Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
WirtschaftÖsterreichFakten

Matcha: Ein Boom, made by TikTok, verändert die Welt des Tees

Matcha Tee boomt dank der sozialen Medien. Zwei Tee-Experten über den grünen Irrsinn und dessen Schattenseiten.
Klara Lamplmayr  •  7. Januar 2026 Volontärin    Sterne  60
Der Hype um den Matcha Tee ist ungebrochen. (Foto: Foto: pexels)
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

“Iced Matcha-Latte, zu spät beim Pilates.” Mit diesen Zeilen aus einem ihrer bekanntesten Lieder zeigt die Rapperin Shirin David, wie der grüne Tee Teil der Musikkultur ist. Das Gebräu steht heute für einen Lifestyle, der von den sozialen Medien, der Kaffeekultur und Popmusik geprägt ist. Der Matcha Latte ist ein Muss auf der Karte eines jeden hippen Cafés. Kaum eine andere Teesorte hat in so kurzer Zeit einen vergleichbaren Hype erlebt. Matcha ist zum Statussymbol für junge Menschen geworden. Seine Ursprünge geraten dabei in den Hintergrund. Woher stammt der Matcha Tee? Wie entsteht er? Was steckt hinter dem Hype?Was bedeutet das für die Teebranche? campus a hat zwei Tee-Experten gefragt.

Konsequenter Kurs mit Qualität

Einer davon ist Tammo de Buhr. Er ist seit 2012 Mitgesellschafter der Hamburger Teehandel GmbH, kurz HTH. Das Unternehmen wurde 1989 in Hamburg gegründet. Es gehört mehrheitlich der Familie Wulf. Zu Beginn bestand das Unternehmen aus vier Mitarbeitern, wie Tammo de Buhr erklärt. HTH habe sich zusammen mit Kunden über die Jahre weiterentwickelt. Heute beschäftigt HTH bis zu 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erzählt de Buhr. HTH führt rund 400 Teesorten im Sortiment. Im Vorjahr handelte und importierte das Hamburger Unternehmen eine Gesamtmenge von geschätzt 500 Tonnen Früchte- und Kräutertee. Das Credo von Tammo de Buhr lautet: “Die beste Qualität zum angemessenen Preis.”

Ursprünge und Herstellung

“Matcha ist kein Alltagsgetränk, sondern etwas Zeremonielles.” So beschreibt Nadja Huber-Ress vom Tee Atelier Tee am Eck in Salzburg den bekannten Matcha Tee. Ursprünglich kommt Matcha aus Japan. Es sei besser, seltener Matcha zu trinken, aber dafür auf gute Qualität zu setzen.

“Matcha ist ein fein gemahlener Grüntee und nichts anderes”, erklärt Tammo de Buhr. Es ist ein Pulver, das aus fein gemahlenen grünen Teeblättern besteht. Im Vergleich zu anderen Teesorten trinken die Konsumenten das Pulver mit. Das Matcha-Pulver kommt klassisch aus Japan, wird aber auch in China und Südkorea produziert. HTH importiert Matcha zurzeit nur aus Japan. Die Kunden konzentrieren sich laut de Buhr auf qualitativ hochwertige Matchas und die würden ausschließlich aus Japan kommen.

Die Herstellung beschreibt de Buhr so: “Die traditionelle Matcha-Herstellung erfolgte durch zwei große Mahlsteine, die rotierend übereinander laufen. Wegen der großen Nachfrage heutzutage ist diese Methode jedoch viel zu aufwendig und dauert zu lange. Heute gibt es dafür Geräte vergleichbar mit kleinen Zement-Mischern. In diesen sind kleine Kugeln, die gegen die Teeblätter schlagen und dadurch das Pulver herstellen.”

Der Trend

HTH hat die Menge an Matcha im Vorjahr im Vergleich zu 2024 laut de Buhr vervierfacht. Auch im Tee am Eck berichtet Nadja Huber-Ress von einer starken Zunahme an Matcha-Käufen. Die meisten trinken es als Matcha-Latte, das heißt als Aufguss mit heißer Milch. Andere nutzen es häufig zum Backen oder Kochen. “Vor ein paar Tagen hatte ich sogar einen Schokoriegel mit Matcha-Geschmack in der Hand. Es ist eher ungewöhnlich, eine Teesorte in so vielen Lebensmitteln wiederzufinden”, wie Tammo de Buhr berichtet. Matcha sei grundsätzlich kein neues Produkt. Diese Teesorte sei in Europa und den USA schon länger bekannt. Warum Matcha gerade jetzt einen solchen Aufschwung erlebt, dazu gebe es laut de Buhr mehrere Gründe. Einer beziehe sich auf die Verbreitung über die sozialen Medien. Viele Influencer würden speziell mit Matcha Produkten werben. Warum jedoch genau Matcha in den Vordergrund gestellt wurde, kann de Buhr auch nicht erklären.

