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Warum sind Omas Weihnachtskekse die Besten?

Warum schmecken Omas Kekse immer besser als alles andere? Der Unterschied liegt nicht nur in den Zutaten, sondern in der Liebe und der Nostalgie, die wir mit den Keksen verbinden.
Chiara Schmid  •  16. Dezember 2025 Volontärin    Sterne  142
Omas Kekse in der Adventzeit rufen süße Erinnerungen hervor. (Foto: Pexels)
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Omas Kekse in der Adventzeit rufen süße Erinnerungen hervor. Warum? Es ist nicht nur der Geschmack. Es ist die Erinnerung, die mit jedem Keks mitschwingt. Das gemeinsame Lachen beim Teigkneten, das kleine Missgeschick beim Herzerl-Ausstechen, der Song „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuchowski im Hintergrund. 

Selbstgemacht schmeckt’s besser

Auch die Wissenschaft bestätigt, der Geruch von frisch gebackenem Teig emotionale Erinnerungen aktiviert. 

Unser Gehirn verknüpft Aromen wie Vanille, Butter und Zimt automatisch mit Wohlbefinden und Geborgenheit, weiß irische Neurophysiologin und Hochschulleiterin Dr. Denise Manahan-Vaughan. Kein Wunder also, dass Omas Kekse unsere Herzen höherschlagen lassen, noch bevor wir den ersten Bissen nehmen.

Wie Gerüche Erinnerungen wecken

Die besondere Wirkung von Omas Keksen hat eine wissenschaftliche Grundlage. Der Geruchssinn steht in direkter Verbindung zum limbischen System, dem Bereich unseres Gehirns, der Emotionen und Erinnerungen verarbeitet, erklärt der HNO-Mediziner Dr. Olaf Conrad. Düfte wie Zimt, Nelken oder Vanille rufen sofort Bilder und Gefühle hervor, oft ganz unbewusst.

Dieses Phänomen beschreibt auch der sogenannte Proust-Effekt. In Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erlebt der Erzähler beim Genuss einer Madeleine eine plötzliche Rückkehr in seine Kindheit. Psychologen verwenden den Begriff bis heute, um zu erklären, wie Gerüche lange vergessene Erinnerungen aktivieren. Wenn der Duft von frisch gebackenen Keksen durch die Wohnung zieht, verbindet unser Gehirn ihn mit Wärme, Ritualen und den besonderen Momenten der Weihnachtszeit.

„Potenziell kann jeder Reiz eine Erinnerung oder Emotion auslösen“, erklärt Christina Bermeitinger, Psychologin an der Universität Hildesheim. „Das gilt nicht nur für Gerüche, sondern auch für Geräusche oder Geschmäcker.“

 Die direkte Verbindung von Nase und Herz

Warum wirken Gerüche dennoch besonders intensiv? „Unser Geruchssinn ist der einzige Sinn, der direkt mit dem Emotionszentrum des Gehirns verbunden ist“, weiß Rachel Herz von der Brown University. Duftreize gelangen ungefiltert zur Amygdala, dem Gefühlskern und zum Hippocampus, wo Erinnerungen gespeichert werden. Positive Erlebnisse machen einen Duft vertraut und tröstlich, negative Erfahrungen bewirken das Gegenteil. Unsere Nase speichert damit emotionale Kapitel unserer Lebensgeschichte.

Omas Kekse sind gut für die Seele und wecken Erinnerungen (Foto: Pexels)

 Meine Oma backt besser 

Omas Weihnachtskekse sind daher nicht nur ein Lebensmittel, sondern auch Träger von Erinnerungen. Rezepte, Düfte und handgemachte Formen stehen häufig für familiäre Rituale und wiederkehrende Erlebnisse aus der Kindheit. In einem oft schnelllebigen Alltag können diese Erinnerungen als vertraut und beruhigend empfunden werden.

Geschmack, Geruch und das handwerkliche Aussehen der Kekse fungieren als Auslöser für diese gespeicherten Eindrücke und ermöglichen einen kurzen gedanklichen Rückgriff auf frühere Weihnachtsfeste. Omas Kekse sind damit nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für die Seele. Kleine, essbare Zeitmaschinen, die uns jedes Jahr aufs Neue in die Vergangenheit transportieren.

Der Ausbildungsplatz dieser Autorin in der campus a Akademie für Journalismus ist ermöglicht mit freundlicher Unterstützung durch Deichmann.
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