Ein Eindruck von Natur inmitten der pulsierenden urbanen Stadtlandschaft von Washington, D.C. Grünanlagen mit Sitzbereichen umgeben das Gebäude an der 1849 C Street NW. Drinnen helle, offene Arbeitsbereiche, in bunten Farben gehaltene Konferenzräume und überall historische Fotografien von Park Rangern und Naturdenkmälern sowie Exponate aus den amerikanischen Nationalparks.
Das Hauptquartier des National Park Service (NPS) lässt Besucher an jeder Stelle wissen, worum es hier geht. Darum, der wuchernden menschlichen Zivilisation Grenzen zu setzen, für die Natur Räume zu schaffen und sie dort mit modernen Mitteln zu hegen und zu pflegen. Nun formiert sich ausgerechnet um diese Behörde der Widerstand gegen Donald Trump und seinen milliardenschweren Aufräumer Elon Musk. Wie das?
Dass dieser Widerstand kommen würde, war klar. Denn Trump regiert zwar mit der Härte und der Hemmungslosigkeit eines Diktators, hat aber keine Möglichkeiten der Unterdrückung wie Wladimir Putin oder Xi Jinping. Vermutlich wird er sie in den verbleibenden 3,9 Jahren seiner Amtszeit auch nicht mehr aufbauen können.
Zunächst manövrierte er deshalb seine Gegner schlicht mit seinem Tempo aus. Atemlos staunend kam das demokratische Amerika nicht damit nach, Trumps Amoklauf durch die demokratischen Fundamente zu dokumentieren und zu analysieren. Noch immer wirkt es größtenteils wie in Schockstarre.
Doch Beamte und Umweltschützer zeigen, wie viel Widerstandsgeist in ihnen steckt. Sie gründeten die Gruppe Alt National Park Service, wo sie in Echtzeit und jedenfalls schneller als alle Medien über Eingriffe in staatliche Strukturen berichten.
Aktivisten posten Informationen über Massenkündigungen und den Abbau von Sicherheitsstandards und bewährten Umweltvorschriften. Follower erhalten Nachrichten wie „Heute entlässt der Yosemite-Nationalpark tausende Ranger“. Oder, aus Sicht des NPS mindestens ebenso fatal: „IRS-Daten werden zugänglich gemacht, während Effizienzprogramme in Gang kommen“.
IRS-Daten sind Steuer- und Finanzinformationen, die das Internal Revenue Service (IRS), die amerikanische Steuerbehörde, verwaltet. Dazu gehören Daten über Finanzierungen etwa durch Spenden und Fördermittel sowie Steuervergünstigungen für das NPS, aber auch Details über Gehälter und Steuerbeiträge der Mitarbeiter. Kurzum: Wer diese Daten kennt, tut sich leicht, eine Behörde zu schrumpfen.
2.400 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Hauptquartier der Behörde. Inklusive Park Rangern, Umweltforschern, Historikern, Archivaren oder etwa Krisenmanagern sind es rund 20.000. All diese Menschen planen Erhaltungsprojekte, führen Feldstudien durch, organisieren Bildungsprogramme, pflegen Wanderwege, betreuen Besucherzentren, messen Klimaveränderungen oder koordinieren Notfallmaßnahmen.
Schon als Folge der Herausforderungen durch den Klimawandel haben sie einiges zu tun. Immerhin erstrecken sich die 63 amerikanischen Nationalparks über 373.000 Quadratkilometer, der größte ist mit 53.000 Quadratkilometern der Wrangell-St. Elias Nationalpark in Alaska. Zudem betreut das NPS viele weitere Schutzgebiete, Monumente und Denkmäler. “Der Schutz der Umwelt verliert seine Wirkung und öffentliche Ländereien haben keine Zukunft mehr”, heißt es in einem der Posts.
