In den Medien taucht immer häufiger der Begriff WPF, der für „Wolfs Protein Fasten“ steht. Um dieses Konzept zu verstehen, rückt zunächst der Namensgeber in den Fokus: Christian Wolf, Mitgründer der Marke More Nutrition. Wolf begann zunächst ein Pharmazie-Studium, wechselte dann zur Medizin und später zu BWL. Auch ohne Abschluss erzielte er 2017 einen Durchbruch: Er gründete mit seinem Team die Marke More Nutrition, ein Unternehmen für Sport- und Nahrungsergänzungsmittel, das sich auf Proteinprodukte und Fitness-Ernährung spezialisiert hat.
Die Auswahl der Produkte ist enorm, von Proteinriegeln, Pulvern und Shakes über Soßen, Gewürze und Nahrungsergänzungsmittel. Das Geschäftsmodell ist eindeutig: High Protein und Low Calorie. Damit erzielt More Nutrition nach eigenen Angaben rund 800 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.
Christian Wolf behauptet, mehr als 15 Kilo abgenommen zu haben und mehr als 700.000 Menschen bei ihren Diäten unterstützt zu haben. Aber wie fing alles an?
Der Unternehmer experimentierte davor wiederholt mit Intervallfasten, scheiterte jedoch regelmäßig an Heißhungerattacken, bis er eine Idee hatte. Er stieß auf den amerikanischen Arzt Peter Attia, der vor allem für seine Arbeit im Bereich Longevity bekannt ist. Attia befürwortete Intermittent Fasting, warnte jedoch vor Proteinmangel durch das eingeschränkte Zeitfenster für Nahrungsaufnahme.
Attia selbst nimmt morgens nur einen Proteinshake zu sich, isst seine erste Mahlzeit gegen 14 Uhr und am Abend zwischen 18 und 19 Uhr seine zweite und letzte Mahlzeit.
Das fand Wolf interessant. Er kombinierte daraufhin Intervallfasten mit Proteinshakes und legte damit den Grundstein für das WPF. 2025 veröffentlichte er sein eigenes Buch: „Der Protein-Fasten-Trick – Wie du mit WPF effektiv Fett verlierst: Das Abnehm-Buch ohne Jo-Jo-Effekt & Heißhunger – Mehr Kontrolle im Alltag, Routinen für Fokus und Balance“. Damit erreichte er dank seiner vielen Follower Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.
Wolfs Proteinfasten stellt eine Kombination aus Intervallfasten und Proteinshakes dar. Aber was genau bedeutet das? Der tägliche Kalorienbedarf wird durch zwei Proteinshakes, sowie zwei Mahlzeiten gedeckt.
Wolf betont, dass die Mahlzeiten bewusst gestaltet sein müssen, da nur ein Kaloriendefizit zum Abnehmen führt. Er empfiehlt Frauen, bei der ersten Mahlzeit unter 450 Kalorien und bei der zweiten unter 750 Kalorien zu bleiben. Zusammen mit den Proteinshakes ergibt das 1.700 Kalorien pro Tag, nach Wolfs Darstellungen ein Defizit. Für Männer spricht er von einer Tagesbilanz von etwa 2.000 Kalorien.
Nach Wolfs Darstellung führt jedes Kaloriendefizit zu Gewichtsverlust. Entscheidend sei jedoch die Nährstoffverteilung: Eine eiweißreiche Ernährung solle verhindern, dass Muskelmasse verloren geht, und den Abbau von Körperfett fördern
Durch eine erhöhte Proteinzufuhr stellt sich länger anhaltende Sättigung ein, was die gesamte Nahrungsaufnahme verringern kann. Kalorie ist auch nicht gleich Kalorie, denn Proteine haben einen höheren thermischen Effekt als andere Nährstoffe: Bei Proteinen liegt er bei zwanzig bis dreißig Prozent bei Kohlenhydraten bei fünf bis zehn Prozent und bei Fett bei null bis drei Prozent. Die Verdauung und Verstoffwechselung von Proteinen erfordert also mehr Energie als die von Fett oder Kohlenhydraten. Dadurch geht ein größerer Anteil der aufgenommenen Kalorien als Wärme verloren.
In einem Kaloriendefizit gehen normalerweise neben Fett auch Anteile der Lean Body Mass (fettfreie Körpermaße) verloren. Eine eiweißreiche Ernährung mit mehr als 1,25 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag kann jedoch dazu beitragen, vor allem Fett zu reduzieren und die Muskelmasse weitgehend zu erhalten.
„Bei einem hohen Kaloriendefizit werden schnell Muskeln abgebaut und dieser Abbau lässt sich tatsächlich durch ausreichend Protein bremsen“, so Julia Fischer, Ärztin, Journalistin und Moderatorin. Ebenso betonte sie, dass solche Diäten nur unter ärztlicher Aufsicht und regelmäßiger Beratung durchgeführt werden sollten.
