Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
WirtschaftSalzburgFakten

Salzburger Trauerspiele - wenn Mieten zum Luxus wird

In Salzburg explodieren die Mietpreise. Das trifft besonders die Studierenden. Ohne Nebenjob und Hilfe von den Eltern geht nichts. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Miriam Löv  •  22. Dezember 2025 Volontärin    Sterne  10
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

Salzburger Trauerspiele. Wenn Jedermann sich die Wohnung nicht mehr leisten kann

In Salzburg explodieren die Mietpreise. Das trifft besonders die Studierenden. Ohne Nebenjob und Hilfe von den Eltern geht nichts. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Hohe Mieten, viele Ursachen

In einer Analyse des Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen, kurz SIR, im Auftrag der Stadt Salzburg wurde im Jahr 2020 die Leistbarkeit von Wohnraum in der Stadt Salzburg analysiert. Laut des SIR hat die Teuerung viele Gründe. Es ist ein Zusammenspiel von hohen Bodenpreisen und Baukosten, vielen Nebenwohnsitzen, ineffizienter Flächennutzung und fehlender Mietpreisregulierun. Die hohe Nachfrage und geringe Verfügbarkeit tragen ebenfalls zu den hohen Preisen bei.

Somit sind Mietwohnungen in Salzburg kaum noch leistbar. Besonders für Studierende.

Aufgrund des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Preis fallen rund neunzig Prozent des Wohnraums in die teuerste Mietkategorie. Für Studierende bleiben somit nur etwa zehn Pozent des Wohnraums leistbar. Der Teuerung soll durch Förderungen entgegengewirkt werden. Die Wohnbeihilfe erweist sich jedoch häufig als unbrauchbar, da der Quadratmeterpreis beinahe in allen Fällen über dem Richtwert liegt.

Die Stadt Salzburg möchte Maßnahmen zur Mobilisierung von Leerstand und ineffizient genutztem Wohnraum setzen. Ein weiterer Punkt ist die Diversifizierung des Angebots. Neue Wohnformen, besonders für junge Menschen, sollen geschaffen werden.

Clusterwohnungen wären ein Beispiel dafür, schreibt die Stadt Salzburg. Mehrere Personen haben eigene kleine Wohneinheiten und teilen sich gewisse Räume mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern. Typisch sind für Clusterwohnungen ein Gemeinschaftsbad und Gemeinschaftsküche.

Unter anderem soll auch auf Bund und Land eingewirkt werden, um den Richtwertmietzins auszuweiten, wodurch der freien Preisbildung im privaten Mietsektor entgegengewirkt werden soll.

WG, Wohnheim oder doch eigene Wohnung?

Die hohen Mietpreise bringen die Studierenden in eine Zwangslage. Für sie ist die Wohnungssuche ein Spießrutenlauf zwischen den eigenen Bedürfnissen und ihrer finanziellen Lage.

Laut dem Salzburger Studentenwerk liegt der Preis für ein Standardeinzelzimmer im Mozart Studentenheim bei 560 €. Die Mietpreise der Studentenwohnheime sind meist die niedrigsten.

Der Durchschnittspreis für eine 30-m2-Wohnung liegt laut Recherche von campus a auf Willhaben zwischen 700 und 1.300 €. Eine weitaus günstigere Option ist ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Wer 600 € monatlich für Mietkosten zur Verfügung hat, wird laut wg-gesucht.at bei einer Wohngemeinschaft fündig.

„Salzburg ist fast so teuer wie München“ – Stimmen von Studentinnen

Amelie bezeichnet ihre finanzielle Lage in einem Interview mit campus a als entspannt und abgesichert. Sie wohnt in Salzburg Stadt bei ihren Eltern zu Hause. Neben ihrem eigenen Einkommen bekommt sie auch finanzielle Unterstützung von ihren Eltern. Trotzdem wünscht sie sich mehr leistbaren Wohnraum und faire Mieten besonders für Studierende und Familien.