Während Musk mit seiner neuen Abteilung DOGE radikale Personalabbaumaßnahmen vorantreibt und konsequent wirtschaftliche Effizienz über langfristigen Umweltschutz stellt, liefert die Gruppe Alt National Park Service neben derartigen emotionalen Zeugnissen unbeirrt präzise Zahlen und Fakten und deckt willkürliche Kündigungen auf.
Die Dynamik und der Mut der Aktivisten versetzt die Amerikaner in Staunen. Immerhin gehen die Mitglieder der Gruppe ein beträchtliches Risiko ein. Viele von ihnen seien bereits gefeuert worden, heißt es, und digitale Anonymität ist mit einem Tech-Mogul wie Musk als Gegner ein fragiler Schutz. Musks Leute gehen bereits mit den Methoden echter Diktatoren vor. So etwa sollen sie bei Mitarbeiterbefragungen Lügendetektoren einsetzen.
Trump ist das noch immer zu wenig. Zuletzt forderte er Musk zu noch mehr Härte auf. „Elon macht einen großartigen Job, aber ich würde gerne sehen, dass er aggressiver wird“, schrieb er in Großbuchstaben in seinem sozialen Netzwerk Truth Social.
Kämpferische Park Ranger: Unterstützung für Beamte des National Park Service durch Vertreter vieler anderer Behörden beim Widerstand gegen Donald Trump und Elon Musk. (Foto: Shutterstock)
Einhalt gebieten können der Bewegung aber weder Trump noch Musk. Es sieht eher nach dem Gegenteil aus. Denn längst sind nicht mehr nur Beamte und Vertreter des NPS an der Gruppe beteiligt. Schließlich will Musk nicht nur den Naturschutz zu wirtschaftlich möglichst verwertbarem Kleinholz machen, er will etwa auch die Entwicklungshilfebehörde USAID (U.S. Agency for International Development) komplett schließen. Was weltweit Folgen für humanitäre Projekte hätte und nebenbei spürbare wirtschaftlichen Folgen für die USA. Denn die USAID kaufte amerikanischen Farmen Weizen, Linsen, Reis oder Pflanzenöle im Wert von Milliarden Dollar ab.
Neben den NPS und der USAID stellen inzwischen auch viele andere von Trumps und Musks Attacken betroffene Behörden Mitglieder der Widerstandgruppe. Zu ihnen gehören die Flugsicherung, die Gesundheitsbehörde, die Lebens- und Arzneimittelbehörde, die Verbraucherschutzbehörde oder etwa das Landwirtschaftsministerium.
Gebildet hatte sich die Gruppe bereits kurz nach Beginn von Trumps erster Amtszeit im Jänner 2017. Während Joe Bidens Präsidentschaft erübrigten sich ihre Bemühungen, doch unmittelbar nach Trumps zweitem Wahlsieg füllte sie sich mit neuem Leben.
Die Auseinandersetzung mit Trump könnte für Alt National Park Service noch zäh werden. Denn der US-Präsident weiß mit seinem untrüglichen Gefühl für das Publikum wohl eine Mehrheit der Amerikaner auch bei diesen Attacken hinter sich. Die Frage ist, wie lange die Wut vieler Amerikaner auf das offizielle Amerika, auf die vermeintlichen Eliten, ihm ausreichend Deckung bieten wird. Vermutlich so lange, bis seine Fans merken, dass Trump und Musk auch gegen einige von ihnen rücksichtslos vorgehen.
Doch die Interviews mit Trump-Wählern, die kurz nach Trumps Wahlsieg seinetwegen ihren Job verloren haben, sind noch nicht geführt und aus Sicht der Wohlstands-Verlierer werden Beamte und alle mit guten Jobs im Umfeld von Behörden noch lange Wohlstands-Gewinner sein. Ein Signal an Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, dass Trump kein Schicksal ist, ist die Gruppe allemal. Ihre Botschaft an Trump und Musk bei ihrer Neubelebung im November lautete denn auch: Wir werden uns über Sie erheben.
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