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Rohmilch, Nährstoffbombe oder Gesundheitsrisiko

Immer öfter zeigen Nutzer auf Instagram und TikTok Videos, in denen sie Rohmilch trinken und bewerben. Rohmilch sei voll mit natürlichen Enzymen und Vitaminen, die handelsübliche Milch nicht mehr enthält. Sie soll so gut verträglich sein, sogar Menschen mit Laktoseintoleranz könnten sie problemlos konsumieren. Stimmt diese Darstellung wirklich oder handelt es sich eher um einen potenziell gefährlichen Food-Trend?
Sophie-Leonie Foidl-Widhalm  •  1. September 2025 Volontärin    Sterne  168
Foto: Shutterstock
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Der Begriff ist selbsterklärend. Rohmilch kommt direkt von der Kuh und durchläuft keine Erhitzung. Sie liegt somit in unbehandelter Form vor. Dadurch unterscheidet sie sich von handelsüblicher Milch, die pasteurisiert ist. Dabei erfolgt eine kurzzeitige Erhitzung auf 72 bis 75 Grad. In den USA gilt ein generelles Verkaufsverbot. In Österreich ist Rohmilch erhältlich.

(Leere) Versprechen und was wirklich dahintersteckt

Rohmilch soll mehr Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe und positive Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben. Viele Befürworter stellen sie als „Superfood“ schlechthin dar. Aussagen wie: „Keine Angst vor bösen Bakterien“, „Rohmilch ist voller natürlicher Enzyme“ oder auch „Rohmilch ist für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglich“, kursieren in den sozialen Netzwerken. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter diesen Behauptungen?

Die Erwärmung von Milch, wie durch Pasteurisierung, hat nur einen geringen Einfluss auf den Gehalt ernährungsphysiologisch relevanter Vitamine. Insbesondere Riboflavin (B2) und Cobalamin (B12) verändern sich dabei kaum. Vitamin B12 spielt eine entscheidende Rolle für den Energiestoffwechsel, die Bildung roter Blutkörperchen und den Schutz der Nervenhüllen. Riboflavin unterstützt den Körper bei der Energiegewinnung und trägt zur Herstellung von Eiweiß bei.

Auch andere B-Vitamine wie Pyridoxin (B6), das an der Bildung roter Blutkörperchen beteiligt ist, Niacin (B3), das den Energietsoffwechsel und das Nervensystem unterstützt, Pantothensäure (B5), die an der Hormon- und Vitamin-D-Synthese mitwirkt, sowie Biotin (B7), das den Abbau von Nährstoffen reguliert, bleiben selbst nach einer Sterilisation fast vollständig erhalten. Der Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen dürfte in Rohmilch und erhitzter Milch gleich sein.

Wer Laktose nicht verträgt, spürt das oft schnell. Von Bauchschmerzen und Krämpfen bis zu Durchfall oder Verstopfungen. Die Unverträglichkeit kann sich individuell äußern. Der Grund dafür? Menschen mit Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase, das Laktose spaltet. Milch enthält keine Laktase, auch Rohmilch nicht. Sie kann also von Menschen mit Laktoseintoleranz nicht problemlos konsumiert werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte keine Influencer 

Die Gefahren des Konsums von Rohmilch bleiben in Videos von Befürwortern meist unerwähnt. Auch wenn Milcherzeuger die bestmögliche Hygiene einhalten, besteht kein Schutz vor möglichen Risiken. Selbst bei größter Sorgfalt in der Produktion lässt sich ein Risiko nicht ausschließen. In Rohmilch treten Krankheitserreger wie SalmonellaCampylobacter und Listeria sowie Escherichia coli O157:H7 auf, die ernsthafte Krankheiten verursachen können. Die Folgen können lebensbedrohlich sein und reichen von akuten Darmentzündungen über Nierenversagen bis hin zu Fehlgeburten.

Besonders gefährdet sind Schwangere, ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie Säuglinge und Kleinkinder.


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