ungarischen Modell als verlässlichem Leitbild revidieren. Am Ende wäre das weniger eine Niederlage als ein Test, ob die FPÖ in der Lage ist, ihre außenpolitische Positionierung an neue politische Realitäten anzupassen.
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