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Doppelmayr und Leitner: Champions League des Seilbahnbaus

Lange galt Doppelmayr als unangefochtener Spitzenreiter im Seilbahnbau. Doch mit dem Südtiroler Hersteller Leitner steht dem österreichischen Branchenprimus ein starker Konkurrent gegenüber. Beide Unternehmen liefern sich ein enges Rennen um die Spitzenposition im weltweit hart umkämpften Markt des Seilbahnbaus.
Julia Ehrensberger  •  11. Februar 2026 Redakteurin    Sterne  604
Rotura (Neuseeland): Doppelmayr ist Weltmarktführer seiner Branche doch ein Südtiroler Herausforderer holt auf. (Foto: Shutterstock)
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Wer regelmäßig in den Alpen unterwegs ist, kommt an diesen beiden Namen nicht vorbei. In Skigebieten gehören sie fast schon zum Landschaftsbild. Auf einer Seite des Berghangs befördern die Gondeln von Doppelmayr Skifahrer auf den Gipfel, auf der anderen Seite schweben Leitner Gondeln dahin. Mittlerweile liefern sich die beiden Hersteller ihr Duell um die Weltmarktspitze überall dort, wo Seilbahnen unterwegs sind. Von den Alpen über Nordamerika bis nach Mexiko und Japan. Mit Doppelmayr hat Österreich einen Weltmarktführer in den eigenen Reihen, doch Leitner holt auf und liefert sich mit dem Branchenprimus ein Rennen um die globale Spitzenposition. Wie unterscheiden sich Doppelmayr und Leitner, und wer ist derzeit besser aufgestellt?

Sechzig Prozent Marktanteil

Doppelmayr hat sich in dem hochkompetitiven Marktumfeld mit einem Anteil von nahezu sechzig Prozent klar als weltweit führender Anbieter etabliert. Die Firma betreibt Produktionsstätten sowie Vertriebs- und Servicezentren in mehr als fünfzig Ländern und hat bislang mehr als 15.000 Seilbahnanlagen in 96 Nationen realisiert. 

Das 1893 gegründete Unternehmen mit Sitz in Wolfurt, Vorarlberg, produziert Seilbahnen, Erlebnisbahnen für Abenteuerparks, Schwebebahnen in Las Vegas, Treppenlifte und Parkhaussysteme. Zudem liefert es die sogenannten Cable Liner, vollautomatische, seilgezogene Transportsysteme, die in Flughäfen wie London große Passagierströme befördern.

Seit 2019 steht der Italiener Thomas Pichler gemeinsam mit István Szalai an der Spitze des Traditionsunternehmens. Pichler ist dabei eine besondere Personalie: Er ist der erste Geschäftsführer in der Geschichte Doppelmayrs, der nicht aus der Gründerfamilie stammt. „Um in unserer Branche am Puls der Zeit zu sein, muss man sehr nahe am Kunden sein und das Ohr am Markt zu haben. Wir versuchen, Trends schon früh zu erkennen, um einen Schritt voraus zu sein. Deshalb sind wir auch in einem sehr engen Dialog mit den Kunden,“ sagte Thomas Pichler im Interview mit dem Magazin Thema Vorarlberg. Einen Schritt voraus war Doppelmayr schon immer. Ende der 1930er-Jahre war die Erschließung von Berghängen für Wintersport und Tourismus ein völlig neues und wirtschaftlich riskantes Unterfangen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Skispringer Sepp Bildstein wagte Emil Doppelmayr dennoch den Bau des ersten Skilifts in Österreich und konnte sich so einen Nischenmarkt sichern.

Doppelmayr knackte erstmals die Umsatzmilliarde 

Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte der Weltmarktführer 1,197 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 13,19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem Doppelmayr zum ersten Mal die Umsatzmilliarde geknackt hat. Sechzig Prozent des Umsatzes entfallen auf den Bergtourismus, zwanzig Prozent auf den urbanen Bereich und weitere zwanzig Prozent auf Sehenswürdigkeiten.

Von den insgesamt 3.781 Beschäftigten arbeiten 1.776 in Österreich, der Rest verteilt sich auf internationale Standorte wie der Schweiz, USA, Italien und Kanada. Mit seinen sechs Tochterfirmen wächst Doppelmayr heute vor allem durch Großprojekte in Europa, Amerika und Asien. „Die Doppelmayr Gruppe hat im Geschäftsjahr 2024/25 mit einem starken, weltweit vernetzten Team und zahlreichen Großprojekten die internationale Marktpräsenz gestärkt. Der erzielte Jahresumsatz von 1.197 Millionen Euro ist ein klares Zeichen für unsere Leistungsfähigkeit und eine solide Basis für künftiges Wachstum und Investitionen,“ so Michael Köb, CFO von Doppelmayr in einem Statement des Geschäftsberichts.

