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Warum Österreichs Wirtschaft viel besser als ihr Ruf ist

Österreich hat derzeit einen schlechten Ruf. Doch in vielen Bereichen ist das Land im internationalen Vergleich vorne dabei.
Klara Lamplmayr  •  2. Dezember 2025 Volontärin    Sterne  60
Obwohl das Bild der Wirtschaft in Österreich eher negativ ist, erzielt das Land in vielen Bereichen sehr große internationale Erfolge. (Foto: Foto: Shutterstock)
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„Die österreichische Wirtschaft hat großes Potenzial und befindet sich laut Experteneinschätzungen im Übergang zu einer langsamen, aber stabilen Erholung, deren Auswirkungen in den kommenden Jahren zunehmend spürbar werden dürften.” Diese Aussage von Gregor Hetzendorfer aus dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus ist überraschend und zeigt: Nicht alle, die Wirtschaft verstehen, stimmen in das aktuelle große Jammern über den Zustand Österreichs ein.

Hohe Inflation, steigende Arbeitslosigkeit, das Defizitverfahren der EU, keine Frage, Österreichs schlechter Ruf kommt nicht von ungefähr. Dennoch ist das Land nicht weg vom Fenster. Hetzendorfer meint „Österreich verfügt in mehreren Bereichen über klare internationale Stärken. Nationale Forschungsinstitute betonen insbesondere Österreichs gute Positionierung in Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Holz- und Werkstoffindustrien, pharmazeutischen Erzeugnissen sowie in Umwelt- und Wassertechnologien, einschließlich innovativer Lösungen im Hochwasserschutz.” Stimmt das?

campus a hat einige Wochen lang die positiven Meldungen über das Land gesammelt. Sie drängen sich nicht auf, finden sich eher im Kleingedruckten und sind deswegen nicht minder interessant. Hier einige Beispiele.

Bitcoin Hub Österreich

Für Finanz-Laien überraschend ist Österreich zu einem der erfolgreichsten Bitcoin-Anbieter auf der ganzen Welt herangewachsen. Mit Bitpanda entstand 2014 in Wien ein Unternehmen, das international Erfolgsgeschichte schreibt. Die Gründer Paul Klanschek, Eric Demuth und Christian Trumer entwickelten aus einem Start-up eine der führenden Krypto Handelsplattformen Europas. Mittlerweile beschäftigt Bitpanda mehr als 800 Mitarbeiter und betreibt Standorte in mehreren europäischen Städten sowie in Dubai.

Halbleiterlösungen aus Österreich

„Oft liest man Erfolgsgeschichten von Unternehmen in den USA oder China. Unsere Entwicklung zeigt, dass es auch hier in Österreich möglich ist“, sagt Alexandra Wachschütz, Leiterin Unternehmenskommunikation Infineon Austria, und bezieht das vor allem auf ihr eigenes Unternehmen. Österreich eigne sich als Wirtschaftsstandort wunderbar, meint sie.

Infineon ist führender Anbieter von Halbleiterlösungen für Power Systeme. Mit seinen Technologien liefert der Villacher Betrieb Innovationen für Anwendermärkten etwa in den Bereichen umweltgerechte Mobilität, sicheren Datentransfer oder effiziente Erzeugung erneuerbarer Energie.

Vor mittlerweile 55 Jahren fing das Unternehmen mit 24 Beschäftigten an, einfache Bauelemente für die damals neuartigen Farbfernseher händisch zu fertigen. Heute betreibt Infineon neben dem Headquarter in Villach Standorte in Klagenfurt, Graz, Linz, Innsbruck und Wien und beschäftigt rund 5.900 Mitarbeitende aus 78 Nationen in Österreich. „Unsere Ziele sind systematische Investitionen in Forschung, Entwicklung und in unsere strategischen Wachstumsthemen wie etwa Künstliche Intelligenz, humanoide Robotik oder in Zukunftstechnologien wie dem Quantencomputing”, sagt Wachschütz. Infineon sei außerdem das forschungsstärkste Unternehmen Österreichs: „Durch die gezielte Förderung von Forschung, Schrittmachertechnologien und Start-ups kann Österreich Talente und Investitionen anziehen und sich als internationaler High-Tech-Standort positionieren.” 

