Die Stimmung ist aufgeheizt, das Stadion hält den Atem an. Zwei Teams stehen sich gegenüber, Helme tief im Gesicht, die Augen auf den Ball gerichtet. Der Quarterback geht in Position, Sekunden vor dem Startpfiff. Es ist der Moment, auf den alles hinausläuft. Wer gewinnt diesen Wettbewerb und holt sich den Super-Bowl-Pokal 2026?
Demnächst ist es wieder so weit. Das größte Sportevent der USA, vielleicht sogar der Welt, jährt sich zum sechzigsten Mal. Austragungsort ist heuer das Levi’s Stadion in Santa Clara nahe San Francisco. Im Finale kommt es zum Prestige-Duell. Die New England Partiots treffen auf die Seattle Seahawks. Fast mehr als das Spiel selbst rückt in diesem Jahr das musikalische Rahmenprogramm des Super Bowls ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Auslöser ist ein öffentlicher Schlagabtausch. Der puerto-ricanische Superstar Bad Bunny wird die Half-Time-Show spielen. Gegen den Willen des US-Präsidenten Donald Trump. Trotz der Kritik vor allem aus dem MAGA-Viertel hält die NFL (National Football League) an ihrer Entscheidung fest.
Trumps überraschende Ankündigung, dem Event fernzubleiben, verleiht der Show zusätzliche politische Brisanz. Längst ist die musikalische Pause nicht mehr nur Unterhaltung, sondern zur Bühne für gesellschaftliche Debatten geworden.
Bad Bunny, mit vollem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio, ist einer der bekanntesten lateinamerikanischen Musiker der Welt. Der 31-jährige Künstler aus Puerto Rico war im vergangenen Jahr der am meisten gestreamte Sänger auf Spotify. Schon seit längerem kritisiert Bad Bunny öffentlich Präsident Trump und dessen Migrationspolitik. Er stellt sich gegen die Einwanderungsbehörde ICE und setzt sich für die lateinamerikanische Kultur ein. Sein Fokus liegt stark auf Gemeinschaft, Stolz und Zugehörigkeit, was in politischen Kontexten oft als Opposition gegenüber dominanten US-Narrativen wahrgenommen wird. Er hasst die USA nicht als Nation, sondern kritisiert politische Entscheidungen, setzt sich für Immigranten und Minderheiten ein. In der Musik-Zeitschrift Rolling Stones meint er:
„Meine Lieder handeln von Liebeskummer und sozialen Problemen, weil genau so bin ich, wie andere Menschen auch.“
Seine Welttournee startete er am 21. November 2025 in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik und wird mit seinem letzten Auftritt am 22.Juli in Brüssel enden. Im vergangenen Jahr sagte Bad Bunny jedoch kurzerhand alle Termine in den USA ab. Der Grund waren die vielen Razzien und Festnahmen der ICE-Behörde. In einem Interview mit dem britischen Medium i-D magazine erklärt er:
„Es gibt viele Gründe, warum ich nicht in die USA gekommen bin, aber keiner davon war Hass. Es gab einfach das Problem, dass ICE draußen vor meinen Konzerten wartete. Und das war etwas, worüber wir gesprochen haben und was uns Sorgen bereitet hat.“
Ende September präsentierte die NFL zusammen mit Apple Music ihr Statement. Bad Bunny übernimmt die musikalische Gestaltung der Half-Time-Show. Nur wenige Tage nach der Ankündigung meldete sich der Department of Homeland Security-Advisor Corey Lewandowski kritisch zu Wort. Es sei eine Schande jemanden bei der Super Bowl singen zu sehen, der Amerika hassen würde. Donald Trump kommentierte den Vorgang knapp und erklärte, er habe noch nie von Bad Bunny gehört.
Ein paar Tage nach der Ankündigung trat Bad Bunny in der amerikanischen Late-Night-Show Saturday Night Live auf. Während seiner Rede wechselte er ins Spanische und wandte sich an die lateinamerikanische Bevölkerung in den USA. Wer diesen Teil nicht verstanden habe, hätte jetzt noch vier Monate Zeit, Spanisch zu lernen, sagte er am Ende seines Auftritts. Denn die Super Bowl Half-Time-Show wird er, erstmals in der Geschichte des Events, komplett auf Spanisch gestalten. Kritik daran kommt von einer Trump Vertrauten Kristi Noem vom U.S. Secretary of Homeland Security. Sie kündigt an, es werde bei der Super Bowl von ICE-Agenten nur so wimmeln.
Vor knapp drei Wochen veröffentlicht Bad Bunny eine Video-Ankündigung für die Half-Time-Show. Sie zeigt ihn, wie er zusammen mit Menschen unterschiedlichen Alters, Nation und Geschlecht zu seinem Lied Baila inolvidable tanzt. Das Video wurde laut New York Times ausschließlich in Puerto Rico aufgenommen. Am Ende erscheint der Schriftzug „February 8 the world will dance“. Bad Bunny will durch diese Video-Ankündigung klar machen, sein Auftritt solle allen Menschen aus allen Ländern gerecht werden.
Seit einigen Tagen ist klar, die amerikanische Punk Band Green Days wird die diesjährige Eröffnungszeremonie der Super Bowl spielen. Obwohl diese Band aus den USA stammt, sind die MAGA-Anhänger ebenfalls nicht erfreut. Der Sänger Billie Joe Armstrong hatte bereits vor einiger Zeit den Text ihres bekanntesten Songs American Idiot in „I’m not part of the MAGA agenda“ geändert. Trump äußert sich so gegenüber Bad Bunny und Green Day:
„Ich bin gegen sie alle… Alles, was sie tun ist Hass zu sähen.“
In einem Interview vor ein paar Tagen ließ der amerikanische Präsident durchblicken, er werde nicht zur diesjährigen Super Bowl kommen. Trotz seinem Missfallen gegenüber Green Day und Bad Bunny habe sein Wegbleiben nichts mit den Sängern zu tun. Kalifornien sei für ihn einfach „zu weit weg“.
Zuletzt holte Bad Bunny mit seinem aktuellen Album seinen sechsten Grammy. Die Preisverleihung nutzte er wieder für eine politische Botschaft. ICE solle die USA verlassen, sagte er. Immigranten seien keine Tiere, sondern Menschen und Teil Amerikas. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Donald Trump kommentierte auf Truth Social, die Grammys seien das Schlimmste, was man sich antun könne.
Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.