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Frauen im Taxi: Neues Angebot will ihnen die Angst nehmen

Alleine in ein Taxi zu steigen, ist für viele Frauen mit einem unangenehmen Gefühl verbunden. Vor allem nachts machen Kundinnen negative Erfahrungen mit männlichen Taxifahrern. Diskriminierende Kommentare, sexuelle Übergriffe oder Verfolgungen bis zur Haustür sind keine Einzelfälle. Eine Wienerin hat mit „Flintaxi“ einen Fahrdienst speziell für Frauen sowie lesbische, intersexuelle, nichtbinäre, trans und agender Personen gegründet, der hier Abhilfe schaffen soll.
Simon Graser  •  11. März 2026 Redakteur    Sterne  48
FLINTA-Personen fahren mit Frauen am Steuer entspannter Taxi. (Foto: Sima Dhillon)
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Taxifahrten als Belastung

Sima Dhillon unterrichtet hauptberuflich an einer AHS. Ihr Job als Taxifahrerin war ursprünglich eher ein Nebenverdienst. Bereits bevor sie „Flintaxi“ gründete, war sie für Uber und Bolt unterwegs. „Frauen sind immer erleichtert, wenn sie mich am Steuer sehen“, sagt sie. Die Chance, von einer weiblichen Taxilenkerin gefahren zu werden, ist allerdings gering. Laut der Gründerin sitzen in nur einem Prozent der Wiener Taxis Frauen am Steuer. In Gesprächen mit ihrer weiblichen Kundschaft hörte sie immer wieder von unangenehmen Erfahrungen in Taxis.

Eine von Dhillons heutigen Stammkundinnen erzählt davon, wie ein Uber-Fahrer während der Fahrt masturbierte. „Als der Fahrer dann auch noch zu stöhnen anfing, habe ich meiner Cousine geschrieben und gehofft, schnell zuhause zu sein.“ Die junge Frau meldete den Vorfall bei Uber, mit fragwürdigem Effekt. Sie werde diesem Fahrer künftig nicht mehr zugeteilt, hieß es da lapidar. Konsequenzen für den Fahrer gab es keine. Eine Statistik zur Anzahl der Übergriffe auf Frauen in Taxis gibt es nicht, unter anderem auch, weil solche Vorfälle nur selten angezeigt werden.

Gründung von „Flintaxi“

Diese Geschichten brachten Dhillon auf die Idee, ihre Zielgruppe von Frauen auf alle Flinta-Personen auszuweiten. „Es gibt Taxifahrer, die Kund*innen einfach rausschmeißen, wenn sie merken, dass es sich um eine Trans-Person handelt“, so die Gründerin.

Derzeit führt Dhillon das einzige Taxiunternehmen in Wien dieses Zuschnitts, und sie ist nicht nur Gründerin, sondern auch einzige Fahrerin des Unternehmens. Dementsprechend arbeitet sie momentan hauptsächlich auf Vorbestellung. „Wenn Frauen zum Beispiel wissen, dass sie nachts von einem Konzert heimfahren müssen, geben sie mir Bescheid.“ Anfragen nimmt sie auch über ihre Webseite entgegen. Zudem bietet sie Flughafenfahrten und Kleinmöbeltransporte an.

Unterstützung gesucht

Um ihr Unternehmen weiter auszubauen, hat die Gründerin bereits mit der Wiener Vizebürgermeisterin über eine mögliche Initiative oder Förderung gesprochen. „Damit wird der Taxiberuf für Frauen attraktiver, was er aktuell nicht ist“. Nach anfänglichem Interesse habe sie von der Stadtregierung seit mittlerweile fast einem halben Jahr nichts mehr gehört. „Aus eigener Tasche lässt sich schwer eine Initiative starten. Der Stadt sollte es eigentlich ein Anliegen sein, dass es Flintaxi gibt“, sagt sie. Die Wiener Frauenhäuser hingegen sind an einer Zusammenarbeit interessiert. Vor allem für Frauen, die bereits Gewalt erlebt haben, würde die Taxifahrerin sogar ihre Preise senken.

Sima Dhillon hat jedenfalls noch viel mit Flintaxi vor, trotz ihres Jobs als Lehrerin und der regulären Taxifahrten über Uber und Bolt, die sie weiterhin annimmt. Ihr Ziel bleibt klar: Sichere Fahrten jenen anzubieten, für die der Heimweg sonst mit Angst verbunden wäre.


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