Mitten in der Währinger Straße, umgeben von Buchhandlungen und altehrwürdigen Universitätsgebäuden, gibt es seit Oktober 2025 ein neues Café mit dem Namen Catch Coffee. Das kleine Geschäft mit eleganter skandinavischer Inneneinrichtung wirbt mit dem Schild „The best coffee is the one you like“. Trotz Regen herrscht Betrieb. Studenten bekommen hier schnellen, guten Kaffee oder bunte Signature-Matcha-Kombinationen. Dazu gibt es selbstgebackene vegane Croissants und Bananenbrot. Selbstbewusst arbeitet die Eigentümerin hinter der glänzenden Kaffeemaschine und reicht den Kunden und Kundinnen Pappbecher mit frischem Kaffee. Das Logo auf den Bechern ist eine Hand, die eine Kaffeetasse hält, aus der ein schwarzes Herz aufsteigt.
Der Moment, in dem sie den Vertrag unterschrieb, war jener, in dem der frischgebackenen Eigentümerin Lilli klar wurde, dass die Verantwortung nun Realität ist. Mit nur 19 Jahren ist sie verantwortlich für den Erfolg oder das Scheitern ihres neuen Betriebs. Seitdem holen sie immer wieder Zweifel ein. „Ich habe hier finanziell sehr viel reingesteckt. Alleine die Kaffeemaschine hat einen Wert von circa 30.000 Euro.“
Kaffeemaschine mit Catch Coffee Bechern und Tassen (Foto: Katarina Novcic)
Lilli gibt zu, als Perfektionistin schon früh hart gearbeitet zu haben. Auch im Angestelltenverhältnis als Kellnerin habe sie immer alles gegeben. „Ich habe gemerkt, dass ich viel zu hart arbeite, um weiter nur angestellt zu sein.“ Ihr Freund habe ihr daraufhin geraten, es mit der Selbständigkeit zu versuchen.
Lilli erzählt, wie oft Studenten in ihr Café kommen und sich darüber unterhalten, wie traumhaft es wäre, selbst einmal Eigentümer eines Geschäfts zu sein. Sie findet diesen Wunsch schön, denke sich aber auch „Wenn ihr wüsstet, was alles dazugehört“.
„Das Café war ein spontaner Einfall, eigentlich wäre ein Südamerika-Urlaub geplant gewesen, stattdessen bin ich jetzt Unternehmerin“, sagt Lilli.
Lilli lacht hinter der Theke ihres Cafés (Foto: Katarina Novcic)
Die 19-Jährige fand ihr Traumlokal auf dem Online Marktplatz Willhaben, komplett mit Inneneinrichtung, Namen und Logo. Viel habe zur schnellen Eröffnung nicht gefehlt. „Das Menü und den Kaffeelieferanten habe ich über längere Zeit optimiert, um es finanziell profitabel zu machen.“
Alles habe sie sich selbst angeeignet. Barista-Skills, Buchhaltung, Finanzen und Behördengänge. Immer wieder stehe plötzlich ein Mann in Uniform im Café und halte ihr ein neues Formular vor die Nase. Einen gastronomischen Hintergrund in der Familie gebe es nicht. Ihr Vater sei Geologe, ihre Mutter Kinderkrankenschwester.
„Ohne meine Eltern hätte ich es niemals geschafft, sie sind wirklich außergewöhnlich unterstützend. Meine Mutter ist zum Beispiel Hobbybäckerin und bäckt die Süßwaren, also das gesamte Essensangebot, für mein Café, und das Allgemeinwissen meines Vaters hat bei der Eröffnung viel geholfen. Auch mein Freund, der bereits Erfahrung mit Selbständigkeit hat, hat mir sehr geholfen“, erzählt die Eigentümerin.
Was Lilli im Vergleich zu älteren Mitbewerbern auszeichnet, ist ihre Nähe zur Zielgruppe. Marketing und Social Media fallen ihr leicht, da sie weiß, was sie online selbst gerne sieht. Auf Instagram veröffentlicht sie regelmäßig Videotagebücher, in denen sie ihren Alltag im Café teilt. Das ist Werbung und gleichzeitig Inspiration, selbst ein Risiko einzugehen und ein eigenes Business zu starten.