Starker internationaler Markt

Nur ein kleiner Teil des Geschäfts entfällt auf den heimischen Markt. Die Kernregionen im klassischen Wintersektor bleiben der Alpenraum sowie Nordamerika. Laut Geschäftsbericht 2024/25 lag der Umsatzanteil in den Regionen USA/Kanada und Schweiz/Frankreich/Italien jeweils bei 24 Prozent, Österreich kam auf 16 Prozent.

Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit das Geschäft in Asien, wo Seilbahnen zunehmend als Teil des Ganzjahrestourismus gefragt sind. In Mexiko-Stadt eröffnete Doppelmayr 2024 die Cablebús Línea 3, eine Seilbahn, die hoch über den Dächern von Mexiko die Stadtteile Los Pinos und Vasco de Quiroga verbindet und den berühmten Chapultepec-Wald quert. Außerdem laufen Projekte in Kolumbien, Peru und Chile. 2019 stellte Doppelmayr in La Paz, Bolivien, das weltweit größte städtische Seilbahnnetz fertig. Hunderte Gondeln schweben hoch über der Stadt, verbinden die steilen Berghänge der Anden miteinander und bieten Bolivianern schnelle Wege durch die sonst schwer zugänglichen Viertel. 

Ein Höhepunkt des Geschäftsjahres 2024/25 war die Eröffnung der ersten Anlagen des Schilthornbahn-Projekts in der Schweiz: Die neue Pendelbahn von Stechelberg nach Mürren gilt mit einer maximalen Steigung von 159,4 Prozent als steilste Pendelbahn der Welt. Ebenso beeindruckend ist die EibergBahn in Scheffau, die mit einer Förderleistung von 4.570 Personen pro Stunde die leistungsstärkste kuppelbare 8er-Sesselbahn weltweit ist.

Doppelmayr sorgt mit außergewöhnlichen Sonderanfertigungen wie eine Gondel mit acht individuellen Whirlpools für einen japanischen Kunden für Aufmerksamkeit. Der Hogwarts Express im Universal Orlando Resort, einer Themenbahn, die wie der berühmte Zug aus den Harry Potter Filmen gestaltet ist, befördert Besucher mithilfe der Doppelmayr Seilbahntechnik in nur vier Minuten durch den Abenteuerpark.

KI-betriebene Seilbahnen

Mit den Systemen Auro CLD und Auro Assist hat Doppelmayr den Weg für autonom betriebene Seilbahnen geebnet. Diese KI-gestützten Programme ermöglichen Sesselbahnen ohne Personal in der Bergstation. Sensoren, Kameras und KI wachen dabei über den Betrieb und greifen bei Bedarf automatisch ein. Auro Assist analysiert mithilfe von KI das Einstiegsverhalten der Fahrgäste und stellt sicher, dass nur korrekt besetzte Sessel auf die Strecke gehen. Nach intensiven Tests soll Auro Assist ab der Wintersaison 2025/26 erstmals zum Einsatz kommen.

Leitner als starker Konkurrent

Während Doppelmayr traditionell als Weltmarktführer gilt, hat sich der Hersteller Leitner mit einem Marktanteil von geschätzten dreißig Prozent in den vergangenen Jahren als dynamischer Herausforderer etabliert. Die Leitner AG/SpA mit Hauptsitz in Sterzing (Vipiteno), Südtirol, ist Teil der italienischen High Technology Industries (HTI)-Gruppe. Unter dem Dach der HTI vereinen sich mehrere Marken, darunter Seilbahnen (Leitner, Poma, Bartholet, Agudio) über Pisten- und Kettenfahrzeuge (Prinoth, Jarraff), Beschneiungs- und Staubbekämpfungssysteme (Demaclenko, WLp) bis hin zu erneuerbarer Energie (Leitwind, Wasserkraftspezialist Troyer) und digitalem Skigebietsmanagement (Skadii). 

Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die HTI-Gruppe mit 84 Tochtergesellschaften, sowie 144 Verkaufs- und Servicestellen 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Der liegt leicht unter dem Rekordwert von 2023, der bei knapp 1,5 Milliarden Euro lag. Die langjährige Wachstumskurve zeigt steil nach oben.

7.500 Anlagen in mehr als fünfzig Ländern

An 21 Standorten beschäftigt die HTI-Gruppe mehr als 4.832 Mitarbeiter. Etwa sechzig Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet die Firma mit dem Seilbahnbau, rund dreißig Prozent entfällt auf Pistenfahrzeugen. Den größten Teil seines Umsatzes erzielt Leitner dabei außerhalb von Österreich. Mit über 7.500 installierten Anlagen in mehr als fünfzig Ländern (Stand 2024) zählt Leitner heute zu den größten Anbietern weltweit und bildet gemeinsam mit Doppelmayr ein Duopol im Seilbahnmarkt.

