Jeder Mensch hat eine Körperbatterie, die er auch beim Sport verbraucht, sagt Donald Trump. Deshalb verzichtet er lieber darauf und entspannt auf den Rücksitzen seiner Dienstlimousinen. Nächstes Jahr wird er 80 und ist topfit. Hat er womöglich recht?
Donald Trump wird im Juni 80 Jahre alt. Für sein Alter wirkt er erstaunlich fit. Im Wahlkampf 2024 reiste er rastlos durch die Bundesstaaten, sprach bei über hundert Veranstaltungen, stand stundenlang auf Bühnen und wiederholte seine Kernthemen mit gewohnter Energie. Woher kommt diese Kraft?
Trumps Antwort ist ebenso überraschend wie fragwürdig. Sport vermeidet er bewusst. Nicht aus Faulheit, sondern aus Prinzip. “Der menschliche Körper hat eine begrenzte Batterie. Wer Sport treibt, verbraucht Energie aus dieser Batterie.” erklärte Trump in einem Interview. Für ihn ist körperliche Betätigung kein Mittel zur Gesundheitsförderung, sondern ein Risiko für den Organismus. Sein Fazit: Wer sich schont, lebt länger.
Die Vorstellung klingt eingängig, ja fast poetisch. Aber sie hält medizinischer Prüfung nicht stand. Im Gegenteil. Der Körper funktioniert nicht wie ein Einweg-Akku, sondern wie ein dynamisches System, das durch gezielte Reize stärker, belastbarer und gesünder wird.
Markus Metka widerspricht Trumps Theorie entschieden. Der Wiener Hormon- und Altersmediziner ist Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs. Seit Jahrzehnten befasst er sich mit den biologischen Grundlagen des Alterns und der Frage, wie sich Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten lässt. Mittlerweile veröffentlichte er mehr als 300 wissenschaftliche Publikationen und zahlreiche populärmedizinische Bücher.
“Die Idee, dass Bewegung den Körper abnutzt, ist grundfalsch,” sagt Metka. “Das Gegenteil ist der Fall. Bewegung schützt vor frühzeitigem Verschleiß, hält das Herz-Kreislauf-System fit, stärkt das Immunsystem und wirkt entzündungshemmend.”
Metka erklärt, der Körper lebt vom Prinzip der Homöostase – dem Ausgleich zwischen Belastung und Anpassung. Wer Muskeln beansprucht, regt deren Wachstum an. Wer Ausdauer trainiert, stärkt Herz und Lunge. Wer den Bewegungsapparat fordert, hält Gelenke beweglich und Knorpel ernährt. “Wir brauchen Bewegung, damit die Zellen kommunizieren, sich regenerieren und erhalten bleiben.”
Trump hingegen bezieht sich vor allem auf seine Gene. Seine Eltern wurden alt, er trinkt keinen Alkohol, raucht nicht. Metka argumentiert dagegen: „Gene sind nur die Ausgangslage. Wie alt jemand wird, hängt zu etwa 25 Prozent von der genetischen Veranlagung ab. Den Rest bestimmt der Lebensstil.”
In diesem Punkt sind sich Wissenschaftler weltweit einig: Bewegung gehört, zusammen mit der Ernährung, zu den wichtigsten Faktoren für ein gesundes Altern. Studien zeigen, regelmäßige Aktivität hält körperlich fit, beugt Depressionen vor, senkt Demenzrisiken und erhöht die Lebenserwartung. Dabei geht es nicht um Marathonläufe oder Leistungssport. Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche reichen aus, um die Alterungsprozesse messbar zu verlangsamen.
Trump beruft sich gern auf Golf als seine Form der Bewegung. Er spielt regelmäßig, oft mehrere Runden pro Woche. Golf bringe ihn an die frische Luft, fordere seinen Geist, halte ihn konzentriert. Auch das sieht Metka differenziert. „Golf an der frischen Luft hat sicherlich entspannende und soziale Effekte. Aber es ersetzt kein gezieltes Herz-Kreislauf-Training.”
Gefährlich wird Trumps Batterie-Theorie vor allem, weil sie medizinisches Wissen auf den Kopf stellt. Wer seine Aussagen glaubt, könnte sich von Bewegung verabschieden. Aus Angst, die letzte Energie zu verbrauchen. “Das führt genau zum Gegenteil von dem, was Trump verspricht,” warnt Metka.
Der Körper speichert Energie nicht in Form einer festen Batterie, sondern erzeugt sie laufend neu. Er nutzt Nahrung, Sauerstoff, Bewegung und Schlaf, um Kraftreserven aufzubauen. Ohne Bewegung bricht dieser Kreislauf zusammen. Muskeln schwinden, die Knochendichte nimmt ab, das Herz wird träge, das Gehirn weniger durchblutet. Alterskrankheiten wie Diabetes, Osteoporose oder Demenz entstehen dort, wo Bewegung fehlt.
Trump liefert mit seiner Theorie eine starke Metapher, aber keine medizinische Wahrheit. Seine Vitalität mag teils genetisch bedingt sein, teils Inszenierung. Der Eindruck eines unermüdlichen Kämpfers lebt von Show und Selbstüberzeugung. Doch für Millionen andere Menschen gilt: Wer gesund alt werden will, muss sich bewegen. Und zwar regelmäßig.
Die Medizin ist sich sicher: Der Weg zur Langlebigkeit führt nicht über Schonung, sondern über Bewegung. Wer glaubt, sich durch Ruhe jung zu halten, spart an der falschen Stelle.
Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.