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Warum sich Fernseher und Radios trotz Streamings verkaufen

Netflix am Tablet und Podcasts am Handy. Fernsehabende wie früher sind ein Auslaufmodell, genau wie klassisches Radiohören. Warum verkaufen sich TV-Geräte und Radios nach wie vor?
Julia Ehrensberger  •  23. Dezember 2025 Redakteurin    Sterne  544
Fernsehen und Radiohören wie früher ist ein Auslaufmodell, doch TV-Geräte und DAB+-Radios verkaufen sich nach wie vor gut. (Foto: Shutterstock)
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Früher war der gemeinsame Fernsehabend ein Ritual. Nach dem Abendessen versammelte sich die Familie im Wohnzimmer und ließ den Tag bei einem spannenden Film ausklingen. Das hat sich geändert. Während sich die Kinder ihren Lieblingsserien widmen, sehen sich die Eltern eine Dokumentation aus der ORF-Mediathek auf dem Tablet an. Wer früher Radio hörte, ist längst bei Podcasts und Spotify gelandet, selbst beim Autofahren. Wozu stehen dann eigentlich noch Fernseh- und Radiogeräte in den Wohnzimmern? Kauft die überhaupt noch jemand? Eine Marktrecherche liefert ein interessantes Ergebnis. Radios entwickeln sich tatsächlich zu Ladenhütern. Doch bei Fernsehern spiegelt sich der Trend zum Entertainment über kleinere Geräte bei den Verkaufszahlen bisher nicht wider. Sie stiegen zuletzt sogar deutlich.

550.000 Fernseher verkauft

Laut aktuellen Daten verfügten 2024 rund 94 Prozent aller österreichischen Privathaushalte über mindestens ein TV-Gerät. In mehr als vierzig Prozent der Haushalte stehen sogar Zweit- oder Drittgeräte. Besonders beliebt sind Smart-TVs. Bereits 83 Prozent der Wohnzimmer sind mit den internetfähigen Varianten ausgestattet.

Mehr als 550.000 Geräte gingen 2024 über den Ladentisch, ein Plus von 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz lag bei 380 Millionen Euro, der durchschnittliche Gerätepreis bei rund 685 Euro.

Auffällig ist der Trend zu größeren Bildschirmen. Fernseher mit 55 bis 69 Zoll dominieren den Markt und machen fast die Hälfte des Umsatzes aus.

2024 schalteten 5 Millionen Österreicher den Fernseher mindestens ein Mal täglich ein, was 66 Prozent der TV-Bevölkerung ab zwölf Jahren entspricht.

Beim Zugangsgerät zum Fernsehen liegt der Smart-TV klar vorne. 59 Prozent der Befragten nutzen ihn laut einer Studie laut der Schweizer Internetfernsehen- und Video-on-Demand-Plattform Zattoo am liebsten zum Fernsehen. Auf den Plätzen danach folgen Laptops, PCs und Handys mit je 39 Prozent.

MediaMarkt berichtet von leichtem Verkaufsrückgang

Laut einer Sprecherin von MediaMarkt zeigt sich derzeit trotzdem ein leichter Rückgang bei den Verkaufszahlen von Fernsehern. Der sei allerdings nicht eindeutig auf die vermehrte Nutzung von Smartphones und Tablets zurückführen, sondern auf saisonale Schwankungen. „Beispielsweise nehmen wir besonders bei Sportgroßereignissen eine verstärkte Nachfrage nach modernen TV-Geräten wahr. Es gebe auch einen klaren Trend in Richtung Big-Screen-TVs mit hoher Bildqualität, um in den eigenen vier Wänden ein echtes Kinoerlebnis zu erzeugen.“

Konsumenten würden zunehmend hochwertigere Modellen wählen und sie dafür seltener ersetzen. Zudem beklagt MediaMarkt die geringe Innovationsquote am Markt. Funktionen wie App-Steuerung oder KI-gestützte Bedienung könnten demnach künftig neue Wachstumspotenziale schaffen.

Radionutzung im Abwärtstrend

Im Gegensatz zum TV-Markt zeigt der Radiomarkt seit Jahren einen deutlichen Abwärtstrend. Besonders betroffen sind reine UKW-Geräte, also klassische analoge Radios. Laut Daten der Rundfunk und Telekom Regulierung (RTR) gingen 2021 noch rund 318.000 UKW-Geräte weg, 2022 waren es 284.000 und 2023 nur noch 206.000 Stück. Etwas stabiler zeigen sich DAB+-Empfänger, also Radios, die Digital Audio Broadcasting Plus unterstützen und bessere Klangqualität und mehr Senderauswahl bieten. Hier gingen die Verkäufe von etwa 103.000 Stück im Jahr 2021 auf 98.000 im Jahr 2022 und schließlich 88.000 im Jahr 2023 zurück. Die Radionutzung weicht zunehmend den digitalen Audioangebote wie Streaming, Podcasts oder Webradio.

Bildschirmfatigue nach Corona

Immerhin wächst zumindest bei MediaMarkt die Nachfrage nach den genannten Spezialradios: „Wir sehen eine wachsende Nachfrage im Bereich Digitalradio mit DAB+ Funktionen“, so die Sprecherin. Nicht nur TV, auch das Radiohören würde in den kommenden Jahren weiterhin begehrt bleiben, glaubt sie.

Das prophezeit auch Mediadatenspezialistin Susi Kirschner. Nach Jahren intensiver Bildschirmnutzung scheine sich eine gewisse Müdigkeit eingestellt zu haben. „Mit der extrem hohen Bildschirmnutzung während der Lockdowns, ob durch TV, Streaming oder Videocalls, dürfte sich eine Art Bildschirm-Fatigue breit gemacht hat“, sagt sie.

Was auch zur neuen Lust am großen Bildschirm passe: „Die Menschen sind es leid, ständig auf kleine Screens wie Smartphones oder Tablets zu starren, das führt nur irgendwann zum Handynacken.“

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