Umsatzeinbrüche, Kündigungen, Werkschließungen. Die Automobilbranche sorgt aktuell für negative Schlagzeilen. Der VW-Konzern, einst internationales Aushängeschild und Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, geriet dabei zum wankenden Riesen. Doch im VW-Imperium schwimmt einer gegen den Strom. Škoda. Die tschechische VW-Tochter erzielt Jahr für Jahr neue Rekordergebnisse. 2024 steigerte Škoda den Gewinn um 30 Prozent auf 2.3 Milliarden Euro. Im gesamten VW-Konzern gingen die Gewinne im selben Jahr um 31 Prozent zurück.
In Europa zählt Škoda mittlerweile zu den absatzstärksten Automarken und erreichte 2025 zeitweise Rang drei der meistverkauften PKW. Der Abstand zu Premiumherstellern wie Audi und Mercedes hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verringert. Einer der Schlüssel zum Erfolg Škodas ist das breite Angebot. Diesel, Elektro, Hybrid, für jedes Antriebssystem bietet Škoda etwas. Erschwingliche Einsteigermodelle machen den Hersteller zu einer der ersten Adressen für Neukunden.
Ein Modell hat es der Kundschaft besonders angetan: Der Octavia, der Golf-Kunden anlockt, die etwas mehr wollen, aber auch frühere Fahrer des etwas größeren und deutlich teureren VW-Passat. Erstmals 1959 im tschechischen Werk Mlada Boleslav vom Band gelaufen, entwickelte sich der Octavia über die Jahre zum Aushängeschild der Marke. Mit seinem guten Preis-Leistungsverhältnis und der Kombi-Version für Familien, Sportler oder Kleinunternehmer spricht er eine breite Käufergruppe an. Im vergangenen Dezember lief der millionste Octavia der aktuellen Generation vom Band.
Mit dem gänzlichen Umstieg auf die Elektromobilität hat es Škoda, ganz der Zielgruppe entsprechend, nicht eilig. Eine Strategie, die sich bezahlt macht. Der überhastete Fokus auf E-Mobilität, zu beobachten zunächst auch bei der Konzernmutter VW, ist laut Branchenexperten einer der Gründe für das Schwächeln vieler Konkurrenten. Die Nachfrage am E-Automarkt ist geringer als lange Zeit erwartet.
Doch auch die Elektromodelle der tschechischen Marke kommen gut an. Der Elektro-SUV Enyaq schafft es in Österreich unter die Top drei der meistverkauften Elektroautos 2025. Die Ingenieure im tschechischen Werk Mlada Boleslav montieren mittlerweile auch Batteriesysteme für andere VW-Marken und der Konzern bindet Škoda zunehmend in die gesamte Batterie- und Komponentenstrategie ein. Die Innovationsfähigkeit ist laut Branchenexperten eine weitere Zutat im Erfolgsrezept von Škodas.
Das Design bildet ebenfalls einen wichtigen Pfeiler der Škoda-Erfolgsgeschichte. Die Marke setzt auf klare Linien, ruhige Flächen und ausgewogene Proportionen, die modern wirken und zugleich langfristig Bestand haben. Chefdesigner Oliver Stefani betont öffentlich, wie stark Gestaltung Kaufentscheidungen prägt.
Škoda entwickelt deshalb eine Designsprache, die sofort erkennbar bleibt und Vertrauen erzeugt. Modelle wie Octavia oder Enyaq zeigen eine klare, sachliche Ästhetik, die Wertigkeit ausstrahlt und Alltagstauglichkeit sichtbar macht. Diese Mischung aus Zurückhaltung und Präsenz prägt das visuelle Profil von Škoda Auto.
Auch außerhalb des Unternehmens gilt das Škoda-Design als Faktor für die starke Marktposition. Fachjournalisten beschreiben die Gestaltung als erwachsen, solide und bewusst frei von modischen Effekten. Viele Beobachter sehen in dieser gestalterischen Nüchternheit einen Vorteil, weil sie Beständigkeit signalisiert und breite Zielgruppen anspricht. Das Design ordnet sich keinem kurzfristigen Trend unter, sondern folgt einer klaren Linie, die Wiedererkennung schafft.
Egal ob Verbrenner oder Elektroauto, die Škoda-Rechnung scheint derzeit in allen Segmenten aufzugehen. Das Phänomen beschränkt sich dabei nicht nur auf Europa. In Indien, Saudi-Arabien und auf den Straßen Nordafrikas ist er längst keine Seltenheit mehr. Mit dem Modell Kylaq, einem sportlichen SUV mit Benzinmotor, entwickelt Škoda speziell für den indischen Markt ein eigenes Modell. Auch in Vietnam und Kasachstan schreitet die Expansion voran. Weltweit hat Škoda im Jahr 2024 stattliche 926.000 Fahrzeuge ausgeliefert, was ein Wachstum um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutete.
Zuletzt führte der Škoda-Erfolg Konzern-intern auch zu Kontroversen. Kritik erntete Škoda für „unfaire“ Vorteile. Der tschechische Standort ermöglicht Škoda eine billigere Produktion als den restlichen VW-Marken. Die Produktionskosten sind in deutschen Werken tatsächlich wesentlich höher. Gleichzeitig profitiert Škoda von der hochwertigen Technologie von VW.
Škoda Modelle können im Preis-Leistungsverhältnis so relativ leicht besser als andere VW-Marken abschneiden, lauteten die Vorwürfe. Škoda-CEO Klaus Zellmer gesteht ein, dass Škoda von den Skaleneffekten des Mutterkonzerns profitiert. Man konzentriere sich jedoch auf die Konkurrenz außerhalb des Konzerns.
Škoda schreibt sich selbst clevere Lösungen zu. Ein Škoda-Händler hebt im Gespräch mit campus a die Details hervor: „Ein Eiskratzer beim Tankdeckel oder eine Türverkleidung, in die ein Regenschirm passt. Škoda bietet schlaue Lösungen für alltägliche Probleme“.
Am Lenkrad der neuen Modelle geht Škoda auch anders mit dem traditionellen Markenzeichen, einem grünen gefügelten Pfeil, um. Nachdem die Designer ihn schon 2022 vereinfacht und an die internationale Formensprache angepasst haben, setzt Škoda nun auf den ausgeschriebenen Markennamen, der noch moderner und internationaler wirken soll. Zudem vereinfacht der Schriftzug die Gestaltung, reduziert Kosten und passt besser in digitale Cockpits. Die Botschaft ist klar: Škoda ist raus aus der tschechischen Nische, hat sich von VW emanzipieret und ist mit allen vier Rädern am Boden weltweit unterwegs in die Zukunft des Autos.
Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.