Jasmin wohnt in einer Wohngemeinschaft in der Nähe des Salzburger Hauptbanhofs. Die Studentin ist derzeit noch auf Jobsuche. Da sie jedoch nicht fündig wird, zahlt ihre Mutter ihr Zimmer in der WG. Dies, sagt sie, löse manchmal psychischen Druck aus bei ihr, da sie jede Ausgabe, die sie tätigt, überdenkt.

Eine Miethöchstgrenze wäre eine Lösung, gibt sie in dem Interview an. Ebenfalls würde ihr mehr Austausch mit anderen Studentinnen und Studenten guttun, um auch einen gewissen Vergleich zwischen den Mieten schaffen zu können. Um ein „billiges“ Zimmer zu finden, musste sie ein halbes Jahr suchen.

Naemi zahlt 550 € Miete im Monat für ein Zimmer in einer 3er-WG in Salzburg Stadt. Diese Kosten teilt sie sich mit ihrem Vater auf. „Ich zahle 300 € und mein Papa 250 €“. Die finanzielle Lage der Studentin ist entspannt, da sie finanzielle Unterstützung von zu Hause bekommt. „Wenn es zu einer Notsituation kommen würde, wären finanzielle Mittel vorhanden“, sagt die Studentin.

Seda wäre lieber Vollzeitstudentin, anstatt 25 Stunden pro Woche arbeiten gehen zu müssen. Seda lebt mit ihrem Partner zusammen und gibt an, sich an ihre derzeitige Situation gewöhnt zu haben. Ein Problem mit einer weiteren Teuerung hätte sie aber schon.

Johanna bezieht ein großes Zimmer mit guter Lage in der Salzburger Stadt in einer Vierer-WG. Auch sie muss neben ihrem Studium arbeiten gehen, um sich ihr Leben in Salzburg finanzieren zu können. Die Studentin zog von München nach Salzburg, um hier Kommunikationswissenschaften studieren zu können. Die Mietpreise erinnern sie stark an die Münchner Preise, sagt sie.

„Was koste ich?“ – Wenn Wohnen zur psychischen Belastung wird

Die Psychologin Sabine Viktoria Schneider verweist in einem Interview mit campus a auf die psychischen Auswirkungen, die der finanzielle Leidensdruck auf die Jugendlichen hat.

Viele Jugendliche müssen sich mit der Frage „Was koste ich?“ beschäftigen. Kann ich mir das Studieren leisten, mich selbst finanzieren und somit meinen Wunsch nach Autonomie erfüllen? Oder bin ich noch auf das Geld meiner Eltern angewiesen? Diese Fragen kreisen häufig in Dauerschleife in den Köpfen der Jugendlichen, sagt Schneider. Ein schlechtes Gewissen, einhergehend mit Sorgen und Ängsten, könne unter anderem zu psychosomatischen Beschwerden führen.

Das ständige „Funktionieren-Müssen“ könne die Körperhaltung verschlechtern, da Sorgen und Ängste die Studierenden langfristig nicht nur mental, sondern auch körperlich schwächen würden.

Durch die schlechte Haltung entstehen Nackenschmerzen, welche wiederum Kopfschmerzen auslösen können. „Es kann auch sein, dass der Darm Dinge nicht mehr verdauen kann“, sagt die Psychologin.

Wie können junge Menschen, insbesondere Studierende diesen finanziellen Druck besser bewältigen? Eine gute Maßnahme, um mit der psychischen Belastung besser umzugehen, ist laut Sabine Schneider mehr „ich selbst sein“. Junge Erwachsene sollten nach Erfüllung im Job und Studium streben. Arbeiten könne durchaus Spaß machen und auch das Studium könne, mit Aussicht auf einen gut bezahlten Job mehr Entlastung bieten.

Das Ressort Wirtschaft ist ermöglicht mit freundlicher Unterstützung durch SPAR Österreich.
SPAR Österreich

campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement