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The Australian Dream: eine neue Illusion?

Der American Dream ist vorbei. Jetzt kommt der Australian Dream. Ein Traum von Freiheit, Work-Life-Balance und Unabhängigkeit. Doch ist auch dieser Traum nur eine Illusion?
Lillian Schabus  •  18. Februar 2026 Volontärin    Sterne  116
Der „Australian Dream“ sorgt jährlich bei rund 8 Millionen Touristen für Faszination. (Foto: Shutterstock)
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„Forget the American Dream. Welcome to the Australian Dream“, lautet der Schriftzug. Im Hintergrund erscheinen Szenen von weißen Sandstränden, tanzenden Menschen, Frühstücken am Strand und Barbecues bei orangem Sonnenuntergang. Dazu das Lied „Down Under“ von „Men At Work“ und eine Liste von Vorteilen des australischen Lebens.

Reels dieser Art verbreiten sich derzeit auf Instagram. Sie zeigen eine Verschiebung der gesellschaftlichen Prioritäten. Menschen wenden sich bewusst von Ansehen, Geld und Reichtum ab. Hin zu einem glücklichen, freien, unbeschwerten Leben, dem auf Instagram betitelten „Australian Dream.“ Dabei war die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes eine andere.

Die ursprüngliche Bedeutung

Ursprünglich stammt die Bezeichnung „Australian Dream“ aus den 1950er Jahren und handelt von dem angeblichen Lebenstraum eines jeden Australiers: Von dem Besitz eines eigenen Hauses. Ein Wunsch, der bis heute für viele Australier, vor allem für die junge Generation, schwer erfüllbar ist. 

Der Spitzenreiter der teuersten australischen Städte ist Sydney. Dicht gefolgt von Canberra und Melbourne, wo die durchschnittliche Monatsmiete einer Einzimmerwohnung mit zentraler Lage rund 2000 Euro beträgt. Die Preise für ein Eigenheim außerhalb der Stadt variieren je nach Lage, bleiben jedoch meist über 300.000 Euro. Das Ende des australischen Traumes? Nicht wenn es nach dem „No-Worries“-Mindset der Australier geht. Anstatt dem Traum des eigenen Hauses nachzutrauern, erschaffen sie einen neuen „Australian Dream“, der schon früh morgens außerhalb der eigenen vier Wände beginnt.  

Ein Leben outside

Wer in Australien den Sonnenaufgang allein erleben will, wird enttäuscht. Denn ein Großteil der Australier verlässt bereits um 5 Uhr morgens das Bett. Für eine kurze Surf-Einheit, eine Abkühlung im Meer oder einem Morgenlauf. Nicht umsonst finden täglich, noch vor Sonnenaufgang, sogenannte Community-Runs statt. Egal ob in der Stadt oder am Strand. Durch die Gemeinschaft und die gegenseitige Motivation ist der innere Schweinehund noch vor dem ersten Sonnenstrahl besiegt.

Danach gibt es Frühstück am Strand, zuhause oder in einem der unzähligen Cafés, die zwischen sechs und sieben Uhr öffnen. Meist beginnt die Arbeit, genauso wie die Schule, um neun Uhr und endet um fünf Uhr nachmittags. Anschließend geht es zurück an den Strand, in die Stadt oder den Park zum Sport betreiben, Leute treffen, Picknicken oder Lernen. Erst bei hereinbrechender Dunkelheit verabschieden sich die Australier voneinander und kehren in ihre Wohnmobile, WGs, Eigenwohnungen oder Häuser zurück. Ein Lifestyle, der nicht nur aufgrund der klimatischen Bedingungen, sondern auch dank der öffentlichen Gratisangebote möglich ist. 

Die australische Gratiskultur

Kostenlose Toiletten und Duschen? In Australien völlig normal. Sie stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung und sind meist sauberer als die kostenpflichtigen Anlagen in Europa. Eine leere Trinkflasche? Kein Problem. Öffentliche Trinkbrunnen versorgen Durstige mit kühlem Wasser. Auch in Cafés und Restaurants ist das Auffüllen der leeren Flasche oder die Bitte nach einem Glas Wasser gratis. Alle Strände Australiens sind frei zugänglich. Genauso wie öffentliche Parks, Sportanlagen, Outdoor-Gyms und Spielplätze. Öffentliche, meist am Meer liegende Freibäder ermöglichen eine Abkühlung und bieten Sicherheit bei starkem Wellengang. Gratiskonzerte und Festivals sorgen für eine ausgelassene Stimmung bei den tanzenden, singenden, barfüßigen Menschen. Wer an lauen Sommerabenden den Grill anheizen will, dem stehen die Barbecue-Anlagen am Strand, in Parks oder in den Städten zur Verfügung. Es gibt nur eine Regel: Nutze das Angebot und hinterlasse es sauber. Eine Regel, an die sich alle halten. Sodass ein harmonisches Leben außerhalb der mehr oder weniger luxuriösen vier Wänden möglich ist. 

Kein geplatzter Traum

„Die Australier wollen nicht länger Sklaven ihrer Hauskredite sein“, fasst das Magazin Time Out den Wandel des Australischen Traums zusammen. Anstatt einem schwer erreichbaren Traum hinterherzulaufen, schlagen die Australier eine neue Richtung ein. Der Rückzugsort liegt nicht hinter der eigenen Haustür, sondern im öffentlichen Raum. Statt Mauern zu errichten, öffnen sie Türen für die Gemeinschaft. Aus einem verblassenden Traum formt sich etwas Neues. Ein neues Lebensgefühl. Ein Gefühl von Aufgeschlossenheit, Freiheit, Leichtigkeit und Zusammengehörigkeit. Ein Gefühl, das auch bei den rund 8 Millionen jährlichen Besuchern für Faszination sorgt. 

Ein Leben Down-Under

„Vom Tellerwäscher zum Millionär.“ Ein Spruch, der als Inbegriff für den American Dream gilt. Seine Botschaft: Wenn du hart genug arbeitest, kannst du alles erreichen. „Alles“ bezieht sich auf Ansehen, Geld und Reichtum. Der Tellerwäsche soll mit starrem Blick, zusammengekniffenen Augen und zusammengebissenen Zähnen sein Ziel verfolgen. Kein Blick nach links, nach rechts oder auf die eigenen Bedürfnisse. So lange bis das Endziel erreicht ist. Geld. Das wahre Glück im Leben? Ein zum Scheitern verurteilter Traum, der nicht nur in den Köpfen der Amerikaner existiert. Sondern auch in unserer, stets nach mehr strebenden Gesellschaft, die nur eines benötigt. Einen 24-Stunden Flug ans andere Ende der Welt. Auf einen Kontinent, wo der Fokus nicht auf dem Werden, sondern dem Sein liegt. Nicht auf dem Mehr, sondern dem Weniger. Nicht auf dem Haben, sondern dem Geben. Wo Reichtum nicht an Geld, sondern den unzähligen kleinen Momenten und Begegnungen gemessen wird. Wo das Ziel des Tellerwäschers nicht Reichtum, sondern Zufriedenheit ist. 

Der „Australian Dream“ ist keine Illusion. Er ist ein Lebensstil, eine Entscheidung, die nicht zwingend mit Australien zusammenhängt. Sondern mit der eigenen Lebenseinstellung und dem Vertrauen, dass sich auf diesem Weg alles Weitere von selbst fügt. „No worries.“ 


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