Als Maria Huber, 78, nach dem Tod ihres Mannes plötzlich allein in ihrer Wohnung sitzt, verändert sich ihr Alltag zunehmend. Früher waren ihre Tage gefüllt: Einkaufen, Spaziergänge, Gespräche mit Nachbarn. Heute fühlt sich das alles komplizierter an. Behördliche Schreiben versteht sie kaum, Arzttermine muss sie selbst organisieren, und ihre Kinder leben in einer anderen Stadt. „Manchmal weiß ich gar nicht, wen ich fragen soll“, sagt sie.
Eine Nachbarin empfiehlt schließlich eine Beratungsstelle. Dort hilft ihr eine Sozialarbeiterin beim Antrag auf Pflegegeld, bei organisatorischen Fragen und dabei, wieder Kontakte zu knüpfen. Vor allem aber hört ihr jemand zu. „Allein das Gefühl, dass jemand da ist, hat mir sehr geholfen“, sagt Huber nachdenklich.
Geschichten wie diese könnten in Zukunft häufiger werden. Österreich steht vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel. Fälle, wie der von Frau Huber, könnten zur Norm werden.
Prognosen der Statistik Austria zeigen: die Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten spürbar altern. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Österreich derzeit bei rund 82 Jahren. Frauen werden im Schnitt etwa 84 Jahre alt, Männer knapp 80. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate, während die Gruppe der Menschen über 65 stetig wächst.
Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede. Während Städte wie Wien durch Zuwanderung weiter wachsen, rechnen DemografInnen in Regionen wie dem Burgenland und Kärnten bis 2040 mit einem Bevölkerungsrückgang. Zugleich wird es aber auch dort immer mehr ältere Menschen geben.
Menschen werden künftig noch länger leben. Davon geht auch die Medizin aus. „Wir sehen bereits heute eine kontinuierlich steigende Lebenserwartung“, sagt Corina Madreiter-Sokolowski von der Medizinischen Universität Graz. „Es ist gut möglich, dass es in zehn bis fünfzehn Jahren Medikamente gibt, die gesundes Altern fördern und altersbedingte Krankheiten verzögern.“
Doch mit der steigenden Lebenserwartung wachsen auch gesellschaftliche Herausforderungen, wie das Beispiel von Maria Huber zeigt.
Wenn wir über das Alter sprechen, stehen häufig Pflegeplätze oder medizinische Versorgung im Mittelpunkt. Doch es geht um weit mehr als gesundheitliche Fragen. Mit zunehmendem Alter verändern sich Lebenssituationen. Partner sterben, Freundeskreise werden kleiner, Mobilität nimmt ab. Gleichzeitig werden viele organisatorische Aufgaben schwieriger. Etwa Behördenwege, finanzielle Angelegenheiten oder die Organisation von Unterstützungsleistungen.
Hier kommt die Soziale Arbeit ins Spiel. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit besteht gerade für ältere Menschen ein wachsender Bedarf an Angeboten. Eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb der Organisation beschäftigt sich deshalb mit dem Thema Altern und Soziale Arbeit. Sie macht auf bestehende Versorgungslücken aufmerksam.
Um die Versorgung zu decken, braucht es SozialarbeiterInnen. Sie beraten ältere Menschen bei Anträgen und Sozialleistungen. Unterstützen bei der Organisation von Pflege oder Wohnformen im Alter und vermitteln Kontakte zu sozialen Angeboten. Vor allem aber schaffen sie Orientierung in Situationen, die viele Betroffene überfordern.
Der bio-psycho-soziale Blick auf das Altern rückt hier vermehrt in den Fokus. Neben der körperlichen Gesundheit spielen auch psychische Stabilität und soziale Beziehungen eine entscheidende Rolle für Lebensqualität im Alter. Einsamkeit etwa gilt inzwischen als ernstzunehmender Risikofaktor für Gesundheit und Wohlbefinden.
Für Maria Huber war der Schritt zur Beratungsstelle ein Wendepunkt. Inzwischen besucht sie regelmäßig einen Seniorentreff, den ihr die Sozialarbeiterin empfohlen hat. „Ich komme wieder unter Leute“, sagt sie. „Und plötzlich fühlt sich vieles nicht mehr so schwer an.“
In einer immer älter werdenden Gesellschaft wird genau diese Form der Unterstützung zunehmend wichtiger. Gutes Altern bedeutet nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch soziale Teilhabe, Orientierung im Alltag und das Gefühl, nicht allein zu sein.
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