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Filmdrehs aus Indien werden zum Geschäft für Österreich

Indische Filmproduktionen bringen alpine Landschaften auf Millionen Bildschirme weltweit. Österreich wird dabei zur Bühne für Songs, Action und große Emotionen. Wer holt diese Produktionen ins Land, wie viel Geld steckt dahinter und was bleibt nach dem letzten Drehtag?
Georg Krierer  •  29. April 2026 Redakteur    Sterne  314
Dreh einer Szene eines indischen (Foto: APA-Images / APA / GEORGIA SCHULTZE)
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Scheinwerfer leuchten durch die kalte Luft, Kabel liegen im Schnee, ein Regisseur zählt laut ein. Dann ertönt Musik. Zwei Schauspieler bewegen sich vor Gletschern und Felsen, hinter ihnen ragen Tiroler Gipfel in den Himmel. „Bollywood und Österreich sind zwar rund 6.700 Kilometer entfernt, aber für uns eine echte wirtschaftliche Chance,“ sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in einem Instagram-Reel.

Mit mehr als tausend jährlich produzierten Filmen ist Indien die weltweit produktivste Filmnation, sogar vor Hollywood. Jede Produktion bringt Bilder in Kinos, auf Streamingplattformen und in soziale Netzwerke und macht Österreich weltweit sichtbar. Alpen, Seen, Schnee und historische Altstädte liefern Motive, die sich sofort einprägen.

Auch der jüngste Besuch von Bundeskanzler Christian Stocker beim indischen Premierminister Narendra Modi zeigt, welche Bedeutung die Beziehungen inzwischen haben.

Gleichzeitig verlieren die USA für Europa in einzelnen Bereichen an Verlässlichkeit. Neue Kooperationen gewinnen dadurch an Gewicht. Indien rückt als Partner stärker in den Vordergrund. Auch die Filmbranche bewegt sich in diesem Umfeld. Internationale Produktionen folgen nicht nur kreativen Entscheidungen, sondern auch wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen.

Tirol als feste Größe im Bollywood-System

Seit 1998 begleitet die Cine Tirol Film Commission internationale Produktionen. „Seit Gründung wurden bereits mehr als neunzig indische Filmproduktionen in Tirol realisiert“, sagt Leiterin Angelika Pagitz. Die Kommission unterstützt Filmteams bei der Suche nach Drehorten, koordiniert Genehmigungen und vermittelt Kontakte zu lokalen Produktionsfirmen sowie Dienstleistern vor Ort. Zu ihren Projekten zählen Kinofilme wie Saaho, Tiger Zinda Hai, Action Jackson und Yuvvraaj. Allesamt sind in Indien Kassenschlager und werden auf internationalen Filmfestivals gezeigt. Bollywoodstars wie Salman Khan, Katrina Kaif, Sonali Bendre, Ajay Devgan und Anil Kapoor brachten Glamour in alpine Täler und in historische Straßen.

Indische Produzenten wählen Tirol aus praktischen Gründen. Innsbruck bietet urbane Bilder, Gletscherregionen schaffen spektakuläre Kulissen, Schnee und Berglandschaften. Diese Kontraste machen Szenen visuell stärker und heben sie klar von typischen Drehorten in Indien ab. Dazu kommen erfahrene Crews, klare Abläufe und eine Infrastruktur aus Technik, Transport und Unterkünften, die internationale Produktionen voraussetzen.

Österreich verkauft Bilder und Verlässlichkeit

Die FILM in AUSTRIA ist die nationale Film Commission Österreichs und Teil der Austrian Business Agency. Sie fungiert als zentrale Anlaufstelle für internationale Film-, TV- und Streamingproduktionen und unterstützt bei Standortwahl, Organisation und präsentiert Österreich bei internationalen Branchenveranstaltungen, darunter die India International Film Tourism Conclave, der Marché du Film in Cannes und die Berlinale.

Österreich blickt laut dem Geschäftsführer von FILM in AUSTRIA René Tritscher auf langjährige Zusammenarbeit mit indischen Produktionsfirmen zurück. Aktuell ist auch die in Österreich gedrehte Produktion Bro auf Netflix abrufbar.

Jeder Drehtag bringt Geld ins Land

Internationale Filmproduktionen bringen eine ganze Wertschöpfungskette ins Land. Produktionsfirmen buchen Hotels über mehrere Wochen, engagieren lokale Dienstleister und arbeiten mit spezialisierten Technikverleihern, Transportunternehmen und Cateringbetrieben zusammen. Für viele dieser Betriebe zählen Filmteams inzwischen zum festen Kundenstamm und sorgen für planbare Umsätze. Auch Speditionen, Sicherheitsdienste und Produktionsservicefirmen profitieren direkt von den Dreharbeiten.

Rund 84.000 Euro Ausgaben entstehen pro Drehtag. Dieses Geld fließt in Unterkünfte, Technik, Personal, Transport und lokale Dienstleistungen. „Das ist ein erheblicher wirtschaftlicher Beitrag“, sagt Tritscher.

FISA+ als Standortargument

Österreich konkurriert als Bollywood-Kulisse mit Ländern wie der Schweiz, Italien, Tschechien oder Ungarn. Fördermodelle fließen direkt in jede Standortkalkulation ein, weshalb der Staat, der Bund, das Land oder die Gemeinden Fördermittel bereitstellen.

In Österreich übernimmt FISA+ die Rolle der Geldverteilung. Hinter dem Modell steht eine staatliche Förderung, bei der Produktionen einen Teil ihrer in Österreich getätigten Ausgaben rückerstattet bekommen. Dazu zählen etwa Kosten für Unterkünfte, Technik, Personal und Transport.

Diese finanzielle Unterstützung fließt direkt in die Kalkulation internationaler Produktionen ein und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Die Sichtbarkeit von Bollywood Produktionen

Regionen wie Tirol profitieren von der internationalen Präsenz, auch wenn sich der Einfluss einzelner Filme nicht exakt beziffern lässt. Indische Gäste reisen seit Jahren verstärkt nach Österreich, häufig im Rahmen von Europa-Rundreisen, bei denen bekannte Motive aus Filmen eine Rolle spielen.

Tourismusorganisationen setzen gezielt auf diese Sichtbarkeit und nutzen Filmproduktionen als Marketinginstrument.

Indiens Filmindustrie bleibt ein Wachstumsmarkt

Die indische Filmindustrie produziert Inhalte in mehreren Sprachen, darunter Hindi, Telugu, Tamil, Kannada und Malayalam. Für Österreich zählt daher nicht nur Bollywood im engeren Sinn, sondern der gesamte indische Produktionsmarkt.

Weitere Projekte mit indischen Produktionsfirmen befinden sich in Vorbereitung. Konkrete Dreharbeiten könnten in den kommenden Monaten folgen.

Neue Kooperationen zwischen Österreich und Indien

Ein neues Abkommen zwischen Österreich und Indien öffnet die Tür für gemeinsame Filmprojekte. Produktionsfirmen können leichter zusammenarbeiten und schneller auf Förderungen zugreifen. Das schafft neue Möglichkeiten für Drehs zwischen Alpen und Bollywood.

Am Set zählt am Ende der nächste Take. Schnee, Licht, Timing, Bewegung. Wenn die Kamera läuft, verwandelt sich Tirol für wenige Minuten in eine indische Traumlandschaft. Später sehen Millionen Menschen diese Szene, oft ohne zu wissen, wie viel österreichische Organisation hinter ihr steckt.

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