EDer Vorwurf gegenüber jungen Generationen ist kein neues Phänomen. Bereits vor mehr als 2.400 Jahren kritisierte der Philosoph Sokrates den vermeintlichen Werteverfall der Jugend. Auch in späteren Jahrhunderten nahmen die Alten die Jungen als weniger leistungsbereit wahr. Es handelt es sich offenbar um ein wiederkehrendes gesellschaftliches Muster, das unabhängig von Zeit, wirtschaftlicher Lage oder Generation auftritt. Die aktuelle Diskussion um die Generation Z reiht sich somit in eine lange Tradition ein.
Eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2023 widerspricht der pauschalen Zuschreibung deutlich. Die Generation Z sei weder faul noch arbeitsunwillig, sondern stelle andere Erwartungen an Arbeit und Arbeitgeber:innen. Flexibilität, Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, faire Behandlung sowie klare Strukturen würden stärker gewichtet als Status oder Gehalt.
Zahlreiche nationale und internationale Erhebungen belegen, dass junge Menschen grundsätzlich arbeiten wollen. Klassische Karrierebilder verlieren jedoch an Bedeutung, während Lebensqualität, mentale Gesundheit und Selbstbestimmung an Stellenwert gewinnen. Arbeit soll in das Leben passen, nicht das Leben in die Arbeit.
Wie sich diese Entwicklungen im Alltag zeigen, beschreibt Ines, 21 Jahre alt. Sie maturierte 2024 und ging unmittelbar danach arbeiten, um Geld zu verdienen und Berufserfahrung zu sammeln. Obwohl ihr der Job keinen Spaß machte, blieb sie ein Jahr, um sich eine finanzielle Basis aufzubauen. Arbeit sei für sie immer wichtig gewesen, insbesondere mit dem Ziel, möglichst selbstständig und finanziell unabhängig zu sein.
Seit rund zwei Monaten ist Ines erneut aktiv auf Jobsuche. Sie bewirbt sich vor allem auf Stellen als Bürokauffrau im Bank- und Immobilienbereich. Mehr als 180 Bewerbungen habe sie bereits geschrieben, sagt sie. Die Rückmeldungen seien meist Absagen oder blieben ganz aus. Bewerbungsgespräche habe es dennoch gegeben, diese habe sie überwiegend positiv erlebt. Als größte Hürden nennt sie fehlende Berufserfahrung, ihr junges Alter und den Standort.
Arbeit nimmt im Leben von Ines einen hohen Stellenwert ein. Arbeiten zu wollen bedeute für sie, Motivation und Disziplin zu haben, um sich etwas aufzubauen. Ihre eigene Arbeitsmoral beschreibt sie als hoch. Sie sei bereit, viel zu leisten und Verantwortung zu übernehmen, jedoch nicht für den Mindestlohn oder in einem Job, der sie dauerhaft unglücklich macht.
Die häufige Aussage, ihre Generation sei faul, macht sie wütend. Eine solche Zuschreibung lasse sich nicht verallgemeinern, sagt sie. Auf sie treffe diese Aussage nicht zu. Von einem Job erwartet sie neben dem Gehalt vor allem berufliche und persönliche Entwicklung sowie Aufstiegsmöglichkeiten. Wichtig seien ihr außerdem Gleichberechtigung, Fairness sowie eingehaltene Arbeitszeiten und Pausen. Kurzfristige Arbeitsvertretungen während des Urlaubs lehnt sie bewusst ab. Sie räumt ein, dass diese Erwartungen ihre Jobsuche erschweren könnten.
Der Druck von außen sei dennoch spürbar. Ines hat das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, weil sie aktuell arbeitsuchend ist. Reaktionen aus Familie und Umfeld begegnet sie gelassen, zumindest versucht sie, sich davon nicht stressen zu lassen. Junge Menschen würden am Arbeitsmarkt oft nicht ernst genommen, hat sie festgestellt. Trotz Rückschlägen blickt sie positiv in ihre berufliche Zukunft. Motivation schöpft sie aus dem Wunsch nach Stabilität, finanzieller Unabhängigkeit und beruflicher Sicherheit.
Auch der Unternehmer Andre Stickler hält den Vorwurf der Faulheit für ein Missverständnis. Er leitet mit RAS in Österreich und ICAT in Rumänien Unternehmen im Bereich Software für Müll- und Mischfutteranlagen sowie Sanierungen von Hochregalsystemen. Die Generation Z habe andere Werte als frühere Generationen. Da sie in wirtschaftlicher Sicherheit aufgewachsen ist, hätten sich klassische Lebensziele wie Haus, Familie und ein lebenslanger Job verschoben.
Faul sei jedoch das falsche Wort, sagt Stickler. Vielmehr strebe die Generation Z nach mehr Lebensqualität. Mitarbeitende ließen sich heute nicht mehr ausschließlich durch Geld motivieren, sondern durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Aus unternehmerischer Perspektive gesehen, ließen sich diese Werte nicht mit allen Berufsbildern vereinbaren. Modelle wie die Vier-Tage-Woche seien nicht in jedem Bereich umsetzbar.
Für die österreichische Wirtschaft sieht Stickler dringenden Handlungsbedarf. Unternehmen, die an alten Arbeitsverhältnissen festhalten, würden junge Arbeitskräfte verlieren. Arbeitsplätze müssten flexibler und zeitgemäßer gestaltet werden, etwa durch mehr Selbstbestimmung bei Arbeitszeiten. Die Umsetzung sei jedoch schwierig, da viele Betriebe finanziell unter Druck stehen.
Der Fachkräftemangel sei zudem hausgemacht. Lehre und Handwerk seien in den vergangenen Jahrzehnten gesellschaftlich abgewertet worden. Zu viele junge Menschen würden studieren, während Lehrstellen unbesetzt bleiben. Die Verantwortung dafür sieht Stickler bei seiner eigenen Generation. Der Satz „unseren Kindern soll es mal besser gehen, sie sollen studieren gehen“ sei völliger Unsinn gewesen.
Die Generation Z führt Arbeit und Gesellschaft zu einem neuen Wandel. Studien und persönliche Einblicke zeigen: Sie sind durchaus bereit zu arbeiten – aber unter anderen Bedingungen als frühere Generationen. Der Vorwurf, sie seien faul, kann klar wiederleht werden. Diese Behauptung verschleiert nur, dass alte Arbeitsmodelle nicht immer zu neuen Werten passen.
Ob sich der Arbeitsmarkt anpassen kann, bleibt offen. Klar ist jedoch: Pauschale Urteile helfen weder jungen Arbeitssuchenden noch der Wirtschaft.
Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.