Das Kabarett Simpl setzt seit hundert Jahren auf gesellschaftskritischen Humor. campus a traf Jenny Frankl, die seit 2024 gemeinsam mit Michael Niavarani das Haus künstlerisch leitet. Im Interview erzählt sie was Kabarett mit Social Media zu tun hat, wie es gelingt, jedes Alter auf die Schaufel zu nehmen und warum jede Revue zum Nachdenken anregen soll.
campus a: Der Simpl steht seit mehr als hundert Jahren für gesellschafts- und sozialkritischen Humor. Wie gelingt es dir, diese Tradition zu bewahren, aber gleichzeitig moderne Impulse zu setzen?
Jenny Frankl: Das Grundgerüst der Revue verwenden wir wie ein Skelett, das wir Stück für Stück mit Sketches ergänzen. Wir verändern nichts am Konzept: Der Conférencier spricht jedes Mal, dann kommen das Opening und dazwischen Gesangsnummern. Wir versuchen in unseren Nummern so aktuell wie möglich zu sein. Außerdem sind wir bei der Besetzung des Esembles flexibel und achten nicht darauf, ob ein Mann oder eine Frau spielen muss. Wir fragen uns, was die Menschen, ob jung oder alt, bewegt und lassen kein Thema aus.
Jenny Frankl im Gespräch mit campus a-Redakteurin Chiara Schmid. (Foto: Amin Zaazou)
campus a: In welchen Momenten bringst du bewusst einen jungen, feministischen Blickwinkel ein, da das Kabarett doch männlich dominiert ist?
Jenny Frankl: Vor allem wenn ich es Sketches schreibe oder inszeniere und sehe, der könnte jetzt alte Schule werden. Ich denke, da habe ich ein gutes Auge darauf, dass uns das nicht mehr passiert. Michael Niavarani ist aber auch modern und offen. Ich muss keine Wände einrennen. Durch die freie Besetzung wird es auf jeden Fall feministischer. Früher war es immer in Ordnung, dass der Generaldirektor den Witz macht. Die besonders lustigen Stücke haben früher Männer geschrieben und verkörpert. Die Zeiten haben sich geändert. Wir haben ein gutes Team und es geht ungezwungen leicht von der Hand.
campus a: Was braucht es, um junge Menschen wieder stärker in Live-Kulturerlebnisse zu bringen, gerade ins Kabarett?
Jenny Frankl: Alle, die bei uns waren, sind begeistert und kommen wieder. Wir haben heuer ein paar InfluencerInnen eingeladen. Als Rückmeldung bekommen wir immer: „Es war so cool. So etwas haben wir noch nie gesehen.“
Das Kabarett Simpl setzt seit hundert Jahren auf gesellschaftskritischen Humor. (Foto: Amin Zaazou)
campus a: Meine Generation ist durch soziale Medien an kurze Clips und Pointen gewöhnt und auch die Generation, deiner Kinder. Wie glaubst du, verändert oder beeinflusst dieses Konsumverhalten, deine Art zu schreiben?
Jenny Frankl: Wir haben den Vorteil, Sketches zu machen. Wenn du das mit einem klassischen Theaterstück wie Hamlet vergleichst, kann es dir gefallen oder eben nicht, es catcht dich oder nicht. Im Simpl sind es kurze Clips, einer nach dem anderen und jede Szene hat ein ganz anderes Thema, einen ganz anderen Look. Das ist vergleichbar mit Instagram.
campus a: Wie setzt das Simpl Instagram ein?
Jenny Frankl: Es macht mir Spaß, unseren Followern das Chaos hinter der Bühne zu zeigen.
campus a: Was macht dir am meisten Spaß an deiner Arbeit?
Jenny Frankl: Die Vielfalt, drei Jobs im Simpl auszuüben und alles mitgestalten zu dürfen. Ich schreibe das Programm, bin Autorin und die künstlerische Leitung. Was spielen wir, wann und warum? Ich könnte von allen drei Spaten nichts weglassen. Wenn ich mich für eins entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich Schauspielen. Der direkte Kontakt mit dem Publikum ist das Schönste und meine persönliche Leidenschaft.
campus a: Welche Botschaft oder welches Gefühl möchtest du mit deinen Stücken ans Publikum weitergeben? Besonders an junge Menschen, die vielleicht zum ersten Mal im Simpl sitzen?
Jenny Frankl: Ich möchte zum Nachdenken anregen, nicht nur das Publikum zum Lachen bringen. Alle sollen mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen. Das ist mein Anspruch für jedes Jahr, für jede Revue. Oft ist es uns schon gelungen. Das Publikum lacht zweieinhalb Stunden durch, geht nach Hause und denkt dann zwei Wochen an die Inhalte. Wir hatten eine Nummer „Der letzte Quadratmeter Grün“, die geht aufs Ganze. Die Zuseher fragen sich: Was ist, wenn alles versiegelt ist? Wir lösen das humoristisch auf und versuchen, das Publikum darüber lachen zu lassen. Wenn ich einmal über etwas lache, wovor ich mich eigentlich fürchte, ist die Angst danach kleiner. Unsere Gäste sollen zuversichtlich und gut gelaunt nach Hause gehen.
campus a: Was soll die Generation Z inspirieren, was soll sie vom Kabarett mitnehmen?
Jenny Frankl: Ein Live-Erlebnis lohnt sich immer. Selbst wenn die Conclusio vom Publikum ist, dass es nicht gut gefallen hat, ist es trotzdem Bildung. Sie haben etwas erlebt, waren unter Menschen. Es ist kaum möglich, dasselbe Gefühl rein digital zu erleben. Im Kabarett herrscht vor Ort eine Gruppendynamik, im TV ist die nicht spürbar. Wohlfühlen und zusammen lachen, fühlt sich immer gut an.
Ein Live-Erlebnis lohnt sich immer. (Foto: Amin Zaazou)
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