Das Joint Venture TikTok USDS hält nun die Fäden in der Hand. Ein Konsortium aus drei globalen Schwergewichten teilt sich seit dem 22. Jänner 2026 die Macht über TikTok in den USA. Breits im September 2025 hat Trump den Deal genehmigt, der nun in Kraft tritt. Der Software-Gigant Oracle, der Technologie-Finanzier Silver Lake und der KI-Investor MGX aus Abu Dhabi halten je rund 15 Prozent der Anteile dieser neu gegründete Gesellschaft TikTok USDS Joint Venture LLC. Zusammen mit weiteren Investoren kontrolliert das Konsortium nun 80 Prozent der Firma. Der bisherige chinesische Eigentümer ByteDance zieht sich auf eine Minderheit von knapp 20 Prozent zurück.
Dieser Umbau entspringt politischem Zwang: Die US-Regierung forderte eine Trennung vom chinesischen Mutterkonzern, um nationale Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Für 14 Milliarden Dollar kauften sich die neuen Besitzer ein, um ein komplettes Verbot der App mit ihren 170 Millionen US-Nutzern abzuwenden. Das mehrheitlich im amerikanischen Besitz befindliche Joint Venture wird daher „unter festgelegten Sicherheitsvorkehrungen operieren, die die nationale Sicherheit durch umfassende Datenschutzmaßnahmen, algorithmische Sicherheit, Inhaltsmoderation und Softwaregarantien für US-Nutzer gewährleisten“, heißt es in der offiziellen Mitteilung von TikTok. (TikTok Newsroom, 2026)
Seit Anfang 2025 konkurrierten zahlreiche Akteure um die Plattform. Der Online-Riese Amazon reichte ein Last-Minute-Angebot ein, um seine Position im Bereich Social Commerce bei jungen Käufern zu stärken. Auch die Mobil-Technologie-Firma AppLovin äußerte Interesse an einem Kauf. Tim Stokely, Gründer der Erotik-Plattform OnlyFans,plante gemeinsam mit der Kryptowährungs-Stiftung Hbar Foundation ebenfalls eine Übernahme von TikTok. Selbst die Investmentgesellschaft Blackstone konnte sich eine Beteiligung an der App vorstellen. Letztlich setzten sich jedoch Oracle, Silver Lake und MGX durch.
In dieser Struktur übernimmt jeder Partner eine spezifische Funktion: Oracle fungiert als technischer Aufseher und Cloud-Partner. Der Konzern aus Texas unter der Leitung von CEO Safra Catz betreibt sonst Datenbanken für Kunden wie Zoom und sicher nun die US-Nutzerdaten von TikTok ab. Silver Lake bringt Kapital für den Medienmarkt ein. Geleitet von den Co-CEOs Egon Durban und Greg Mondre ist Silver Lake vor allem durch seine Beteiligungen am weltweit drittgrößten PC-Hersteller Dell Technologies bekannt. Den Bereich der künstlichen Intelligenz deckt MGX ab. Das Investment-Unternehmen unter der Führung von Peng Xiao hält Anteile an den KI-Giganten OpenAI und Anthropic und beeinflusst die technische Ausrichtung der TikTok-Algorithmen. Auffällig bleibt die Stille nach dem Deal: Es finden sich kaum öffentliche Statements der Konzernchefs zum Kauf.
Das Unternehmenskonzept von TikTok verändert sich nun fundamental, ein zentraler Wachstumstreiber droht wegzubrechen. Australien macht den Anfang und verbietet soziale Medien für Menschen unter 16 Jahren. Die Plattformen sind verpflichtet, diese Konten zu löschen. In Australien betrifft das etwa 200.000 TikTok-Profile.
Weltweit gehören 25 bis 30 Prozent der Nutzenden zur Gruppe der 13- bis 17-Jährigen. Die Jugendlichen erzeugen überproportional viele Views und Interaktionen, starten virale Trends und Memes. Ohne sie sinken die Reichweite der Apps und ihr kultureller Einfluss. Das trifft vor allem die Erlöse. Werbekunden schalten Anzeigen für Gaming, Mode, Beauty- oder Lifestyle-Produkte, die die User mit wenigen Klicks im TikTok Shop kaufen können.
