In der Schottengasse vor einer Filiale der Supermarktkette Spar stehen Aktivistinnen und Aktivisten vom Verein gegen Tierfabriken, kurz VgT, mit Plakaten und Megafon. Sie sprechen Passantinnen und Passanten an und verteilen Flugblätter. „Spar soll kein Schweinefleisch mehr verkaufen, das von Tieren aus Vollspaltenhaltung stammt“, formuliert Vgt-Mitstreiter David das Ziel der Aktion.
Wöchentliche Aktionen vor stark frequentierten Filialen
Während Stände in Fußgängerzonen mit Gräuel-Bildern aus Ställen und anklagenden Botschaften aus Lautsprecherboxen das Publikum eher zur bewusster Ignoranz verführen, scheinen die Tierschützer mit ihrem direkten Angriffen auf den Marktführer im österreichischen Lebensmittelhandel einen wunden Punkt zu treffen. Denn hier sind Konsumenten verstört, sie wollen nicht in einen Laden, vor dem die Schmutzwäsche der Branche gewaschen wird. Da kaufen sie lieber anderswo ein. „Ich wollte mir nur ein Croissant holen“, sagt Passantin Silvia, eine Studentin. „Aber bei dem Wirbel hier hole ich es mir lieber aus einer Bäckerei, die ebenfalls auf meinem Weg liegt. Kostet dort zwar fast das Doppelte, das soll es mir aber wert sein.“ Wer will schon durch eine Kampfzone, wenn er sich nur etwas Gutes tun will?
Ungeliebte Tierschützer
Erhebung der Europäische Kommission im sogenannten Eurobarometer zeigen, dass Tierwohl für Konsumentinnen und Konsumenten in Europa an Bedeutung gewinnt. 92 Prozent der Menschen in Österreich möchten, dass Schweine Stroh und mehr Platz bekommen. Beim Einkauf selbst denken sie eher weniger an die Lebensqualität ihrer Fleischlieferanten.
Wenn es um höhere Preise geht, ist ihnen Tierwohl ein viel kleineres Anliegen als zum Beispiel Bio-Qualität oder regionale Herkunft. Kommt der Kampf für glückliche Schweine, Rinder und Hühner mit den neuen Supermarkt-Attacken nun doch in die Gänge, weil es auf einmal um Umsätze geht?
Alarmierte Branchenriesen
Kundenvertreibungsaktionen kämpferischer NGOs können sich die in einem erbitterten Konkurrenzkampf stehenden Ketten Spar, Billa, Hofer und Lidl jedenfalls nicht leisten, aber genau die haben System. Jeden Mittwoch positionieren sich die Vgt-Gruppen vor stark frequentierten Filialen. „Wir gehen dorthin, wo wir die meisten Leute erreichen“, sagt David. „Wenn die Menschen merken, dass Grausamkeit Geld kostet, verzichten sie noch am ehesten darauf“, wirft eine Mitstreiterin ein.
Druck auf Marktführer
Der VgT setzt seit den 1990er Jahren auf öffentlichen Druck, um gesetzliche Änderungen in der Tierhaltung zu erreichen. Kampagnen gegen Käfighaltung oder Pelztierfarmen haben bereits politische Konsequenzen ausgelöst. Nun sieht der Verein auch beim Thema Vollspaltenboden politischen Handlungsbedarf. „Hier muss Druck von der Straße kommen“, erklärt David.
Die Kritik richtet sich gegen eine Haltungsform, bei der Schweine auf perforierten Böden stehen, durch die ihre Exkremente automatisch abfließen. Laut VgT verursacht diese Praxis Verletzungen und Verhaltensstörungen. Diese Haltungsform gilt als Tierquälerei und zahlreiche Studien belegen ihre negativen Auswirkungen auf die Tiere.
Spar wehrt sich gegen Vorwürfe
Spar weist die Vorwürfe zurück. „Der VgT hat rufschädigende Unwahrheiten über uns verbreitet“, sagt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann.
Der Verein habe demnach behauptet, der Händler blockiere Verbesserungen in der Schweinehaltung und liege hinter anderen Anbietern zurück. „Faktum ist genau das Gegenteil“, sagt Berkman und verweist auf Fleisch aus Tierwohlprogrammen im Spar-Sortiment. Man engagiere sich nachweislich in diesem Bereich.
Zudem kritisiert Spar die Bildsprache der Proteste. Aktivistinnen und Aktivisten hätten das Logo der Kette in bluttriefender Darstellung verwendet. Gespräche zwischen beiden Seiten hätten keine Annäherung gebracht. Der Konzern hat Klage eingebracht.
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