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Warum es sich auzahlen könnte, jetzt Silber zu kaufen

Eine Unze Gold ist derzeit etwa neunzig Mal so viel wert wie eine Unze Silber. Bald könnte sich das ändern. Die wachsende industrielle Nachfrage und der niedrige Silberpreis von aktuell 32 Euro pro Unze lassen Finanzexperten 2025 auf ein starkes Wachstum spekulieren, das Gold in den Schatten stellen könnte. Wird Silber das neue Gold?
Kiki Camilla Manig  •  7. August 2025 Redakteurin    Sterne  226
„Es besteht kein Risiko, denn der Silberpreis wird sich immer weiter nach oben entwickeln“, sagt Wolfgang Hufnagel, Innungsmeister der Wiener Kunsthandwerker und Goldschmiedemeister. (Foto: Shutterstock)
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Über Jahrzehnte dominierte Gold unangefochten den Markt für Edemetalle und galt als Inbegriff für Reichtum und als sichere Anlagemöglichkeit. Jetzt scheint die Rangordnung zu wanken. Der lang unterschätzte kleine Bruder von Gold erhält verstärkte Aufmerksamkeit. Wie stark holt Silber auf? Eine Umverteilung der Investitionen könnte sich laut Experten lohnen. 

„Es besteht kein Risiko, denn der Silberpreis wird sich immer weiter nach oben entwickeln“, sagt Wolfgang Hufnagel, Innungsmeister der Wiener Kunsthandwerker und Goldschmiedemeister. Silber ist eine leistbare Alternative zu Gold bei der mit geringem finanziellen Einsatz schon eine besondere Wertsteigerung eintrifft.

Die Kluft zwischen dem Gold- und Silberpreis

Der Silberpreis hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Während im Jahr 2003 der Höchstwert bei lediglich 5,96 US-Dollar pro Unze lag, stieg der Preis bis 2011 auf ein Rekordhoch von 48,70 US-Dollar. 2012 pendelte sich der Durchschnittspreis bei rund 31,15 US-Dollar ein.

Silber erzielte in den vergangenen zehn Jahren eine höhere relative Wertsteigerung als Gold, das als sicherer Hafen gilt. Während Gold stets im Fokus von Investoren stand, zeigt die Entwicklung von Silber einen robusten Aufwärtstrend, den die Industrie stützt.

„Die Nachfrage nach Silber hat sich durch die Autoindustrie enorm erhöht. Bei Elektrofahrzeugen brauchen die Hersteller eine Legierung aus Silber und anderen Metallen. Jedes Elektrofahrzeug hat auch Stecksysteme und Ladekabel, bei denen Silber eingebaut ist“, sagt ein Experte des Edelmetallunternehmens Gold & Co. 

„Der Silberpreis hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren enorm erholt“, sagt ein Experte von Gold & Co. 2015 bis 2025 hat sich der Preis nahezu verdoppelt. Dieses Wachstum hängt mit der steigenden Elektroauto-Produktion zusammen. Silber ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Elektroautos und deren Produktion wirkt wie Treibstoff für den Silberpreis. Die führende Elektroautomarke BYD produzierte insgesamt 1,7 Millionen Elektroautos im Jahr 2024, 2020 waren es nur rund 360.000.

Silber hat sich inzwischen erfolgreich in den obersten Rängen des Edelmetallmarktes etabliert. Doch der Weg dorthin war schwer.

Der Tiefpunkt in der Geschichte des Silbers

1974 begannen die texanischen Brüder Hunt, Erben einer mächtigen Öldynastie, mit umfangreichen Investitionen in Silber. Durch ihre Aufkäufe trieben sie den Preis in die Höhe. Sie wollten den Markt kontrollieren und eine künstliche Verknappung erzeugen. Insgesamt investierten die Brüder rund 6,6 Millionen US-Dollar. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht besaßen sie rund 33 Prozent der gesamten weltweiten Silberreserven.