„Ich muss mich nicht verstellen, um meine Zielgruppe zu erreichen.“ Studenten wollten vor allem eines, schnellen, guten Kaffee. Daher ist das kleine Lokal mit 8 Sitzplätzen eher auf Getränke zum Mitnehmen ausgelegt. Ein Cappuccino kostet bei Lilli 3,90 Euro, der Mango Matcha 6,10 Euro. Das vegane Croissant gibt es für 3,10 Euro. Ihr Konzept rechnet sich, die junge Eigentümerin kann von ihrem Umsatz leben.
Die junge Generation probiere gerne Neues aus, weshalb Lilli bei ihren Matcha-Getränken viel mit Farben und Variationen experimentiert. „Es macht mir Spaß, schöne, bunte Getränke zu entwickeln.“ Ihr Menü habe außerdem einen gesundheitlichen Anspruch. Im Angebot sind unter anderem Protein- und Collagen-Getränke.
Lilli und Lara von campus a im Gespräch (Foto: Katarina Novcic)
„Es muss gut schmecken und ästhetisch sein“, sagt Lilli, weshalb sie sich auch beim Branding und bei der Website viele Gedanken gemacht habe.
Während Lilli hinter der Theke steht, kreisen ihre Gedanken ununterbrochen um Formulare, Rechnungen und ihre niemals endende To-do-Liste. Obwohl sie sich der großen Verantwortung zu Beginn bewusst gewesen sei, überraschten sie die vielen neuen Aufgaben immer wieder.
Sie würde gerne kreativer sein, das Menü öfter anpassen oder mehr Videotagebücher filmen. „Dafür fehlt oft einfach die Zeit im Kopf.“ Viele romantisieren den Besitz eines Cafés. Lilli arbeitet fünf bis sieben Tage die Woche. Bei Urlaubsplänen ihrer Freunde müsse sie zuerst an das Geschäft denken und erst danach an sich selbst. „Das ist schon schwer, weil andere in meinem Alter ganz andere Prioritäten haben.“
„Macht es nicht alleine. Ein Netzwerk an Unterstützern und guten Beziehungen sind die Grundvoraussetzungen.“
Wenn sie noch einmal von vorne beginnen könnte, hätte sie sich einen Geschäftspartner gesucht.
Auf die Frage, ob Geschäftspartner oder Lieferanten sie aufgrund ihres jungen Alters manchmal nicht ernst nähmen, sagt Lilli, dass das bisher nicht vorgekommen sei. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ihr Alter nicht sofort ersichtlich sei. „Wenn jemand Unternehmer ist, wird selten an der Kompetenz gezweifelt.“
Hand hält die Catch Coffee Visitenkarte (Foto: Katarina Novcic)
Einer Person, die sie nicht kenne, würde sie dennoch nicht raten, kopflos in die Selbständigkeit zu starten. „Das kommt sehr auf den Charakter an, es braucht schon sehr viel Drive und Durchhaltevermögen, um nicht direkt aufzugeben.“
Bisher hat Lilli noch keine Angestellten und stemmt alle Aufgaben eines Gastronomiebetriebs größtenteils selbst. Für die kommende warme Saison möchte sie erstmals Mitarbeiter einstellen. Bewerbungen habe sie bereits viele erhalten.
Lilli möchte außerdem noch studieren. „Ich will keine Erfahrung auslassen, auch ein Grund dafür, warum ich schon jetzt mein eigenes Café eröffnet habe. Ich habe aber viel anderes vor.“
Um das Lokal mit der guten Lage habe es große Konkurrenz gegeben. Der Eigentümer entschied sich für Lilli statt für einen anderen Interessenten, der einen türkischen Imbiss eröffnen wollte. Sorgen, das Café später weiterzuverkaufen, mache sie sich daher nicht. Zunächst freue sie sich aber auf ihr erstes Geschäftsjahr und viele neue Besucher und Besucherinnen.
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