Erfolge in der Feuerbekämpfung

Zu den Vorzeigebetrieben mit internationaler Strahlkraft gehört auch Rosenbauer. Mit Sitz in Linz entwickelt das Unternehmen seit mehr als 150 Jahren Feuerwehrfahrzeuge und Systeme für Brandschutz. Der Familienbetrieb von Gründer Johann Rosenbauer wuchs seit 1866 zu einem der größten Feuerwehrausstatter der Welt heran und betreibt ein Vertriebs- und Servicenetzwerk in mehr als 110 Ländern. 2021 präsentiere Rosenbauer das erste elektrisch betriebene Feuerwehrfahrzeug und stärkt damit seine Rolle als globaler Marktführer im Brand- und Katastrophenschutz.

Innovation in Oberösterreich

Im Bereich Weltraumtechnologie setzt Peak Technology aus Holzhausen bei Wels besondere Akzente. Die Firma startete 2007 mit Hightech-Bauteilen für Formel-1-Teams und verlagerte den Fokus jedoch bald auf Spitzentechnologien für Luft- und Raumfahrt. Geschäftsführer Dieter Gredner verweist auf die vielen Experten und Innovatoren im Bereich Luft- und Raumfahrt die bei Peak Technology tätig sind.

Das Unternehmen konzentriert sich auf leichte Treibstofftanks für Raketen und Satelliten sowie auf Leichtbau-Strukturen für Trägerraketen. Peak Technology ist damit stark auf eine bestimmte Richtung spezialisiert. In diesem kleinen Bereich zählt es jedoch zu den führenden Anbietern in ganz Europa

Gut geschützt vor Hochwasser

Der Klimawandel führt zu immer häufigeren Wetterextremen. Das Risiko von Überschwemmungen steigt. Warum ist genau Österreich im Bereich Hochwasserschutz innovativer und erfolgreicher als andere Länder? Der Hydrologe Günter Blöschl, Leiter des Instituts für Wasserbau und -wirtschaft und Direktor des Zentrums für Wasserressourcen der Technischen Universität Wien (TU), begründet das so: „Österreich verfügt über eine lange Tradition im Umgang mit Naturgefahren, insbesondere mit Hochwasser. Durch die geografische Lage mit alpinen Einzugsgebieten, steilen Flussläufen und dicht besiedelten Talräumen war das Land früh gefordert, innovative Lösungen zu entwickeln.”

Das Land investiert daher massiv in diesen Bereich und die Forschung zählt international zur Spitze. Im August 2025 erhielt Blöschl den renommierten Stockholm Water Prize. Er forscht dabei nicht nur zu ingenieurtechnischen Schutzmaßnahmen, sondern setzt auch auf integrative Lösungen, wirksame Risikokommunikation und die Einbindung der Bevölkerung. Das Besondere an Blöschls Arbeit ist, dass er Geowissenschaften und Ingenieurhydrologie verknüpft und damit den neuen Forschungsbereich der Sozio-Hydrologie prägt. „Dabei stellen wir Weichen für die österreichische Praxis und nehmen im konkreten Hochwasserrisikomanagement eine internationale Vorreiterrolle in der Forschung ein”, sagt er.

Tourismus und Bio-Landbau

Neben wissenschaftlicher Spitzenleistung zeigt sich Österreichs Stärke auch in ganz anderen Bereichen der Wertschöpfung. Der Tourismus zählt nach wie vor zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes und Österreich bleibt in diesem Bereich weiterhin klar auf Wachstumspfad. 2024 übertraf die Branche ihren bisherigen Rekord von 2019. Im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus heißt es dazu: „Mit 46,7 Millionen Ankünften und 154,3 Millionen Nächtigungen im Jahr 2024 zählt Österreich zu den erfolgreichsten Tourismusexportnationen Europas. Für die kommenden Jahre sind wachsende Reiseverkehrsexporte prognostiziert, womit der Sektor ein zentraler Beitrag zur Leistungsbilanz bleibt.”

