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Osterhasen essen: Fleischkaninchen „schmackhaft und gesund“

Eltern verschweigen es gerne ihren Kindern, doch dieses traditionelle Gericht hat viele begeisterte Fans: Sogenannte „Fleischhasen“, ganz bestimmte Kaninchenarten, sind fett- und cholesterinarm und schmecken ähnlich zart wie Hühnerfleisch. Mit der zunehmenden Verniedlichung der Kaninchen haben Züchter allerdings mit Kritik zu kämpfen.
Julia Höllhuemer  •  30. März 2026 Volontärin    Sterne  10
Grausam? Selbst Krankenhäuser entdecken Kaninchenfleisch als Diätfleisch und die österreichischen Züchter können den Bedarf nicht mehr decken. (Foto: Shutterstock)
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Reinhard Danninger legt frisches Heu in den Stall. Er mistet aus, füllt die Tränken, portioniert spezielle Futtermittel. So verbringt er jeden Morgen seines Ruhestandes. Er widmet sich seinem Hobby zuhause in Altenberg bei Linz, während Freunde und Bekannte Ausflüge unternehmen. Der 67-Jährige züchtet Riesenschecken. Eine große Kaninchenart, die nicht zum Kuscheln, sondern zum Essen gedacht ist.

Seine Tiere werden knapp siebzig Zentimeter lang und bringen sechs bis acht Kilogramm auf die Waage. Ihr Futter lässt sie schnell wachsen und bringt ihr Fell für die nächste Zuchtschau zum Glänzen. Für Danninger ist das längst mehr als Zeitvertreib. „Ich habe 35 Jahre lang bei einer Bank gearbeitet. Richtig abschalten konnte ich immer nur, wenn ich nach der Arbeit bei meinen Kaninchen im Stall war.“ Seit seiner Pensionierung konzentriert er sich vollkommen auf seine Tiere und die Zuchtschauen, an denen er regelmäßig teilnimmt. Danninger wurde mit seinen Kaninchen bereits dreimal Europameister und mehr als 15-mal österreichischer Staatsmeister.

Prächtiges Zuchtkaninchen vor hellem HolzhintergrundAuf verschiedenen Zuchtschauen präsentiert Danninger seine schönsten Riesenschecken. (Foto: Reinhard Danninger)

„Irgendwann hat er mir dann ein Kaninchen geschenkt“

Schon seit seinem sechsten Lebensjahr beschäftigt er sich mit den Riesenschecken. „Jeden Tag kam ich auf dem Schulweg am Stall eines Züchters vorbei“, erzählt er. „Irgendwann hat er mir ein Kaninchen geschenkt.“ Mittlerweile ist er Obmann des Österreichischen Clubs der Schecken- und Holländer-Kaninchenzüchter. Dessen 75 Mitglieder wollen die Rassen in ihrer ursprünglichen Form erhalten: „Wir wollen die Tiere nicht verändern“, betont Danninger. „Das Tierwohl steht für uns an erster Stelle.“

Um Überzüchtung zu verhindern, orientieren sich die Hobbyzüchter an europaweit gültigen Standards. Eine Kommission beschreibt die Tiere bis ins kleinste Detail. Von Größe und Gewicht über die Fellbeschaffung bis hin zur Fußlänge. Diese „Rassebeschreibungen“ helfen den Züchtern, gesundheitsschädliche körperliche Veränderungen der Kaninchen zu vermeiden und sie in ihrer natürlichen Form zu bewahren.

Vom Aussterben bedroht

Reinhard Danninger gehört zu den wenigen Menschen, die sich noch mit der Zucht und Fleischverarbeitung von Kaninchen-Großrassen beschäftigen. Sein Hobby kostet ihm rund 400 Euro im Monat, doch die hohen Ausgaben seien nicht der einzige Grund für den Rückgang an Züchtern. „Das Bild vom Kaninchen hat sich über die Jahre vom Nutztier zum Kuscheltier gewandelt.“ Die zunehmende Verniedlichung der Tiere sorge für einen Aufschwung bei Zwergkaninchen, während Großrassen seltener gezüchtet würden.

Eine Hand hält ein neugeborenes rosiges Kaninchenbaby mit durchscheinendem Fell und dunklen Flecken. Im Hintergrund ist ein Behälter mit frischem Gras zu sehen.Der Züchter freut sich über jeden neuen Wurf seiner Riesenschecken. (Foto: Reinhard Danninger)

Kleine Kaninchen seien als „Kuscheltiere“ besser geeignet, weil sie leichter hochzunehmen und weniger temperamentvoll seien. Außerdem ist ihre Haltung mit niedrigeren Kosten verbunden. „Die brauchen im Vergleich zu meinen Riesenschecken wenig Futter und machen kaum Mist“, erklärt Danninger. Für die Fleischverarbeitung sind sie jedoch uninteressant, weil sie im Schlachtalter weniger als drei Kilogramm wiegen.