Anfang 1980 erreichte der Silberpreis einen historischen Höchststand von etwa 50 US-Dollar pro Feinunze. Daraufhin zog die Börse die Reißleine. Die Auslieferung von Silber an die Hunt-Brüder war untersagt und größere Silberkäufe streng verboten.

Der Silberpreis fiel in der Folge. Die Hunt-Brüder unterschätzten die Risiken und gingen bankrott. 1988 verurteilten Gerichte sie wegen Verschwörung und Preismanipulation. Der Zusammenbruch brachte das gesamte Finanzsystem ins Wanken und zwang selbst die amerikanische Notenbank einzugreifen.

Silber kann mehr als gut aussehen 

Einer von vielen Gründen für den erwartbaren Aufstieg des Silbers ist dessen mannigfaltige industrielle Nutzbarkeit. Silber steckt in medizinischem Besteck und garantiert aufgrund seiner antiseptischen Wirkung Hygiene in Kliniken und Arztpraxen. In Autos sorgt das Metall für stabile elektrische Verbindungen. In fast jedem Auto ist ungefähr eine Unze Silber verbaut und auch die Elektronikindustrie nutzt es aufgrund seiner Leitfähigkeit. Kein anderes Metall leitet elektrischen Strom und thermische Energie besser als Silber.  Darüber hinaus dient das Edelmetall seit mehr als 5.000 Jahren als Münzgeld.

Gold selber herstellen?

Steigende Goldpreise erwecken auch die Fantasie von Hobbyalchemisten. Forscher arbeiten seit langem an Methoden, mit denen sich Gold künstlich herstellen ließe. 

Australische Wissenschaftler entdeckten jetzt das Bakterium Cupriavidus metallidurans, das auf Goldkörnchen lebt und in der Lage ist, giftige Goldverbindungen in reines Gold umzuwandeln. Um sich vor dem toxischen Schwermetall zu schützen, aktiviert der Mikroorganismus biochemische Prozesse, die zur Ablagerung von Gold-Nanopartikeln auf den Körnchen führen. Theoretisch müssen aber rund tausend dieser Bakterien zusammenkommen, um eine winzige Menge Gold zu erzeugen.

Auch die Kernphysik bietet einen möglichen Weg. In Experimenten bestrahlten Forscher Platin oder Quecksilber in einem Kernreaktor. Dieser Prozess, bekannt als Goldsynthese, ist jedoch energieintensiv und teuer. So faszinierend diese Ansätze auch klingen, bislang ist keiner davon rentabel. Die Herstellungskosten übersteigen den Marktwert des erzeugten Goldes bei Weitem.

Worauf achten beim Silberkauf?

Im Gegensatz zu Gold, das stark von der Schmucknachfrage abhängig ist, reagiert Silber weniger empfindlich auf konjunkturelle Schwankungen. Damit eignet es sich als sinnvolle Ergänzung für jedes Portfolio.

Trotzdem warnt der Experte vor einer Übergewichtung. Insgesamt sollten Edelmetalle maximal zehn Prozent des Gesamtvermögens ausmachen, davon idealerweise nur etwa zwei Prozent in Silber. Silber ist im Vergleich zu Gold deutlich volatiler. Zwar folgt der Silberpreis meist der Entwicklung des Goldkurses, die Schwankungen sind jedoch deutlich höher. Also Potenzial für höhere Gewinne, aber auch größere Verluste. 

Ein Experte des Edelmetallunternehmens Gold & Co. empfiehlt Privatanlegern eine Investition in Silber jedoch nicht, weil die Mehrwertsteuer 20 Prozent beträgt. „In Europa gibt es ein Gesetz, das Anlagegold von der Steuer befreit. Bei Anlagesilber ist das nicht der Fall.“ 

Würde Silber heute hundert Euro kosten, dann zahlen Endverbraucher 120 Euro für das reine Kilo Silber. Für eine gewinnbringende Investition müsste der Silberpreis theoretisch auf mehr als über 150 Euro das Kilo steigen. Für Firmen und Unternehmen hingegen sei eine Investition hochinteressant, da die Mehrwertsteuer dort wegfällt.

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