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Rufen Sie einfach an: Bürgermeisterin Kahr über Erreichbarkeit

Die private Handynummer der Grazer KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr steht seit Jahren öffentlich im Internet. Wie viele Grazer wollen jeden Tag etwas von ihr?
Georg Krierer  •  1. April 2026 Redakteur    Sterne  244
Foto: APA-Images / APA / ERWIN SCHERIAU
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Zweimal hebt die Sekretärin von Elke Kahr ab, freundlich, routiniert, mit der gleichen Botschaft: Die Bürgermeisterin ist gerade nicht erreichbar. Klar, sie hat bestimmt viel zu tun. Ein bisschen enttäuschen ist das trotzdem. Schließlich warb sie im Gemeinderatswahlkampf 2021 mit der Botschaft: Mich könnt ihr einfach anrufen. Ich schreibe also eine E-Mail, hinterlasse meine Kontaktdaten und warte. Tatsächlich erfolgt ein Rückruf. Sie ist selbst dran: „Was kann ich für Sie tun?“ Wir vereinbaren einen Interviewtermin.

Zum vereinbarten Zeitpunkt wähle ich die Nummer. Einmal. Zweimal. Dreimal. Klar. In Graz rücken die nächsten Gemeinderatswahlen näher, da hat sie bestimmt besonders viel um die Ohren. Schließlich klappt es doch noch. Elke Kahr nimmt sich Zeit.

campus a: Wieso steht Ihre Handynummer im Internet?

Elke Kahr: Ich habe diese Nummer seit der steirischen Landtagswahl 2005. Davor hatte ich überhaupt kein Handy. Zwei Monate vor der Wahl meinte mein Kollege und Vorgänger Ernst Kaltenegger, es wäre sinnvoll, wenn ich ein Diensthandy hätte. Also habe ich mir eins besorgt und es nach der Wahl auf mich privat umgemeldet. Seit einer Weile kennen alle diese Nummer. Ich will erreichbar sein. Die Leute sollen wissen, an wen sie sich wenden können.

campus a: War das strategisch gut?

Elke Kahr: Das ist keine strategische Entscheidung gewesen, es ergab sich Selbstverständlichkeit aus meiner politischen Arbeit.

campus a: Ist das nicht schrecklich anstrengend?

Elke Kahr: Wenn Anrufe im Minutentakt kämen, müsste ich etwas ändern, aber so ist es nicht. Im Schnitt sind es fünf bis zehn Anrufe am Tag. Viele schicken eher SMS und bitten um einen Rückruf. Und natürlich gibt es auch viele berufliche Anrufe von Kollegen, Beamten oder Einsatzorganisationen. Aber insgesamt ist das gut bewältigbar.

campus a: Was wollen die Anrufer?

Elke Kahr: Meistens ist etwas dringend. Wohnungsverlust, Stromabschaltungen. Das sind Dinge, die sich nicht aufschieben lassen.

campus a: Lernen Sie da die Grazer von einer anderen Seite kennen?

Elke Kahr: Das tue ich eigentlich schon seit Jahrzehnten. Ich mache seit jeher Sprechstunden, jede Woche kommen fünfzig bis hundert Menschen zu mir. Am Telefon lässt sich vieles gar nicht klären, da geht es eher darum, Termine auszumachen oder schnell zu helfen.

campus a: Würden Sie sagen, dass Ihre Erreichbarkeit das Vertrauen in die Stadtpolitik stärkt?

Elke Kahr: Schon. Die Leute rufen nicht die Bürgermeisterin an, sondern die Frau Kahr. Dieses Vertrauen ist über viele Jahre gewachsen.

campus a: Haben Sie auch negative Erfahrungen gemacht, mit unangemessenen Anrufen?

Elke Kahr: Am Telefon eigentlich nicht. Negative Erfahrungen gibt es eher auf Facebook, wo manchmal gehässige Kommentare kommen. Aber das ist nicht meine Welt. Ich bin jemand, der lieber direkt mit Menschen spricht.

campus a: Sehen Sie Ihr Modell als Vorbild für andere Politikerinnen und Politiker?

Elke Kahr: Das muss jeder für sich entscheiden. Sich nicht abzuschottet, erreichbar zu sein, darum geht es.

campus a: Wie wichtig ist das in der Politik?

Elke Kahr: Die Sache muss praktikabel bleiben. Wenn es zu viel wird, müsste man etwas ändern. Im Moment ist es aber wie gesagt völlig im Rahmen.


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