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Baumpaten: Wie Wiener „ihren“ Baum durch den Sommer bringen

Pflegeeltern für Bäume gesucht: Weil nicht alle Spitzahorne, Eschen oder Winterlinden der Stadt schon automatisch bewässert sind, helfen Wienerinnen und Wiener aus und machen einen Baum zu ihrem.
Sara Kowelka  •  25. Juli 2025 Volontärin    Sterne  32
Sylvia Hibler mit Baumpatin Eveline: Schatten, Kühle, weniger Kohlendioxid und mehr Lebensraum für Tiere durch gesunde Bäume. (Foto: Sara Kowelka)
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Eveline kümmert sich mehrmals in der Woche um ihre Baumscheibe im 15. Bezirk in Wien. Mindestens jeden zweiten Tag spaziert sie mit einer Gießkanne über die Hütteldorfer Straße. Bei einem Hydranten füllt sie 10 Liter Wasser ein, um „ihren“ Baum und die ringsum wachsenden Pflanzen zu versorgen. Gleichzeitig vergewissert sich Eveline, ob der Baum während der heißen Sommertage gesund bleibt und beseitigt Unkraut. All das macht sie freiwillig und sie hat Freude dabei.

Die Bäume, die Wien grüner und lebenswerter machen, brauchen wegen der Hitzewellen und Trockenphasen vor allem im Sommer viel Wasser. Um dabei zu unterstützen, hat Eveline eine Baumpatenschaft übernommen und kümmert sich seitdem um ihre Baumscheibe. Damit ist sie nicht allein.

Jeder Tropfen Wasser hilft

Wien gehört zu den grünsten Städten der Welt. Die Stadt besteht zu 53 Prozent aus Grünflächen und es gibt rund 500.000 Stadtbäume. Durch das Baumschutzgesetz ist Wien verpflichtet, Bäume neu anzupflanzen und zu ersetzen. Deshalb werden pro Jahr rund 4.500 neue Bäume von den Wiener Stadtgärten gepflanzt und bewässert. Täglich sind mehr als 150 Mitarbeiter mit 50 Gießfahrzeugen unterwegs. Die Bäume werden dabei mit rund 300.000 Liter Wasser versorgt. Das reicht aber nicht aus. Vor allem Jungbäume brauchen in den ersten drei Jahren viel Wasser. Projekte wie Baumpatenschaften und die Betreuung von Baumscheiben oder Obstbäumen helfen der Stadt Wien gegen die Austrocknung der Bäume.

Der durch den Klimawandel bedrohte Baumbestand ist mehr als optische Aufwertung im Straßenbild. Er spendet Schatten, kühlt durch Wasserverdunstung, dient zur Schallreduktion und nimmt CO₂ aus der Luft. Jeder einzelne Baum bietet tausenden Tieren, Pflanzen und Pilzen Lebensraum.

Urbane Freizeit-Gärtner

Die Stadt Wien hat deshalb über die Jahre verschiedene Projekte ins Leben gerufen, um gegen den Verlust der Stadtbäume anzukämpfen. Es werden Gießkannen und Gießtaschen, sowie Beratung für die richtige Pflege zur Verfügung gestellt. Das Wasser wird aus dem eigenen Haushalt oder öffentlichen Wasserstellen wie Trinkbrunnen oder Hydranten genutzt.

Sylvia Hibler ist Co-Sprecherin der Projektgruppe „Grau wird Grün“ vom Grätzllabor, einer Initiative der Stadt Wien. Sie begleitet und unterstützt Baumpaten, wie Eveline bei der Antragstellung und Bepflanzung. Sylvia pflegt selbst einige Pflanzen und Bäume in ihrer Umgebung. Sie sagt, wenn jeder ein bisschen was mache, können Bewohner zusammen das Grätzl verändern. Wenn jeder in der Nachbarschaft gesprächig und aktiv ist, werden Menschen motiviert zu helfen. Ohne die Stadt Wien und die Bezirksvorstehung wäre das nicht möglich. Für benötigte Materialien oder Pflegemittel wird über das Grätzllabor oder den Verein Lokale Agenda 21 im Rahmen des Aktionsprogrammes Grätzleben ein gewisses Budget genutzt.

Wichtiger Beitrag

Nicht alle Bäume in Wien sind bereits automatisch bewässert. „Die Stadt hat hier aufholbedarf“, sagt Sylvia, „durch Baumpatenschaften können Anrainer und Gewerbetreibende aushelfen.“ Die Bäume werden vor allem im Sommer, wenn möglich, jeden oder jeden zweiten Tag mit 20 bis 30 Liter Wasser gegossen. Es helfen auch Bewässerungssäcke, die ein paar Tage Wasser auf die Bäume tropfen lassen, sowie auffüllbare Bewässerungsringe unter der Erde.

Eveline ist Sauberkeit und die damit verbundene Achtsamkeit für die eigene Umgebung ebenfalls wichtig. Zigarettenstummel, Plastikflaschen, Hundekot. All das hindert das natürliche Wachstum der Bäume und Pflanzen in der Stadt. Auch der Verkehr und die Abstrahlhitze von Glas- und Betonfassaden tragen zur Austrocknung der Erde bei. Eveline will auf das Thema aufmerksam machen und darüber informieren. Sylvia sagt dazu: „Es ist den Menschen nicht bewusst, dass jeder das alles selber machen kann und mit Mitteln und Unterstützung der Stadt Wien etwas bewegt wird.“ 


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