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Ein Fahrrad, das Leben verändert

Buffalo Bikes, gebaut im Rahmen einer philantropen Initiative als robuste Packesel für jeden auch noch so holprigen Weg, schaffen in Entwicklungsländern Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Arbeit. Lässt sich so ein bloß 200 Euro teures Rad auch in Europa erwerben?
Sophie Ritsch  •  28. Juli 2025 Volontärin    Sterne  52
Buffalo Bikes in Uganda: In lokalen Werkstätten montiert, schaffen die Fahrräder nicht nur Mobilität, sondern auch Arbeitsplätze. (Foto: Hajarah Nalwadda / AP / picturedesk.com)
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Georgina, eine verwitwete Bäuerin in Sambia, verdient ihren Lebensunterhalt mit der Milch ihrer drei Kühe auf einer kleinen Farm. Jahrelang konnte sie ihre Milch nur teilweise verkaufen, weil der Fußweg zur Sammelstelle zu lang war. „Wenn wir nur einmal die Milch nicht ausliefern können, ist das ein Verlust“, erklärt sie. Schließlich bekam sie ein Fahrrad, ein sogenanntes Buffalo Bike. Ausfälle gibt es jetzt kaum noch.

Der Fahrradhersteller Buffalo Bicycles ist eine Tochtergesellschaft der NGO World Bicycle Relief. Die will in Zusammenarbeit mit Partnern wie UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Menschen in Entwicklungsländern auf zwei Rädern mobil machen und so ihren Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitswesen verbessern.

Das Buffalo Bike kann zweifellos auch Fahrrad-Fetischisten in wohlhabenden Ländern verlocken. Als robustes Alltagsgefährt mit massivem Stahlrahmen und verstärkten Speichen, gebaut für Wald- und Wiesenpfade ebenso wie für Schotterstraßen und alle anderen holprigen Verkehrswege, gehört es laut Herstellern zu den „stärksten Fahrrädern für den ländlichen Raum“. Hundert Kilo Last schafft es demnach, Entwicklung, Fertigung und Montage erfolgen, schon wegen der so entstehenden Arbeitsplätze, vor Ort.

Zu dritt zur Schule

Auch das Leben der 17-jährigen kenianischen Schülerin Scholastica hat sich dank eines Buffalo Bikes verändert. Sieben Kilometer hat sie bis zur Schule. Bevor sie das Bike bekam, war sie dort und daheim beim Lernen müde, auch weil sie dazu noch ihre Cousinen in die Grundschule bringen musste. Jetzt fahren sie zu dritt auf ihrem Rad, und Fälle wie dieser haben tatsächlich Einfluss auf das Bildungsniveau. Die Schulabbruchsrate sinkt durch die Buffalo Bikes, zumindest laut der NGO World Bicycle Relief.

Auch das Gesundheitswesen profitiert. 2015 erhielt das ebenfalls kenianische Malaha Dispensary and Health Center dreißig Buffalo Bikes für freiwillige Krankenpfleger. Menschen im ländlichen Afrika sind mangels staatlicher Alternativen auf diese Form des Gesundheitswesens angewiesen. Mit dem Bike können Pflegekräfte 88 Prozent mehr Patienten besuchen und viermal weitere Strecken zurücklegen als zu Fuß. Es bleibt mehr Zeit für Versorgung und die Pfleger können besser auf individuelle Bedürfnisse eingehen.

Bei der Vergabe der Buffalo Bikes sind Frauen und Mädchen bevorzugt. 70 Prozent der Räder gehen an sie, als Ausgleich für ihre strukturelle Benachteiligung in den meisten Ländern des globalen Südens.

Für Menschen, nicht für den Markt

Händler oder Bauern, die nicht Teil des Hilfsprogramms sind, können die Buffalo Bikes zu reduzierten Preisen kaufen. Auf Bestellungen aus dem Ausland ist das Projekt nicht eingerichtet, aber ein Versuch über die Webseite lohnt sich.

Demnach kostet die Herstellung eines Exemplars 147 Euro, so viel müssen Spender, über die sich die Initiative nebst Fördergeldern finanziert, geben, um ein Fahrrad zu finanzieren. Wer ein Buffalo Bike kaufen möchte, steigt ebenfalls günstig aus. 200 Euro fallen dafür an, allerdings kommt der Versand hinzu, und der geht ins Geld. Der Transport des 25 Kilo schweren Gefährtes nach Österreich kostet um die tausend Euro. Der Gesamtbetrag liegt dann schon über dem für ein ebenfalls belastbares und top-modernes KTM-Treckingbike, das freilich im Straßenbild für weniger Aufsehen sorgen würde.

Spenden ist jedenfalls einfacher, und es zahlt sich aus: „Das Fahrrad hat mein Selbstvertrauen gestärkt“, erzählt die kenianische Scholastica, die jeden Tag munter und mit den Kids aus der Familie am Rücksitz 14 Kilometer über Stock und Stein zur Schule und zurück radelt. 


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