Etwa auch im Biolandbau erzielt Österreich bemerkenswerte Erfolge. Die EU-Bio-Awards, die jedes Jahr Unternehmen und Landwirte für innovative, nachhaltige und inspirierende Projekte erhalten, zeugen von Österreichs Stärke in diesem Bereich. 2024 kam die beste Bio-Landwirtin aus Österreich. Ihr Name ist Reinhilde Frech-Emmelmann und ihr Unternehmen ReinSaat in Niederösterreich ist auf gentechnikfreies Saatgut spezialisiert. 2025 holte die Joseph Brotmanufaktur den EU-Bio-Award für das beste biologisch lebensmittelverarbeitende kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Unternehmen ist die größte Handwerksbäckerei weltweit, die das gesamte Bio-Mehl vollständig von Hand verarbeitet.

Wien als perfekter Lebensstandort

Doch auch bei den Soft Skills ist Österreich besonders stark. Die Bundeshauptstadt erzielt regelmäßig internationale Bestnoten. Drei Mal in Folge reihte der britische Economist Wien im Globalen Liveability Ranking auf Platz 1. 2025 war nur Kopenhagen noch besser.

Wien ist außerdem eine besonders umweltfreundliche Stadt. Knapp 40 Prozent des Stadtgebietes besteht aus Grünflächen. Das weit ausgebaute Öffi-Netzwerk ist zusätzlich ein großer Faktor bei der CO₂-Einsparung. Laut dem Lifestyle-Magazin Time Out hat Wien sogar eines der besten öffentlichen Verkehrsnetzwerke weltweit. Es sei sauber, schnell und effizient, heißt es dort.

Wohl auch deshalb gilt Wien als attraktive Studentenstadt. Das Magazin Wien. Jetzt für immer beschreibt es so: Wien hat neun Universitäten, sechs Fachhochschulen und acht Privatuniversitäten. Damit ist Wien nach Berlin die zweitgrößte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum.”

Heuer steigt die Universität Wien im Ranking „Times Higher Education (THE)” auf und erreicht einen neuen historischen Erfolg. Erstmals gehört sie mit Platz 95 zu den Top 100 Universitäten der Welt. Sie etabliert sich somit als erste österreichische Hochschule in dieser Spitzengruppe. Trotz zahlreicher neuer Konkurrenten zählt die Universität Wien nun zu den besten vier Prozent aller gerankten Universitäten weltweit. 

Goldener Holzweg

Vor allem mit Blick auf die Wirtschaft ließe sich die Liste der rotweißroten Spitzenleistungen noch lange fortführen. So etwa bei Gebäuden, die lange nur als Blockhäuser bekannt waren und die längst Hightech geworden sind. Österreich gehört weltweit zu den führenden Ländern in der Hightech-Holzindustrie, besonders bei Brettsperrholz. Kein anderes Land exportiert pro Kopf mehr Hightech-Holzprodukte. Österreichische Unternehmen wie KLH, Stora Enso (Admont) oder binderholz sind globale Marktführer und ihre Holzbautechnologie steht hinter spektakulären Projekten von London bis Tokio.

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1 Kommentar
Joscha Düll

Sehr toller Bericht und trotz all diesen positiven Faktoren geht es der Wirtschaft weiterhin nicht besser, die Inflation ist eine der höchsten in der EU und die Schulden Österreichs wachsen. Eigentlich unverständlich bei einem Land mit solch guter Bildung, großen Einnahmen und zentraler Rolle in internationalem Handel und Affären. Man kann nur hoffen, dass das Positive bald mehr Effekt aufs Land hat.

10 December 2025 Antworten



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