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Männerknappheit in Lettland: Frauen mieten Ehemänner

In Lettland sind Männer zur knappen Ressource geworden. Frauen überwiegen deutlich, vor allem im höheren Alter. Während Forscher ungesunde Lebensweisen dafür verantwortlich machen, reagieren Lettlands Frauen auf ihre Weise. Wenn es zu wenig Männer gibt, werden sie eben gemietet.
Julia Ehrensberger  •  17. Dezember 2025 Redakteurin    Sterne  642
In Lettland boomt das Phänomen des „Ehemanns für eine Stunde“. (Foto: Pexels/Ksenia Chernaya)
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Statistisch gesehen steckt Lettland in einer ganz besonderen Krise. Im Land leben rund 15,5 Prozent mehr Frauen als Männer, ein geschlechtsspezifischer Spalt, der mehr als dreimal so groß ist wie der europäische Durchschnitt. Besonders drastisch wird es im Alter. Unter den über 65-Jährigen kommen auf jeden Mann gleich zwei Frauen.

Doch laut lettischen Forschern steckt dahinter kein mysteriöses Massenverschwinden. Die Erklärung ist viel simpler. Lettische Männer sterben früher. Während der europäische Durchschnitt bei 28 Prozent liegt, rauchen 31 Prozent der lettischen Männer regelmäßig (bei den Frauen sind es nur zehn), sie ernähren sich schlechter, kümmern sich seltener um ihre Gesundheit und kämpfen häufiger mit Übergewicht.

Der weit verbreitete Alkoholismus führt zu mehr Lebererkrankungen und Unfällen im Verkehr, die Depressions- und Suizidraten sind überproportional hoch unter Männern. Diese ungesunden Gewohnheiten, so die Experten, seien ein Erbe der postsowjetischen Lebensweise. In einem kleinen Land wie Lettland bedeutet das schlicht, dass weniger Männer das mittlere Alter erreichen und noch weniger bis zur Pension leben.

Auch Auswanderung verschärft das Ungleichgewicht. Viele Männer verlassen Lettland auf der Suche nach besseren Jobs in Westeuropa, besonders im erwerbsfähigen Alter. 2024 wanderten rund 18.300 Menschen aus, ein großer Teil davon Männer.

Ehemann für eine Stunde

Doch während Forscher aber über die Gesundheitskrise diskutieren, haben lettischen Frauen längst eine pragmatische Lösung gefunden. Wenn es zu wenig Männer gibt, dann mieten sie einfach welche.

In ganz Lettland boomt das Angebot sogenannter „Ehemänner für eine Stunde“. Unternehmen wie „Komanda24“ werben mit „Männern mit goldenen Händen“, die gegen Bezahlung alles erledigen, vom tropfenden Wasserhahn über das Fernseher-Montieren bis zum kaputten Küchenschrank.

Ein anderer Anbieter, „Remontdarbi.lv“, treibt das Konzept noch weiter. Hier können sich Frauen per Handy ganz unkompliziert einen Ehemann auf Abruf bestellen. Doch flirten oder andere sexuelle Gefälligkeiten sind nicht inklusive. Nur die alltäglichen Reparaturarbeiten stehen zum Angebot.

So wird aus dem klassischen Klischee des „handwerklich begabten Ehemanns“ eine Dienstleistung, ganz ohne Beziehungsdrama oder Dating-Stress. 

Idee in England geboren

Die Idee ist übrigens längst kein lettisches Phänomen mehr. International hat der „Ehemann zum Mieten“ bereits Schlagzeilen gemacht. 2022 sorgte in Großbritannien eine gewisse Laura Young, dreifache Mutter, für medialen Aufruhr, als sie ihr eigenes Unternehmen „Rent My Handy Husband“ gründete. Für fünfzig Euro die Stunde vermietete sie ihren Mann James für Heimwerkerarbeiten wie Badezimmer fliesen, Teppiche verlegen oder Wände streichen. James musste sogar regelmäßig Aufträge ablehnen, weil er so beliebt war.

Doch an Lettlands Männerknappheit wird sich so schnell nichts ändern. Solange sich die Gesundheit der Männer nicht drastisch verbessert, bleibt der Gender Gap einer der größten Europas und lettische Frauen müssen weiterhin auf die Leihmänner zurückgreifen.


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