Die zwanzig bestbezahlten Schauspieler verdienten 2025 gemeinsam rund 590 Millionen Dollar. Im Jahr davor lag die Summe noch bei etwa 730 Millionen Dollar, also um rund 140 Millionen mehr. Innerhalb nur eines Jahres ist die Gesamtsumme damit um etwa ein Fünftel geschrumpft.
Spitzenverdiener Adam Sandler kommt auf rund 48 Millionen Dollar und bleibt damit deutlich unter früheren Topwerten, die noch vor kurzem fast doppelt so hoch lagen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis mehrerer tiefgreifender Veränderungen in der Branche.
Streaming verändert die Einnahmenstruktur
Das klassische Geschäftsmodell Hollywoods verliert an Stabilität. Lange Zeit erhielten Schauspieler hohe Gagen und zusätzlich Beteiligungen an Kinoerlösen. Dieses System funktioniert heute nur noch eingeschränkt, weil Streamingplattformen wie Netflix andere Vergütungsmodelle etablieren. Sie zahlen fixe Summen und vermeiden langfristige Beteiligungen. Einnahmen aus Wiederverwertung oder internationalen Auswertungen spielen eine deutlich geringere Rolle als noch vor zehn Jahren.
Daniela Skala, Maskenbildnerin und Vorsitzende der Sektion Film, Foto und audiovisuelle Kommunikation bei younion, der Interessensvertretung unselbstständiger und freiberuflicher Tätiger in den Bereichen Kunst, Medien und Sport, beschreibt diese Verschiebung so: „Jeder schaut heute das, was er will, wann er will. Das Streaming hat das Nutzungsverhalten verändert.“
Mit dieser Entwicklung verändert sich auch die Logik der Einnahmen. Streaming verschiebt Wertschöpfung von einzelnen Auswertungsstufen hin zu pauschalen Vergütungen. Gleichzeitig sind Kinoerlöse weniger planbar als früher, was sich direkt auf Beteiligungsmodelle auswirkt. Blockbuster generieren weniger verlässlich hohe Gewinne und damit sinken auch die zusätzlichen Einnahmen für Stars.
Streiks als Beschleuniger der Krise
Die Streiks des Jahres 2023 verstärken diesen Trend. Drehbuchautoren und Schauspieler legen die Branche monatelang lahm. Produktionen verzögern sich, Projekte fallen aus und Einnahmen verschieben sich in spätere Jahre. Diese Effekte wirken bis 2025 nach und mindern die Zahl der Filme mit Stars erheblich.
Skala verweist auf die strategischen Reaktionen der Studios. „Das hat mit den Streiks zu tun und damit, dass sich während dieser die ganzen Studios und großen Companies nach anderen Möglichkeiten umgeschaut haben, um nicht gewerkschaftlich zu produzieren.“
Produktionen wandern zunehmend in Regionen, in denen Gewerkschaften weniger Einfluss haben. Dreharbeiten finden häufiger in Europa oder Mexiko statt. Dadurch verlieren US-Schauspieler an Verhandlungsmacht, während Studios höhere Gagen umgehen können.
Stars werden Produzenten
Parallel verändert sich die Rolle der Stars selbst. Schauspieler bauen eigene Produktionsfirmen auf und übernehmen mehrere Funktionen zugleich. George Clooney etwa produzierte Filme wie The Ides of March und Good Night, and Good Luck selbst, Angelina Jolie inszenierte unter anderem Unbroken und First They Killed My Father, und Brad Pitt steht mit seiner Firma Plan B hinter Oscarproduktionen wie 12 Years a Slave oder Moonlight. „George Clooney ist nicht nur Produzent, sondern oft schreibt er auch noch das Drehbuch und ist Hauptdarsteller, natürlich trägt er dann das Risiko“, erklärt Skala.
Was sich dabei verschiebt, ist simpel: Weniger sicheres Geld im Vorfeld, mehr Risiko und die Chance, später an den Einnahmen zu verdienen, wenn ein Projekt erfolgreich ist.
Hollywood verliert seine Dominanz
Gleichzeitig verschiebt sich auch die Nachfrage. Studios setzen stärker auf bekannte Marken und wiedererkennbare Stoffe, etwa Reihen wie das Marvel Cinematic Universe, die Fast & Furious-Filme oder Fortsetzungen wie vom Avatar Franchise. Solche Produktionen funktionieren oft unabhängig davon, wer genau vor der Kamera steht. Einzelne Stars müssen einen Film daher seltener allein tragen. Gleichzeitig wird genauer gerechnet: Studios drücken die Kosten und setzen weniger auf teure A-List-Besetzungen. „Hollywood steht schon länger unter Druck. Ich habe Kollegen dort und lange Zeit galt die Branche als unantastbar, dieses Selbstverständnis bröckelt jetzt“, sagt Skala.
Der Wettbewerb verschärft sich zusätzlich durch internationale Produktionen und den Aufstieg unabhängiger Filme. Produktionen aus Südkorea wie Parasite oder Serien wie Squid Game erreichen ein weltweites Publikum, während US-Indiefilme wie Everything Everywhere All at Once große Preise gewinnen und kommerziell erfolgreich sind. Gleichzeitig verteilt sich das Publikum auf Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Disney sowie auf Kino, Festivals und Video-on-Demand. Aufmerksamkeit und Einnahmen verteilen sich dadurch stärker als noch vor einigen Jahren.
Image wird zum wirtschaftlichen Faktor
Imagefaktoren spielen ebenfalls eine größere Rolle. Öffentliche Konflikte und Skandale wirken sich heute schneller und direkter auf Karrieren aus. So stand Brad Pitt im Zuge der langjährigen Auseinandersetzung mit Angelina Jolie verstärkt im Fokus, was seine öffentliche Wahrnehmung spürbar verändert hat. Auch Johnny Depp verlor nach den juristischen Auseinandersetzungen mit Amber Heard zwischenzeitlich große Rollen, während Will Smith nach dem Vorfall bei den Academy Awards 2022 Projekte einbüßte. Solche Entwicklungen zeigen sich unmittelbar im Markt: Ein beschädigtes Image kann darüber entscheiden, ob ein Star weiterhin große Produktionen trägt, oder für Studios zum Risiko wird.
Ganz anders sieht es bei den Gagen-Aufsteigern aus. Timothée Chalamet etwa steigerte seinen Marktwert mit Filmen wie Dune deutlich, Sydney Sweeney wurde nach Serienhits und Kinoprojekten plötzlich zur gefragten Besetzung. Und Glen Powell, lange Nebendarsteller, kassiert nach Top Gun: Maverick und Anyone But You inzwischen Gagen, die vor wenigen Jahren noch außer Reichweite lagen.
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