Maurizio Todesco, Unternehmenssprecher von Leitner sagt gegenüber campus a:„Der Alpenraum bleibt sicherlich auch in den kommenden Jahren der wichtigste Markt, aber es gibt auch bedeutende Projekte etwa in Skandinavien, auf dem Balkan oder in den Pyrenäen.“ Leitner zähle laut Todesco zu den weltweit führenden Seilbahnherstellern und verfolgt langfristig das Ziel diese Position weiter auszubauen und seine Rolle als technologischer Innovationstreiber zu festigen. „Leitner setzt auf prestigeträchtige Projekte im touristischen Wintersportregionen aber auch im urbanen Umfeld, welche weltweit umgesetzt werden,“ so Todesco.

Das Unternehmen selbst unterhält neben dem Stammsitz in Südtirol mehrere Standorte, darunter in Telfs (Österreich), Montmélian (Frankreich), Stará Ľubovňa/Poprad (Slowakei), Gardermoen (Norwegen) und Grand Junction (USA). Leitner produziert dabei unterschiedlichste Systeme: von Sesselliften mit fester oder kuppelbarer Klemme über Ein-, Zwei- und Dreiseil-Gondelbahnen, Pendelbahnen und Standseilbahnen bis zu Schrägaufzügen. 

Längste urbane Seilbahn in Mexiko

1888 gründete Gabriel Leitner in Sterzing, Südtirol, eine Werkstatt für Landmaschinen, Materialseilbahnen und Wasserturbinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Seilbahnsysteme für den Personentransport hinzu, in den 1970er-Jahren stellte Leitner Landmaschinen auf Pistenfahrzeuge um. Einen entscheidenden Entwicklungsschub brachte 1993 der Einstieg des familienexternen Bauunternehmers Michael Seeber, der eine Zweidrittelmehrheit übernahm, Zukäufe tätigte (darunter 2000 der französische Seilbahnhersteller Poma und Prinoth) und neue Geschäftsfelder wie das Windkraftunternehmen Leitwind erschloss. Seit 2016 führt sein Sohn Anton Seeber die HTI-Gruppe. „In den letzten Jahrzehnten konnten wir neue Geschäftsfelder erschließen und auch in Zukunftstechnologien einsteigen. Das ist enorm wichtig, wenn wir die Zukunft meistern und den Bestand des Unternehmens bestmöglich sicherstellen wollen,“ so Anton Seeber im Interview mit der Krone

Zu den jüngsten Projekten von Leitner zählt der „Matterhorn Glacier Ride II“, eine hochmoderne 3S-Seilbahn, die seit 2023 das Klein Matterhorn mit der Testa Grigia verbindet und dabei den Theodulgletscher stützenlos überquert und somit die höchste Seilbahnüberquerung der Alpen ermöglicht. Auch in Lateinamerika realisierte Leitner jüngst ein beeindruckendes Projekt: Mit der „Cablebús 2“ in Mexiko-Stadt entstand 2021 die mit 10,6 Kilometern längste urbane Seilbahnlinie des Kontinents, die täglich bis zu 100.000 Fahrgäste effizient befördert.

Konkurrenz durch China

Sebastian Kummer, Leiter des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien sieht den Wettbewerb zwischen Doppelmayr und Leitner positiv, da es nichts wettbewerbsintensiveres als ein starkes, „feindliches“ Duopol gäbe: „Aus volkswirtschaftlicher Sicht sehe ich es extrem förderlich, dass wir in Österreich oder auch Südtirol Unternehmen haben, die ganz klar weltmarktführend sind und auch die entsprechende Größe haben, um Weltmärkte zu bedienen,“ so Kummer.

International herrsche ein starker Wettbewerb, denn die Zahl der Anbieter in der Seilbahnbranche ist groß. In Europa und auf dem Weltmarkt dominieren jedoch Doppelmayr und Leitner. Beide Unternehmen verfügen über die nötigen Ressourcen, um Innovationen voranzutreiben, und gelten als besonders forschungs- und entwicklungsstark, erklärt Kummer.

Zudem sei die Qualität und das Vertrauen in Skilifte und deren Technik für Kunden enorm wichtig. „Chinesische Produkte mögen verlässlich sein“, sagt Kummer, „aber ich glaube, jeder sitzt doch lieber in einer österreichischen, Schweizer oder Südtiroler Gondel.“

Die entscheidende Frage sei nun, wie es weitergeht: „Europäische Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, vor allem durch internationale Konkurrenz, allen voran durch chinesische Hersteller. Für Österreich und Europa wäre es zweifellos von Vorteil, wenn heimische Betriebe dieser Herausforderung standhalten könnten,“ betont Kummer. Doch ob sich Doppelmayr und Leitner langfristig gegen die Chinesen durchsetzen können, bleibe noch offen.

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