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Blaues Radio: „Austria First“ im Hörtest

Seit 17. Jänner ist ein neues FPÖ-Radio on Air. campus a hat mehrere Stunden lang zugehört.
Anna Memelauer  •  14. Februar 2026 Volontärin    Sterne  24
Neues Mitglied im freiheitlichen Mediennetzwerk: Das Studio von Austria First beim FPÖ-Neujahrstreffen in Klagenfurt am 17. Jänner. (Foto: APA-Images / APA / WOLFGANG JANNACH)
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Stark und vereint für unser Land. Wir stehen fest an deiner Seite. Verbunden durch das blaue Band: Der aktuell vieldiskutierte Hit Immer vorwärts FPÖ mit diesen Textzeilen läuft inzwischen auch im neuen blauen Radio Austria First, das Hörer seit Mitte Jänner über die eigene Website und die zugehörige App verfolgen können. Mit Projekten wie diesem baut die FPÖ ihr mediales Angebot in Abgrenzung zu den unabhängigen Medien aus, in dem sie abseits journalistischer Grundsätze ihre politische Linie verbreiten kann. 

Die Hörer zeigen sich begeistert. „Endlich eine ECHTE Alternative“, postet einer von ihnen. „Echtes Radio für echte Patrioten, ohne Fake News!“ Was läuft außer der John Otti Band und ihrem blauen Schlager sowie aktuell ein Interview mit Herbert Kickl auf dem Sender sonst noch? Wir haben hineingehört.

Hauptsächlich englischsprachiges Musikprogramm

Auffällig ist die Sprache der auf dem Sender gespielten Lieder. Deutsch ist die Ausnahme. Die Playlist bestand im mehrstündigen campus a-Hörtest aus englischsprachigen Titeln, mit wenigen Ausnahme wie dem Italo-Hit Se Bastasse Una Canzone von Eros Ramazzotti. An diesem Donnerstagabend spielt „Österreichs Patriotenradio“, so die Selbstbeschreibung, Klassiker der vergangenen Jahrzehnte wie den Reggae-Pop-HitSweat (A La La La La Long) der Band Inner Circle und Lush Life der schwedischen Popsängerin Zara Larsson. Das Musikprogramm ähnelt damit jenem von Ö3 oder Kronehit

Warum so wenig Deutsch ausgerechnet im „Patriotenradio“? Das hat einen einfachen Grund. Mehrere Künstler wie Christina Stürmer oder die deutsche Band Alphaville, bekannt durch ihren Hit Big in Japan, verweigern die Wiedergabe ihrer Werke auf Austria First

Zwischen den „echten Hits für echte Österreicher“

Länger unterbrochen ist das Musikprogramm des Senders selten. Zwischen zwei Liedern läuft meist nur ein kurzer Jingle. Dabei tönt jeweils „Austria First“, abwechselnd mit den Sublines „Österreichs Patriotenradio“, „Mein Land, mein Radio“ und „Volksnah, direkt, unzensiert“ aus dem Lautsprecher. 

Außerdem sendet das Radio regelmäßig Beiträge zur „NGO-Aufdeckungskampagne“ der FPÖ. In der Rubrik „NGO des Tages“ kritisieren die Moderatoren jeweils eine Nichtregierungsorganisation und ihren Umgang mit öffentlichen Fördergeldern. So erfuhren wir, dass die NGO SONNE International nach Ansicht der FPÖ Gelder der Bundessportförderung für Projekte im Ausland ausgegeben haben soll. Was angesichts ihres Tätigkeitsfeldes wenig überrascht, wie eine kurze Nachschau ergibt. SONNE International-Chef Erfried Malle bekämpft mit innovativen Bildungsprojekten Armut und Hunger in fünf Ländern Afrikas und Asiens.

In den Pausen des Musikprogramms sind zudem immer wieder lobende O-Töne parteinaher Menschen zu hören. So etwa meint der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Martin Graf, nur hier gäbe es Nachrichten, „die man sonst nirgends anders hört“. Alfred Royer, ebenfalls FPÖ-Nationalratsabgeordneter, freut sich über ein „vernünftiges Radio“ für die Steiermark. „Echte Nachrichten statt linker Meinungsmache“ und „Echte Hits für echte Österreicher gibt’s nur hier“ verkündete die Stimme von Parteichef Herbert Kickl selbst. 

Apropos Nachrichten. Die laufen auf Austria First drei Mal täglich, um 7, 12 sowie 17 Uhr. Dazu kommen regelmäßige Interviews mit parteinahen Persönlichkeiten, etwa der deutschen AfD-Landtagsabgeordneten Anna Nguyen. Sowohl die samstags erscheinende „Blaue Abrechnung“ als auch die „Aktuelle Europastunde“ am Sonntag gehören zu den fixen Programmpunkten. Die Beiträge sind auf der Website auch nachträglich abrufbar. 

Parteinahe Werbeeinschaltungen

Beim Hören fallen die wenigen Unterbrechungen durch klassische Werbeeinschaltungen auf. Es gibt wenige, abgesehen von Hinweisen in eigener Sache, wie etwa auf den von der FPÖ organisierten Akademikerball am 20. Februar. Oder auf einen Vortrags- und Diskussionsabend am Tag davor im Wiener Hotel Marriott. Dort sollen einige namhafte Persönlichkeiten auftreten, darunter der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Hafenecker und die niederländische rechte Aktivistin und ehemalige Politikerin Eva Vlaardingerbroek. 

Auch das neue Buch des Autors und Programmchefs von Austria First, Werner Reichel bewirbt der Sender. Erhältlich sei es bei allen „nicht-linken“ Buchhändlern. Klassische Werbeschaltungen wie bei anderen Radiosendern, etwa für Supermärkte oder Möbelketten, gibt es nicht.

Team hinter dem Sender

Die Website des Radios nennt aktuell 13 Moderatoren. Unter ihnen befinden sich einige bekannte Gesichter von FPÖ-TV, eines weiteren Online-Mediums der Partei. Althea Diamante und die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Lisa Schuch-Gubik sind nun in beiden Formaten vertreten. Das verbleibende Moderationsteam besteht hauptsächlich aus blauen Abgeordneten oder anderen Parteifunktionären. Mehrere Moderatoren waren oder sind auch beim oberösterreichischen TV-Anbieter RTV tätig, was mit personellen und strukturellen Verbindungen zwischen den beiden Sendern zu tun haben könnte. Die Macher des Senders standen oder stehen der FPÖ politisch nahe, zugleich erhielt RTV in der Vergangenheit öffentliche Förderungen aus FPÖ-geführten Ressorts im Land Oberösterreich. Medienbeobachter sprechen von einem politisch wohlwollenden Verhältnis, das sich in Themenwahl, Tonalität und Berichterstattung widerspiegelt.

Fazit aus dem Hörtest

Mit Austria First baut Parteichef Herbert Kickl ein weiteres FPÖ-eigenes Medienformat auf. Er hat als erster die Möglichkeiten erkannt und genutzt, seine politische Stimme mit eigenen, journalistisch seriös auftretenden Kanälen zu erheben, so wie es auch Donald Trump in den USA erfolgreich tut. 

Die anderen Parteien mögen zu Recht von Propagandamedien und deren verzerrter Realität sprechen, gleichzeitig bemühen auch sie sich im Hintergrund, ihre eigenen Kanäle zu etablieren. Doch in Sachen Tempo und Professionalität der Kommunikationsabteilungen setzt hier eindeutig die FPÖ derzeit den Maßstab in der österreichischen Parteienlandschaft.


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