„Kinder sollten wissen, woher das Essen kommt“

Viele Menschen seien schockiert, wenn der Hobbyzüchter von seinen liebsten Kaninchen-Gerichten erzählt. Gerade um die Osterzeit besuchen ihn oft Eltern auf der Suche nach einem Haustier für ihre Kinder. Sie bitten ihn dann, vor den Kleinen nichts von der Fleischverarbeitung zu sagen.

Ein Fehler, wie er findet. „Solange wir Fleisch essen, ist es klar, dass Tiere geschlachtet werden müssen.“ Auch andere Nutztiere wie Kälber, Ferkel oder Lämmer seien als Jungtiere niedlich. Das ändere nichts daran, dass sie später als Lebensmittel dienen. Eltern sollten ihren Kindern früh erklären, was es bedeutet, tierische Lebensmittel zu konsumieren. „Die Kinder müssen verstehen, woher die Milch und das Fleisch kommen.“

Geschmacklich wie Hühnerfleisch

Der Züchter verwertet das zarte Fleisch seiner Kaninchen vielfältig, zum Beispiel für Leberkäse oder Schnitzel. Kaninchenschnitzel haben allerdings nur die Größe eines Fischstäbchens. Geschmacklich ist Kaninchenfleisch dem Hühnerfleisch recht ähnlich, jedoch ein wenig farbintensiver. Außerdem ist es saftiger und zarter.

Der Geheimtipp des Experten im Frühling: „Ich kann die Kombination aus Kaninchenrücken und Spargel empfehlen. Dafür einfach frischen Spargel dünsten und in das Kaninchenfilet einrollen. Anschließend wie ein Schnitzel panieren und goldbraun backen. Einfach mit Kartoffeln und Preiselbeeren anrichten und schmecken lassen.“ 

Spargel in paniertes Kaninchenfleisch eingerollt und zusammen mit Kartoffeln und Preiselbeeren auf einem Teller angerichtet.Danningers Rezept wird am besten mit frischem Spargel zubereitet. (Foto: Reinhard Danninger)

Gesundes „Diätfleisch“ 

Für die meisten Österreicherinnen und Österreicher bleibt Kaninchenfleisch eine seltene Delikatesse. Dabei ist es laut Danninger nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund: „Sogar einige Krankenhäuser setzen darauf, weil es besonders fett- und cholesterinarm ist.“ 

Die Nachfrage in Österreich lässt sich mit heimisch produziertem Fleisch jedoch kaum decken. Ein Großteil stammt daher aus dem Ausland, vor allem aus Ungarn. Die wenigen heimischen Hobbyzüchter, die noch Fleischkaninchen halten, können nicht regelmäßig liefern: „Ich kenne momentan keinen einzigen großen, gemeldeten Züchter für große Kaninchenrassen“, erzählt Danninger.

Meldepflichtige Zuchtbetriebe sind solche mit mehr als hundert Tieren, sie gelten nicht mehr als Hobby- und Eigenzucht.

Kostspielige Leidenschaft

Trotz der unsicheren Zukunft seines Hobbys investiert Danninger weiterhin viel Zeit und Geld in die Fleischkaninchenzucht. Erst jüngst nahm er rund 40.000 Euro für den Umbau seiner Stallungen in die Hand, in denen zurzeit um die fünfzig Tiere leben. Jedes Kaninchen hat dort knapp einen Quadratmeter Liegefläche. Das Tierschutzgesetz schreibt für Rassen, die mehr als fünf Kilogramm wiegen, 0,8 Quadratmeter pro Tier vor. Um ihnen unnötigen Stress durch lange Transportwege zu ersparen, schlachtet er seine Tiere zuhause selbst. 

Holzvertäfelte Stallanlage mit vielen schwarzen Kaninchenkäfigen an der linken und rechten Wand.Der Umbau seines Stalls hat den Hobbyzüchter rund 40.000 Euro gekostet. (Foto: Reinhard Danninger)

Jeden Abend geht Danninger wieder in den Stall, füttert seinen Tieren nun leichtere Kost und kontrolliert alle Tränken nochmal. Mit jedem neuen Wurf seiner Tiere lebt eine alte Tradition weiter.  


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