Es ist naheliegend, dass ein Mitbegründer einer Protein-Firma für Proteinpulver und Nahrungsergänzungsmittel wirbt. Kontrovers diskutiert wird jedoch , wie Wolf Proteinshakes, Light-Soßen, Zerups und Ersatzprodukte promotet. Mit Aussagen wie „Sushi ist eine der unterschätztesten Kalorienbomben der Welt“ oder „Wir lassen immer die Soßen weg, denn so eine Subway-Soße hat pro 100 Milliliter locker mehrere hundert Kalorien“ stieß der 30-Jährige auf erheblichen Gegenwind in den sozialen Medien.
Auch seine Verlobte, Romina Palm, ehemalige Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel, erntete Kritik für die Nutzung der Produkte von More Nutrition. Die Influencerin behauptete, mit Hilfe von Wolf und seiner Ernährungsform ihren Weg aus einer Essstörung gefunden zu haben.
Die Influencerin @minimalara griff die Thematik in einem TikTok-Video auf. Sie argumentierte, Proteinfasten sei keine geheilte Essstörung, sondern vielmehr eine Verschiebung der Symptome und der Sucht. Das Auslassen einer Mahlzeit, um sie durch einen Shake zu ersetzen, sowie der überwiegende Konsum von Light- und High-Protein-Produkten seien nicht Ausdruck von Heilung, sondern vielmehr eine neue Form der Kontrolle. In den Kommentaren erhielt Lara für ihr Video Zuspruch.
Eine Welle der Kritik richtet sich gegen Christian Wolf, More Nutrition und dem Konzept des Proteinfastens. Immer mehr Menschen in den sozialen Medien äußern öffentlich ihre Ablehnung und wenden sich gegen Marke und Unternehmer.
„Ich war in der More-Bubble gefangen hab monatelang Proteinfasten gemacht nur Ersatzstoffe gegegessen, was bei mir leider nicht so gut geendet ist“, berichtete @sportymarlena ihrer Community auf Instagram. In den Kommentaren erhielt sie viel Verständnis und Unterstützung, viele andere schilderten ähnliche Erfahrungen.
„Also dieses Proteinfasten ist von vorne bis hinten ein dummer Marketing-Gag, der überhaupt garkeinen Sinn ergibt und nur dafür in die Welt gesetzt wurde, um euch Produkte zu verkaufen“, wetterte YouTuber und Personal Trainer Christoph Gehrke.
„Du spielst mit der Gesundheit deiner Follower und förderst damit Esstörungen“, konfrontierte Influencerin @johannaluux, die selbst an einer Essstörung gelitten hat, Christian Wolf über die sozialen Medien.
Der Widerhall ist groß, doch Wolf bleibt seiner Ernährungsform standhaft. In einem TikTok-Video erklärt er: Ihm gehe es nicht darum, besonders sympathisch zu wirken, sondern er wolle konsequent die Tipps weitergebe, die wirklich funktionieren.
Fakt ist also, ein Kaloriendefizit führt zu einer Gewichtsabnahme und Proteine können einem dabei helfen. Doch die Kritik am Proteinfasten von Wolf kommt nicht nur von Menschen in sozialen Medien. Auch die Medizin warnt vor Risiken, die diese Form der Ernährung bergen kann.
Die Nebenewirkungen seien bislang unbekannt betont Tobias Weigl, Notarzt und Assistenzarzt für Anästhesie und Intensivmedizin in einem YouTube-Video. Mögliche Folgen könnten Magengeschwüre, eine Schädigung der Darmflora, Essstörungen oder Erschöpfungszustände sein.
Matthias Riedl, Arzt für Innere Medizin, Ernährungsmedizin und Diabetologe, warnt auf seinem Instagram Account Menschen mit einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion vor einer zu hohen Eiweiszufuhr. Eine dauerhaft erhöhte Eiweißzufuhr führe zu einer größeren Harnstoffbelastung, wodurch die Nieren stärker arbeiten müssen. Riedl rät Erwachsenen im Alter von 19 bis 65 Jahren zu einer täglichen Eiweißzufuhr von etwa 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilo Körpergewicht. Personen, die regelmäßig Kraftsport betreiben, benötigen hingegen deutlich mehr, nämlich rund 1,6 bis 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Hans Hauner, Ernährungsmediziner und Diabetologe, kritisiert das Proteinfasten als erratisch und stark restriktiv. Er sieht darin vor allem ein Instrument zur Promotion und zum Verkauf überteuerter Eiweißprodukte. Seriös oder empfehlenswert sei dieses Konzept daher nicht.
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