In der einen Hand ein dampfendes Wiener Würstchen, in der anderen eine Portion Kaiserschmarrn mit viel Zucker. Jedes Jahr aufs Neue locken Wiens Weihnachtsmärkte unzählige Besucher an. Dabei punkten sie vor allem mit einem, ihrem kulinarischen Angebot. Hier scheinen keine Wünsche offen zu bleiben. Auch nicht die von Veganern?
Alle Jahre wieder locken die 14 Wiener Weihnachtsmärkte rund 4 Millionen Besucher an. Insgesamt bescheren sie den Standlern rund 125 Millionen Euro Umsatz. Laut dem „Weihnachtsmarkt-Index 2025“ der Hotelkette Accor sind Wiens Weihnachtsmärkte die schönsten Europas. Was sie zu einem Tourismusfaktor mit Nebeneinnahmen etwa in der Hotellerie, der Gastronomie oder für Prater und Fiaker macht. Denn 24 Prozent der Besucher sind Touristen. (46 Prozent sind Wiener, 30 Prozent kommen aus den Bundesländern).
Bloß wie sieht das Speiseangebot der Wiener Weihnachtsmärkte für Veganer aus? campus a hat das vegane Angebot der drei beliebtesten Wiener Weihnachtsmärkte verglichen.
Für weihnachtliche Klassiker ohne tierische Produkte ist der Christkindlmarkt am Rathausplatz die perfekte Wahl. Die rot leuchtenden Herzen in den Bäumen. Das langsam rotierende Karussell. Die gigantische rote Masche über den Köpfen. Die einen nennen ihn „zu kitschig“ die anderen „sehr romantisch.“ Fakt ist, jeder kennt ihn und er hat längst europaweites Renommee. Schließlich ist er mit seinen rund hundert Ständen der älteste Weihnachtsmarkt der Welt und der größte Wiens.
Auf der Eisfläche flitzen Eisläufer umher, während sich die Menschenmassen von Stand zu Stand schieben. Der Geruch von Süßem und Salzigem micht sich in der kalten Nachtluft. Wer vorher satt war, hat spätestens jetzt Hunger und die Qual der Wahl, auch als Veganer. Das Angebot reicht von Herzhaftem und Süßem bis hin zu Leichtem und Deftigem.
Insgesamt 22 der 35 Gastro-Stände sorgen sich um das leibliche Wohl von Veganern. Mit gezählt sind da Standard-Angebote wie Maroni, Bratkartoffeln, gebrannte Mandeln, Langosch und Bratapfel. Doch auch die vegane Bratwurst ist nahezu selbstverständlich geworden und das ist längst nicht alles. Vegane Hot-Dogs, vegane Waffeln, vegane Krautfleckerl und veganer Gugelhupf sind leicht zu finden. Eine Passantin antwortet, befragt nach ihrem Lieblings-Happen am Markt: „Der vegane Baumkuchen.“
Fazit: Der alte Markt geht mit der Zeit, Veganer können dort getrost ihr Weihnachts-Glück versuchen. Wer sucht, findet im kulinarischen Mainstream auch attraktive vegane Spezialitäten.
Noch eine Klasse besser positioniert sich der Schönbrunner Weihnachtsmarkt, der seit vergangenem Jahr in neuem Glanz erstrahlt. Märchenhaft erstreckt sich das herrschaftliche Schloss Schönbrunn im Hintergrund. Der Duft von Schokolade, Zimt und Zucker weht den Besuchern beim Betreten des Marktes entgegen. Er stammt von einem gut besuchten Crêpes-Stand. „Wir haben dieses Jahr unser Sortiment erweitert, mit Galettes (Bretonische Buchweizenpfannkuchen, Anmerkung) die es auch als vegan Variante mit Tomaten-Hummus-Avocado- oder veganer Nutella-Füllung gibt“, berichtet die Betreiberin.
Schon 17 der 26 Gastro-Stände bieten hier vegane Speisen an. Vor allem salzige wie veganen Flammkuchen, Schnitzel, Pizza oder Strudel. Das meiste davon mögen auch Nicht-Veganer, etwa die dampfende Ofenkartoffel mit Letscho. Ganz zu schweigen von veganem Leberkäse, Spätzle oder Gröstl, veganen Knödel und veganem Schnitzel. Schon eher eine Sache für Spezialisten ist das ebenfalls angebotene vegane Tofu-Kürbis-Gulasch.
Der Weihnachtsmarkt Spittelberg im Bezirk Neubau punktet erwartungsgemäß mit den meisten veganen Optionen. Früher war der Markt ein Geheimtipp, heute ist er vor allem für sein Kunsthandwerk bekannt. Die rustikalen Stände erstrecken sich über drei verwinkelte Gassen hinweg, was den Charme dieser Advent-Destination ausmacht. „Vegan“ steht auf 22 der rund dreißig Essenständen. Besonders beliebt sind auch hier Österreichs Spezialitäten in veganer Version wie der Kaiserschmarrn oder Mohnnudeln, hier meist besonders dick und selbst gemacht, mit Apfelmus oder Zwetschgenröster. Auch vegane frischgedämpfte Germknödel und Tiroler Knödel mit Sauerkraut sorgen für traditionelle österreichische Genussmoment. „Unser veganes Gröstl sorgt inzwischen für mehr Begeisterung als das Original“, freut sich eine Standlerin. Seit 2018 ist sie dabei, und schon seit damals denkt sie auch an Vegetarier und Veganer. „Das ist mir wichtig. Damit sich jeder etwas findet.“ Am Spittelberg werden längst auch vegane Gourmets fündig. Vegane Grammel- und Tirolerknödel mit karamellisiertem Sauerkraut gibt es da zum Beispiel, ein anderer Stand bietet Arepas, venezolanische Maistäschchen, mit veganen Füllungen an.
Wer sich von Fleischessern abgrenzen will, muss nach Köln. Der Weihnachtsmarkt in Köln-Kalk gilt als rein veganer Weihnachtsmarkt. Alle Stände bieten ausschließlich pflanzliche Speisen sowie nachhaltige Produkte an, was die Tourismusbehörde ausdrücklich hervorhebt. Denn damit hat sich der kleine Stadtteilmarkt zu einem Spezialformat entwickelt, das bewusst ein wachsendes veganes Publikum anspricht. Mit dem Zauber der Wiener Märkte, daran besteht kein Zweifel, kann er allerdings nicht mit.
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