Márk Debreczeni steht im Klassenzimmer und blickt auf seine Schüler. Für ihn entscheidet sich Politik genau hier. Die jüngste Parlamentswahl, bei der Herausforderer Péter Magyar den Langzeit-Ministerpräsidenten Viktor Orbán besiegte, nährt seine Hoffnungen. „Wenn sich im Unterricht etwas verändert, dann hat sich die Wahl gelohnt“, sagt er.
Debreczeni ist einer von Hunderttausenden, die lange auf Orbáns Wandel hofften, und jetzt frischen Wind wollen. In ihn hineinzuhören zeigt, wie viele Ungarn derzeit ticken. Umzudenken fing er an, als Magyar vor zwei Jahren erklärte, Orbán System sei instabiler, als es den Anschein habe. Ein Satz, der damals bei Debreczeni hängen blieb.
Es folgte eine Reise Magyars durch mehr als 700 Orte. Was den jungen Lehrer beeindruckte. „Er geht zu den Leuten“, sagt er. Dass Magyar teils impulsiv wirkt, nimmt er in Kauf. Das werde sich mit der Erfahrung im Amt auswachsen. Und dann das Programm des Neuen. „Wenn er ein Viertel davon umsetzt, reicht mir das schon.“
Politik, das bedeutet für den Pädagogen vor allem Bildungspolitik. „Die Struktur passt nicht mehr“, sagt er. Lehrpläne geben Inhalte genau vor. Eigene Ideen lassen sich schwer umsetzen. Er würde gern stärker projektbasiert arbeiten. Schüler sollen Themen selbst erarbeiten, statt nur Inhalte auswendig zu lernen. Im Sprachunterricht könnten sie dann aktuelle Themen behandeln. Doch der aktuelle Lehrplan lässt wenig Raum dafür. „Das Material wirkt oft nicht zeitgemäß“, beklagt er.
Unter Viktor Orbán zog das Parlament mehrere Reformen im Bildungsbereich durch. Das sogenannte „Statusgesetz“ aus dem Jahr 2023 etwa. Es veränderte die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften grundlegend. Sie verloren ihren Status als öffentlich Bedienstete, bekamen politische Vorgaben für den Unterricht, Freiheiten im Unterricht fielen weg und die Arbeitsbelastung stieg. Das Gesetz erlaubt es den Behörden auch, Lehrkräfte innerhalb von Regionen zu versetzen, wenn Personal fehlt.
Proteste von Lehrkräften waren die Folge. Schüler und Eltern gingen mit ihnen gemeinsam auf die Straße. Tausende beteiligten sich an Aktionen. Einige Lehrer verloren als Folge davon ihre Jobs. Debreczeni beschreibt die Stimmung vorsichtig. „Viele sind müde“, sagt er. Er kennt Kollegen, die den Beruf freiwillig aufgegeben haben.
Kein Wunder, dass Ungarn jetzt mit einem deutlichen Mangel an Lehrkräften kämpft. In manchen Schulen fällt Unterricht aus, weil Personal fehlt. Auch die Bezahlung bleibt ein Thema. Studien zeigen, dass Lehrkräfte in Ungarn im europäischen Vergleich wenig verdienen. „Wir brauchen wieder mehr Dialog“, sagt Debreczeni und meint Gespräche zwischen Politik, Schulen und Gesellschaft. Schluss mit der Quasi-Diktatur im Klassenzimmer. „Wenn ich meinen Unterricht so gestalten kann, wie ich es für sinnvoll halte, dann hat sich etwas verändert“, sagt er.
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