TikTok generiert Einnahmen primär über Werbeformate wie In-Feed-Ads oder Branded Hashtags-Challenges. Im Jahr 2025 betrug der globale Werbeumsatz rund 33,1 Milliarden Dollar. Zusätzlich bringen Provisionen aus dem TikTok Shop und In-App-Käufe von digitalen Geschenken an Creator Beträge im zweistellige Milliardenbereich ein. Schätzungen zufolge zielt ein Drittel der Werbeausgaben auf die Zielgruppen unter 24 Jahren ab. Bereits im Jahr 2022 wurden etwa 30 bis 40 Prozent der Werbeeinnahmen durch minderjährige User generiert. Sollte sich also ein Verbot für genau diese Zielgruppe global durchsetzen, könnte der Werbeeinnahmenverlust bis zu 10 bis 13 Milliarden Dollar betragen. TikTok selbst veröffentlicht keine exakten Alters-Breakdowns. Die genannten Zahlen basieren auf Schätzungen aus einer Harvard-Studie, die sich intensiv mit Nutzungsdaten, Zeitaufwand und Marktanalysen beschäftigte.
Somit zahlen die neuen Eigentümer drauf und müssen zudem Millionen in die Altersprüfung investieren. Wer gegen die Regeln verstößt, zahlt Strafen: Australien droht mit bis zu 50 Millionen Australischen Dollar pro Verstoß. TikTok muss sich also neu orientieren und die Hoffnung auf schnelles Wachstum schwindet. Um die Plattform für 25- bis 45-Jährige attraktiver zu machen, wird aus dem Jugend-Netzwerk ein regulierter Konzern. Das macht den Gewinn planbarer, aber kleiner.
Der Druck, Minderjährige stärker zu schützen, ist in vielen europäischen und asiatischen Ländern zu beobachten. Australien dient als Vorbild. Aber die Erfahrung zeigt technische und datenschutzrechtliche Probleme bei der Altersverifikation. Zudem umgehen Jugendliche die Sperrung häufig. Diese Komplikationen bremsen einige Staaten. Anstatt strenger Grenzen und Verboten tendieren einige eher zu einem Mix zwischen Altersgrenzen und elterlicher Zustimmung. Davon würde auch TikTok und seine US-Investoren profitieren: Ein relevanter Teil der Jugendzielgruppe bleibt, Umsatz- und Wachstumseinbrüche fallen milder aus und es bliebt mehr Raum für Anpassungen, bevor wirtschaftlich schmerzhafte Schritte drohen.
Die Sinnhaftigkeit des Kaufes steht zur Debatte. Die ursprüngliche Hauptzielgruppe von TikTok zieht sich immer mehr zurück. User kritisieren die Zunahme von Werbung und KI-generierten Inhalten. Auch die wachsende Präsenz älterer Generationen mindert das Exklusivitätsgefühl für Teenager.
Die neue Struktur von TikTok USDS schirmt das US-Geschäft rechtlich von ausländischen Regulierungen ab. Trotz aller Diskussion bleibt TikTok eine der größten Werbe- und Commerce-Plattformen mit starkem Wachstum und über 30 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz im allein im Jahr 2025. Ohne den Deal hätte das befürchtete US-Verbot der App die Einnahmen aus 170 Millionen US-Nutzern praktisch auf Null gesetzt. Der Kauf und somit die Gründung des Joint Ventures hat dieses Geschäft überhaupt erst abgesichert. Besonders der Investor Oracle dürfte erheblich profitieren: TikTok wird hier zeitgleich zu einem großen Cloud-Kunden, der zusätzliche jährliche Einnahmen von ein bis zwei Milliarden US-Dollar generieren könnte.
Trotz der rechtlichen Abgrenzung durch TikTok USDS schaden weltweit diskutierte Jugendverbote dem gesamten Ökosystem der App. Die sinkende globale Reichweite entzieht der Plattform die Grundlage für internationale Kampagnen. Große Marken agieren grenzüberschreitend. Bricht die junge Zielgruppe in Schlüsselmärkten weg, verschieben Werbekunden ihre Milliardenbudgets konsequent zur Konkurrenz. Damit verliert TikTok seine Position als Taktgeber der digitalen Jugendkultur.
Die Investoren erwarben eine profitable Wachstumsstory, tragen nun aber die Last einer streng regulierten Zukunft. Das Risiko eines schleichenden Relevanzverlustes überwiegt die Hoffnung auf schnelle Rendite, da die Plattform ihre exklusive Anziehungskraft für die Trendsetter von morgen zu verlieren droht.
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