Der Preis ist heiß

“Guter Matcha beginnt bei 20 Euro pro 30 Gramm.” Huber-Ress begründet diesen Preis mit der Qualität und der aufwändigen Herstellung des Tees. Um eine 30 Gramm Packung Matcha zu produzieren, brauche eine Steinmühle etwa eine Stunde, deshalb seien Matchas um nur fünf Euro keine gute Qualität. Außerdem betont die Tee-Expertin, wie wichtig es sei, Bio-Matcha zu kaufen. Wer Matcha konsumiert, trink das Pulver und somit Teile des Blattes mit, inklusive aller Stoffe, mit denen die Teepflanze in Berührung gekommen ist. Setzen Produzenten Pestizide ein, gelangen diese Rückstände direkt in die Tasse. Der Körper kann viele dieser Substanzen nicht abbauen. Sie reichern sich an und belasten die Nieren. Huber-Ress rät deshalb, nur qualitativ hochwertigen Matcha zu konsumieren.

 Tammo de Buhr nennt einen weiteren Grund für die hohen Matcha Tee-Preise: “Die Verfügbarkeit kann die Nachfrage nicht abdecken.” Die Nachfrage nach Matcha-Tee sei so hoch wie bei keinem anderen Tee zuvor. Japan hätte bestimmt die doppelte oder sogar dreifache Menge des Tees verkaufen können, jedoch könne das Land nicht so viel Tee produzieren. Das habe große Auswirkungen auf die Preise. Tammo de Buhr beschreibt es so: “Im Nachhinein gibt es nicht den einen Grund, warum die Matcha-Preise jetzt so explodieren.”

 Die hohe Nachfrage an Matcha hat einen direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit anderer Teesorten. Die meisten Teeplantagen und Fabriken würden, wie de Buhr berichtet, auf Matcha-Produktion umstellen. Die hohe Nachfrage sei für viele Teebauern äußerst attraktiv. Es gibt jedoch viel mehr Teesorten aus Japan als nur Matcha. Wenn die Mehrheit der Teebauern auf Matcha umstellt, gehen andere Teesorten verloren. De Buhr erlebt jetzt schon eine Vervierfachung der Preise für andere japanische Tees. “Die Verfügbarkeit von allen anderen Tees aus Japan wird zunehmend geringer.” Das bemerkt de Buhr auch bei den Tee-Bestellungen für das heurige Jahr 2026. Die Lieferanten von HTH berichten von immer mehr Teesorten, die nicht mehr verfügbar sind, da die Produzenten auf Matcha umgestellt haben.

Die Preise werden auch im nächsten Jahr allein für Matcha um 15 bis 25 Prozent steigen, schätzt de Buhr. Die ganze Entwicklung sei nicht gesund. “ Der Impact, den dieser Matcha-Boom auf den gesamten Markt hat, ist enorm. Ich bin jetzt schon fast 28 Jahre im Teehandel tätig und kann mich an keinen Trend erinnern, der einen so massiven Einfluss auf so viele unterschiedliche Länder und Produktionsländer hat.”

Die Tee-Tester

Das Unternehmen bildet übrigens eigene Tea-Taster aus. Tea-Taster probieren verschiedene Teesorten und entscheiden schlussendlich, welche Sorten in das Sortiment aufgenommen werden sollen. Die Ausbildung erfolgt durch Senior-Tea-Taster, die beim Bewerten der Tees und beim Verstehen der Geschmackssensorik helfen.

Das sei laut de Buhr jedoch eine Fähigkeit, die über das ständige Probieren über Jahre hinweg entstehe. Das Tea Tasting selbst findet in Hamburg statt, da in Japan und China die Luftfeuchtigkeit und Temperatur eine ganz andere ist als in Europa und das alles einen großen Einfluss auf den Geschmack hat.

Das Ressort Wirtschaft ist ermöglicht mit freundlicher Unterstützung durch SPAR Österreich.
SPAR Österreich

campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement