Die Österreicher sind sauer und die Regierung beruhigt mit dem Verweis auf eine baldige Besserung der Lage, doch die Diskussion hält sich: Die Inflation in Österreich liegt seit vergangenem Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt und nun soll unter anderem eine Mehrwertsteuersenkung Abhilfe schaffen. Doch der Aufregung könnte, zumindest zum Teil, ein simpler Irrtum bei der Berechnung zugrunde liegen.
Konkret müssen die Statistiker bei der Berechnung der durchschnittlichen bundesweiten Inflation die Preiserhöhungen im ländlichen Raum ebenso berücksichtigen wie jene im städtischen. Dies deshalb, weil in den Städten dank zahlungskräftigerer Bewohner und des nicht besonders preissensiblen Tourismus der Preisdruck geringer ist und die Inflation deshalb dynamischer verläuft und höher ausfallen kann, als außerhalb der Ballungsräume. In Städten erhöhen vor allem steigende Mieten, Energiepreise und Dienstleistungen die Ausgaben deutlicher als am Land.
Nun prüfen die Spezialisten des Institutes für höhere Studien (IHS), das in seinem sogenannten Preismonitor die Inflationsraten laufend publiziert, ob das für die österreichische Datenerhebung zuständige Östat die Zahlenbasis ausschließlich im urbanen Raum erhoben und den ländlichen ausgespart hat. Was bedeuten würde, dass die bundesweite durchschnittliche Inflation niedriger läge als bisher angenommen geben.
Eine Nachfrage bei Sebastian Koch, der im IHS dessen „Research Group“ leitet und für die Preismonitore zuständig ist, bestätigt das. „Wir arbeiten mit sogenannten Index-Städten, darunter sind unter anderem die Landeshauptstädte, sowie Wels, Krems und Villach. Das ist ein international üblicher Vorgang“, sagt Koch mit Verweis auf die USA. Deutschland mit dem Österreich sich im Rahmen des EU-Vergleichs misst, erhebt seine Inflationswerte gezielt aber auch im ländlichen Raum. Das mit dem ÖSTAT vergleichbare DESTATIS, hat die Bundesrepublik in 94 Regionen aufgeteilt. In diesen Regionen hat das DESTATIS im Rahmen eines repräsentativen Stichprobenplans neben den großen Städten auch mittlere und kleine Gemeinden ausgewählt.
„Faktum ist aber, dass wir beispielsweise die Gastronomen am Land nicht mit einkalkulieren“. Schätzungen, wo die österreichische tatsächliche Inflation liegen würde, will Koch nicht abgeben. Erwartbar wäre laut anderen Experten, dass die Inflation am Land um 0,7 bis 1,6 Prozent niedriger liegt. Nach Bereinigung der Datengrundlage könnte die bundesweite Inflationsrate deshalb um bis zu 0,8 Prozent niedriger und damit bei vergleichsweise schon moderaten 3 Prozent liegen. Im EU-Schnitt liegt sie derzeit bei 2,6 Prozent.
Zur Berechnung der Inflation vergleichen Expertinnen und Experten sogenannte Warenkörbe. Ein Warenkorb enthält jene Güter und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher Haushalt regelmäßig kauft. Für 2026 erwartete das IHS schon bisher einen Rückgang auf etwa 2,5 Prozent.
Die üblicherweise niedrigere Inflation in ländlichen Gebieten entlastet deren Bewohner im Vergleich zu den Städtern übrigens nicht. Am Land steigen vor allem die Kosten für Mobilität und Energie. Die täglichen Arbeitswege verursachen höhere Treibstoffausgaben, während Alternativen zum Auto fehlen. Zwar profitieren ländliche Regionen teilweise vom direkten Zugang zu regionalen Lebensmitteln, was einzelne Preisschwankungen abfedern kann, doch auch die Einkommen sind durchschnittlich niedriger.
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