Mit einfachen Werkzeugen und ohne Schutzmaßnahmen begeben sich Minenarbeiter im Kongo in Lebensgefahr. Ihr Land ist vom Krieg gezeichnet und doch kriechen sie durch die Schächte der Mienen. Sie graben nach Kobalt, das in Handy-Akkus landet, die Apple für bis zu 1.400 Euro verkauft.
Laut dem kongolesischen Menschenrechtsanwalt Jean Pierre Okenda ist der Lohn für die Minenarbeiter zu gering, um sich das Fehlen von der Arbeit zu leisten zu können, nicht einmal bei gefährlichsten Bedingungen. Nach starkem Regen stürzte so vor wenigen Wochen eine von Rebellen kontrollierte Mine im Osten des Landes ein. Mindestens 200 Menschen starben. Darunter auch Frauen und Kinder. Für das Kobalt in Handys sterben also Menschen. Die EU will das jetzt ändern.
Aus der Mine im Kongo bis an die Kasse im Applestore: Ein Iphone muss durch 28 Länder und bezieht von 180 Zulieferern Komponenten. So eine Lieferkette nachzuverfolgen, ist fast unmöglich, der Globalisierung sei Dank. Deshalb sollen Lieferkettengesetze Unternehmen jetzt dazu verpflichten, ihren Einfluss auf Menschenrechte und die Umwelt transparent zu machen. Das stellt einen wesentlichen bürokratischen Mehraufwand dar.
Eines dieser Gesetze ist die „Corporate Sustainability Due Diligence Directive” (CSDDD) der EU. Europäische Firmen sollen ihren Einflussbereich genau dokumentieren. Alle Zulieferer, Herkunftsgebiete und vor allem, ob Zulieferer Menschenrechte achten. Was passiert, wenn Menschenrechtsverletzungen nicht so leicht erkennbar sind? Dafür müssen Firmen Beschwerdestellen für Betroffene einrichten. Offen bleibt, wie Unternehmen mit den Meldungen umgehen werden.
Lieferkettengesetze scheinen also eine vernünftige Sache zu sein. Warum winkt die Politik sie nicht einfach durch? Bei der Umsetzung globaler Lieferkettengesetze gibt es seitens der Wirtschaft Gegenwind. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) kritisiert das CSDDD, da sich europäische Unternehmen bereits an strenge Vorschriften halten müssten. Die Verantwortung für Verfehlungen, auch außerhalb ihres Einflussbereichs, läge bei ihnen selbst.
Eine österreichische Firma müsste also zum Beispiel unsichere Arbeitsbedingungen in Peru verantworten, weil sie Produkte aus dem Land importiert. Lieferketten erstrecken sich oft über mehrere Kontinente. Nachweise von fairen Arbeitsverhältnissen sind da oft schwer. Jeder Arbeitsschritt muss dokumentiert werden. Dieser bürokratische Aufwand bleibe nur an europäischen Firmen hängen, so die WKÖ. Ein Nachteil mehr im internationalen Konkurrenzkampf.
Konsumenten fordern Gerechtigkeit entlang der Lieferkette. Das ist nicht neu, der steigende Umsatz von Fairtrade-Produkten spiegelt das wider. Führen dürfen es nur Unternehmen, die Produzierende fair behandeln. Das geht, weil sie zum Beispiel weniger Zwischenhändler involvieren. Rechtlich ist der Begriff “fair” aber nicht definiert. Das Label genießt trotzdem hohes Ansehen: 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, Fairtrade zu vertrauen. Der Gesamtumsatz des Unternehmens ist 2024 um rund 6,5 Prozent gestiegen.
Der Schutz von Menschenrechten liege bei den Staaten, heißt es. Eine weltweite Regelung müsse her. Auch Menschenrechtsaktivistin Thabata Pena Pereira fordert einheitliche, globale Standards. Sie vertrat eine Koalition von NGOs bei UN-Verhandlungen über ein verbindliches Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten. Die Staaten, sagt sie, müssten einen rechtlichen Rahmen schaffen, der die Menschenrechte und die Umwelt wirksam schütze.
Wird das CSDDD tatsächlich Arbeiterrechte schützen und Lieferketten transparent machen? Oder wird es zu einem Bürokratie-Brocken, der doch nicht verhindern kann, dass Menschen für unsere iPhones sterben? Die Praxis wird es zeigen.
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