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Trump nimmt regelmäßig Aspirin: Macht das Sinn?

Seit tausenden Jahren machen sich Menschen den natürlichen Wirkstoff zu Nutze, der die Basis des Aspirin bildet. Doch ärztliche Warnungen vor regelmäßiger Aspirin-Einnahme werden lauter.
Robert Gafgo  •  5. September 2025 Redakteur    Sterne  742
Erstmals 1899 von Bayer auf den Markt gebracht, gehört Aspirin heute zum Standardrepertoire jeder Hausapotheke. (Foto: Shutterstock)
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Salicin, so heißt eine Chemikalie, deren Wirkung seit dem Altertum bekannt ist. Als eine der ältesten Arzneien der Menschheit fand sie schon vor 5.000 Jahren bei den Sumerern im südlichen Mesopotamien Verwendung. Bei Fieber, Entzündungen und Schmerzen jeder Art.

Salicin kommt vor allem in der Rinde von Weidenbäumen und anderen Pflanzen wie Pappeln, Wilden Stiefmütterchen oder dem Echten Mädesüß vor. Hippokrates, eine Art Chef-Arzt der Antike, setzte es ebenfalls ein. Im vierten Jahrhundert vor Christus verschrieb er seinen Patienten Weidenrinden-Tees.

In den folgenden Jahrhunderten hatten salicinhaltige Pflanzen ihren festen Platz in der Volksheilkunde. Bei Einnahme wandelt der Körper das Salicin in Salicylsäure um, den Grundstoff von Medikamenten auf Basis von Acetylsalicylsäure, allgemein bekannt unter dem Markennamen Aspirin.

Milliardengeschäft für einen Pharmariesen

Im 19. Jahrhunderts entwickelte die damals noch junge Disziplin der organischen Chemie Verfahren, um Salicin und andere Salicylate aus Pflanzen zu extrahieren. Erste Medikamente wie Salicylsäure waren bereits im Umlauf. Nebenwirkung wie Hörstörungen, Schleimhaut- und Magenreizungen minderten allerdings deren Nutzen.

Die Wende kam am 10. August 1897, als der deutsche Chemiker Felix Hoffmann aus Salicylsäure und Essigsäureanhydrid reine Acetylsalicylsäure, kurz ASS synthetisierte. Die Substanz war schon länger bekannt, Hoffmanns Methode war jedoch die erste, die ASS in reiner, stabiler Form herstellte. Perfekt geeignet für die medizinische Massenproduktion. Innerhalb weniger Jahre eroberte Aspirin als eines der bekanntesten Produkte des Pharmakonzerns Bayer die Hausapotheken der Welt.

Hoffmann fand übrigens nicht nur wegen seiner Entwicklung des Aspirins Erwähnung in den Annalen der Medizingeschichte. Bereits ein Jahr zuvor, 1896, entwickelte er Diamorphin. Aufgrund des heroischen Gefühls, das es den Bayer-Chemikern gab, erhielt es bald den Namen Heroin.

Bayer wusste, sein Medikament werbewirksam in Szene zu setzen, beispielsweise mit diesem niederländischen Lieferfahrzeug in den 1920er Jahren. (Foto: dpa/APA-PictureDesk)

Erhöhtes Risiko für Magenblutungen

Weil Aspirin das Blut verdünnt, eignet es sich zur Vorbeugung gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle. US-Präsident Donald Trump schwört deshalb darauf. Im Zug der jüngsten Debatten um seinen Gesundheitszustand ließ sein Leibarzt verlauten, dass der Präsident laufend Aspirin zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehme.

Das Darmkrebsrisiko soll Aspirin gleichermaßen senken. Heinz Ludwig, einer der führenden Krebsspezialisten Österreichs, empfiehlt zum Schutz vor Darmkrebs die tägliche Einnahme geringer Mengen Aspirins.

Allerdings hat Aspirin bei der Darmkrebsprophylaxe einen entscheidenden Nachteil gegenüber Salicin. Aspirin ist im Vergleich zum altbewährten Wirkstoff der Weidenrinde zwar der bessere Blutverdünner, doch kann eben diese Eigenschaft bei längerer Einnahme die Schleimhaut im Verdauungstrakt schädigen. Blutungen im Magen-Darm-Trakt mit tödlichem Ausgang können die Folge sein.

Für Tees aus Weidenrinde eignen sich am besten die Silber-, Purpur- und Bruchweide. (Foto: Shutterstock)

Krebsprophylaxe mit weniger Nebenwirkungen

Durch die Einnahme von Tees und Extrakten der Weidenrinde lassen sich diese Nebenwirkungen vermeiden. So wie Aspirin blockieren sie die Produktion von Botenstoffen, die Entzündungen und Schmerzen fördern. Im Gegensatz zu Aspirin greift die Weidenrinde aber nicht den Magen an. Wegen dieser Eigenschaften wendet die Alternativmedizin noch heute Weidenrinde bei Rückenschmerzen, rheumatischen und Menstruationsschmerzen, Fieber, Spannungskopfschmerzen und Erkältungskrankheiten an.

Interessant für Donald Trump: Als Blutverdünner kündigen sich ebenso Alternativen zu Aspirin an. Bei gleicher Wirkung hat das Medikament Clopidogrel ein ähnliches Risiko für innere Blutungen. Es führt aber zu 14 Prozent weniger Herzinfarkten, Schlaganfällen oder anderen Todesfällen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der vergangene Jahreskongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft bekannt gab.  

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